Geschichte

Film: "Von Kamingesprächen zum wesentlichen Entscheidungsorgan"

Dieser Dokumentarfilm zeichnet die Geschichte des Europäischen Rates von seiner Gründung bis zum heutigen Tag nach. Er zeigt wichtige Meilensteine der vergangenen Jahrzehnte, die den Entscheidungsfindungsprozess der Staats- und Regierungschefs der EU geprägt haben.
Die Geschichte wird aus der Sicht derjenigen erzählt, die Zeugen des Wandels des Europäischen Rates zum heutigen zentralen Entscheidungsorgan waren.

Erfahren Sie mehr über die Ereignisse und die Verträge, die die Rolle des Europäischen Rates, des Rates der EU, der Euro-Gruppe und des Euro-Gipfels geprägt haben.

1951

Der Vertrag von Paris

Mit dem Vertrag von Paris wird die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gegründet, die einen gemeinsamen Markt für Kohle und Stahl ins Leben ruft. Damit wird ein Schritt zum Abbau von Misstrauen und Spannungen zwischen europäischen Nachbarstaaten nach dem Zweiten Weltkrieg getan. Der EGKS-Vertrag, der 2002 auslief, ist der erste Gründungsvertrag der Europäischen Gemeinschaft.

1958

1. Januar

Die Römischen Verträge

Mit den Römischen Verträgen werden die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) gegründet. Am 25. Januar 1958 findet unter der Leitung des belgischen Außenministers Victor Larock die erste Tagung des Rates der EWG statt.

1973

1. Januar

Die erste Erweiterung

Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich treten den Europäischen Gemeinschaften bei, womit sich die Zahl der Mitgliedstaaten auf neun erhöht.

1974

Dezember

Einsetzung des Europäischen Rates

Nach dem Gipfel im Dezember 1973 in Kopenhagen, dem zufolge Gipfeltagungen jeweils bei Bedarf stattfinden sollten, wird auf dem vom französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing organisierten Gipfel im Dezember 1974 in Paris der Europäische Rat ins Leben gerufen. Er wurde als informelles Forum für Gespräche zwischen den Staats- und Regierungschefs geschaffen.

1975

11. März

Erste Tagung des Europäischen Rates

Der neugeschaffene Europäische Rat tagt erstmals im März 1975 in Dublin.

1981

1. Januar

Griechenland tritt der EU bei

Mit dem Beitritt Griechenlands wird die Zahl der EU-Mitgliedstaaten zweistellig.

1985

14. Juni

Schengener Übereinkommen

Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande unterzeichnen in Schengen (Luxemburg) das Schengener Übereinkommen über die Abschaffung der Grenzkontrollen.

Dieses Übereinkommen räumt den Bürgern schrittweise die Möglichkeit ein, Binnengrenzen ohne Passkontrollen zu überschreiten. Die Umsetzung des Schengener Übereinkommens beginnt später (1995).

2.-3. Dezember

Europäischer Rat in Luxemburg

Der Europäische Rat erzielt eine politische Einigung, mit der der Weg für die Annahme der Einheitlichen Europäischen Akte geebnet wird.

1986

1. Januar

Spanien und Portugal werden EU-Mitglieder

Spanien und Portugal treten der EU bei, womit sich die Zahl der Mitgliedstaaten auf zwölf erhöht.

1987

1. Juli

Die Einheitliche Europäische Akte

Mit der Einheitlichen Europäischen Akte (EEA) wird der Binnenmarkt errichtet, der den freien Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital ermöglicht. Ferner wird damit die außenpolitische Zusammenarbeit eingeleitet und die Möglichkeit zur Beschlussfassung mit qualifizierter Mehrheit im Rat ausgedehnt.

Außerdem erhält der Europäische Rat mit der Einheitlichen Europäischen Akte eine Rechtsgrundlage. Damit werden die Treffen der Staats- und Regierungschefs formalisiert.

1992

11. Dezember

Öffentliche Tagungen

Der Europäische Rat führt auf seiner Tagung 1992 in Edinburgh öffentliche Tagungen ein. Diese Praxis wird im Laufe der Jahre erheblich ausgeweitet – zuletzt durch den Vertrag von Lissabon.

Die öffentlichen Aussprachen und Beratungen des Rates können heute auf der Website verfolgt werden.

1995

1. Januar

Die vierte Erweiterung der EU

Österreich, Finnland und Schweden treten der EU bei. Die EU umfasst nunmehr 15 Staaten und erstreckt sich über fast ganz Westeuropa.

1996

Der Europäische Rat tritt viermal jährlich zusammen 

Seit 1996 tritt der Europäische Rat mindestens viermal jährlich zusammen. Bis dahin waren nur zwei Tagungen pro Jahr erforderlich.

1997

13. Dezember

Einsetzung der Euro-Gruppe

Der Europäische Rat billigt die Einsetzung der Euro-Gruppe – ein informelles Gremium, in dem die Finanzminister der Länder vertreten sind, deren gemeinsame Währung der Euro ist. Die erste Sitzung der Euro-Gruppe findet am 4. Juni 1998 auf Schloss Senningen in Luxemburg statt.

1999

1. Mai

Der Vertrag von Amsterdam

Mit dem Vertrag von Amsterdam wird ein Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts errichtet und das Schengen-Übereinkommen in EU-Recht überführt. Ferner wird durch den Vertrag die Rolle des Generalsekretärs des Rates geändert, der nun auch zum Hohen Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik wird.

2002

1. Januar

Der Euro kommt in Umlauf

Ab dem 1. Januar 2002 treten Euro-Banknoten und ‑Münzen an die Stelle der nationalen Währungen.

2003

1. Februar

Der Vertrag von Nizza

Mit dem Vertrag von Nizza wird die institutionelle Reform der EU im Hinblick auf die künftige, auf 27 Mitgliedstaaten erweiterte EU eingeleitet. Auf Ebene des Rates wird die Möglichkeit zur Beschlussfassung mit qualifizierter Mehrheit ausgedehnt und der Grundsatz der verstärkten Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten eingeführt.

Oktober

Die Tagungen des Europäischen Rates finden in Brüssel statt 

Seit Oktober 2003 finden alle förmlichen Tagungen des Europäischen Rates in Brüssel statt.

In der Erklärung Nr. 22 zum Vertrag von Nizza ist festgelegt, dass alle Tagungen des Europäischen Rates in Brüssel stattfinden, sobald die EU 18 Mitgliedstaaten hat.

2004

1. Mai

Die größte Erweiterung der EU

Zehn neue Staaten treten gleichzeitig der EU bei: die Tschechische Republik, Estland, Zypern, Lettland, Litauen, Ungarn, Malta, Polen, die Slowakei und Slowenien. Dies ist in Bezug auf Einwohner und Länder die zahlenmäßig größte Erweiterung der EU.

Damit hat die EU jetzt 25 Mitgliedstaaten.

2007

1. Januar

Bulgarien und Rumänien treten der EU bei

Bulgarien und Rumänien werden Mitgliedstaaten der nunmehr 27 Länder umfassenden EU.

2009

19. November

Herman Van Rompuy wird zum Präsidenten des Europäischen Rates gewählt

Auf einer informellen Tagung am 19. November 2009 in Brüssel verständigen sich die Staats- und Regierungschefs der EU einstimmig darauf, Herman Van Rompuy zum ersten ständigen Präsidenten des Europäischen Rates zu ernennen.

1. Dezember

Der Vertrag von Lissabon

Mit dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon werden Struktur und Arbeitsweise der EU reformiert.

Die Möglichkeit zur Beschlussfassung mit qualifizierter Mehrheit im Rat wird ausgedehnt.

Der Europäische Rat wird ein eigenständiges Organ, das über einen Präsidenten verfügt. Bis dahin war der Europäische Rat ein informelles Gremium und das Amt des Vorsitzenden des Europäischen Rates eine inoffizielle Funktion. Die Rolle wurde von dem Staats- oder Regierungschef des Mitgliedstaats ausgeübt, der zum jeweiligen Zeitpunkt den turnusmäßig wechselnden Vorsitz im Rat der Europäischen Union innehatte. 

10.-11. Dezember

Europäischer Rat unter dem Vorsitz von Fredrik Reinfeldt

Zum letzten Mal führt der Staats- oder Regierungschef des Mitgliedstaats, der den turnusmäßig wechselnden Ratsvorsitz innehat, auf der Tagung des Europäischen Rates den Vorsitz.

Der Europäische Rat vom Dezember 2009 findet unter dem Vorsitz des schwedischen Ministerpräsidenten Fredrik Reinfeldt statt.

2012

1.-2. März

Der Vertrag über Stabilität, Koordinierung und Steuerung in der Wirtschafts- und Währungsunion

Auf der Tagung des Europäischen Rates vom 1./2. März 2012 unterzeichnen 25 Staats- und Regierungschefs den Vertrag über Stabilität, Koordinierung und Steuerung in der Wirtschafts- und Währungsunion (SKS-Vertrag).  

Der Vertrag tritt am 1. Januar 2013 in Kraft und formalisiert den Euro-Gipfel. In Artikel 12 des Vertrags sind die Organisation des Euro-Gipfels und die Rolle des Präsidenten festgelegt.

1. März

Wiederwahl von Herman Van Rompuy

Herman Van Rompuy wird für eine zweite Amtszeit vom 1. Juni 2012 bis zum 30. November 2014 zum Präsidenten des Europäischen Rates gewählt.

10. Dezember

Friedensnobelpreis für die EU

Die EU erhält 2012 den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz für Frieden, Aussöhnung, Demokratie und Menschenrechte in Europa.

Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU erklärt das norwegische Nobelpreiskomitee, es würdige mit seiner Entscheidung die stabilisierende Rolle der EU, der es zu verdanken sei, dass fast ganz Europa von einem Kontinent der Kriege zu einem Kontinent des Friedens geworden sei.

2013

1. Juli

Kroatien tritt der EU bei

Nach Slowenien wird Kroatien als zweites aus Jugoslawien hervorgegangenes Land Mitglied der EU. 

Damit hat die EU 28 Mitgliedstaaten.

2014

1. Dezember

Donald Tusk wird Präsident des Europäischen Rates

Donald Tusk folgt Herman Van Rompuy als Präsident des Europäischen Rates nach. Seine Amtszeit läuft vom 1. Dezember 2014 bis zum 31. Mai 2017.