- Pressemitteilung
- 30. März 2021
- 08:25
„COVID-19 macht deutlich, warum geeintes Handeln für eine solidere internationale Gesundheitsarchitektur erforderlich ist“ – Gemeinsamer Aufruf von Präsident Charles Michel, WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus und mehr als 20 Staats- und Regierungschefs weltweit
Die COVID‑19-Pandemie ist die größte Herausforderung für die Weltgemeinschaft seit den 1940er Jahren. Damals – nach zwei Weltkriegen mit verheerenden Auswirkungen – kamen die führenden Politiker zusammen, um das multilaterale System aufzubauen. Die Ziele waren klar: Sie wollten die Länder zusammenbringen, die Versuchungen von Isolationismus und Nationalismus beseitigen und die Herausforderungen angehen, die nur gemeinsam im Geiste der Solidarität und der Zusammenarbeit bewältigt werden konnten, nämlich Frieden, Wohlstand, Gesundheit und Sicherheit.
Heute haben wir die gleiche Hoffnung: dass wir durch die gemeinsame Bekämpfung der COVID‑19-Pandemie eine solidere internationale Gesundheitsarchitektur aufbauen können, die künftige Generationen schützt. Es wird weitere Pandemien und andere schwere Gesundheitskrisen geben. Keine einzelne Regierung oder multilaterale Agentur kann diese Bedrohung alleine bewältigen. Die Frage lautet nicht „ob“, sondern „wann“. Gemeinsam müssen wir besser darauf vorbereitet sein, in enger Abstimmung Pandemien vorherzusehen, zu verhindern, zu erkennen, zu bewerten und wirksam darauf zu reagieren. Die COVID‑19-Pandemie hat uns schonungslos und schmerzhaft vor Augen geführt, dass niemand sicher ist, bis alle sicher sind.
Daher sehen wir es als unsere Pflicht an, den universellen und gleichberechtigten Zugang zu sicheren, wirksamen und erschwinglichen Impfstoffen, Arzneimitteln und Diagnostika während dieser und künftiger Pandemien sicherzustellen. Immunisierung ist ein globales öffentliches Gut, und wir müssen in der Lage sein, so schnell wie möglich Impfstoffe zu entwickeln, herzustellen und einzusetzen.
Aus diesem Grund wurde die Initiative für einen raschen Zugang zu COVID‑19-Instrumenten (ACT-Accelerator) geschaffen. Damit sollen ein gleichberechtigter Zugang zu Tests, Behandlungen und Impfstoffen gefördert und Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt unterstützt werden. Der ACT-Accelerator hat sich in vielerlei Hinsicht bewährt, doch ein gleichberechtigter Zugang ist noch nicht erreicht. Wir können noch mehr tun, um den weltweiten Zugang zu fördern.
Wir sind der Ansicht, dass die Nationen zu diesem Zweck gemeinsam auf einen neuen internationalen Vertrag über Pandemievorsorge und ‑reaktion hinarbeiten sollten.
Eine solche erneuerte gemeinsame Verpflichtung wäre ein Meilenstein bei der Verbesserung der Pandemievorsorge auf höchster politischer Ebene. Der Vertrag würde auf der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation fußen und andere einschlägige Organisationen miteinbeziehen, die für dieses Vorhaben von entscheidender Bedeutung sind, um den Grundsatz der Gesundheit für alle zu fördern. Die bestehenden globalen Gesundheitsinstrumente, insbesondere die Internationalen Gesundheitsvorschriften, würden einen solchen Vertrag untermauern und eine solide und erprobte Grundlage schaffen, auf der wir aufbauen und die wir verbessern können.
Das Hauptziel dieses Vertrags bestünde darin, einen gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Ansatz zu fördern und so die Kapazitäten und die Widerstandsfähigkeit gegenüber künftigen Pandemien auf nationaler, regionaler und globaler Ebene zu stärken. Dazu gehört eine erhebliche Stärkung der internationalen Zusammenarbeit, um beispielsweise Warnsysteme, Datenaustausch, Forschung sowie lokale, regionale und weltweite Produktion und Verbreitung von medizinischen und volksgesundheitlichen Gegenmaßnahmen wie Impfstoffe, Arzneimittel, Diagnostika und persönliche Schutzausrüstung zu verbessern.
Ferner würde dies die Anerkennung des Konzepts „Eine Gesundheit“ umfassen, das die Gesundheit von Menschen, Tieren und unserem Planeten miteinander verbindet. Ein solcher Vertrag sollte auch zu mehr gegenseitiger Rechenschaftspflicht und gemeinsamer Verantwortung, Transparenz und Zusammenarbeit innerhalb des internationalen Systems und nach dessen Regeln und Normen führen.
Dazu werden wir mit den Staats- und Regierungschefs weltweit und mit allen Interessenträgern, einschließlich der Zivilgesellschaft und des Privatsektors, zusammenarbeiten. Wir sehen es als unsere Verantwortung als Führungsspitzen von Staaten und internationalen Institutionen, dafür zu sorgen, dass die Welt Lehren aus der COVID‑19-Pandemie zieht.
Unsere Schwächen und Spaltungen haben COVID‑19 in die Hände gespielt; daher müssen wir diese Gelegenheit nutzen und als globale Gemeinschaft zu einer friedlichen Kooperation zusammenfinden, die über diese Krise hinausgeht. Der Aufbau unserer Kapazitäten und Systeme hierfür wird Zeit in Anspruch nehmen und ein anhaltendes politisches, finanzielles und gesellschaftliches Engagement über viele Jahre erfordern.
Unsere Solidarität bei der Gewährleistung einer besseren Vorsorge in der ganzen Welt wird unser Vermächtnis sein, das unsere Kinder und Enkel schützt und die Auswirkungen künftiger Pandemien auf unsere Volkswirtschaften und unsere Gesellschaften so gering wie möglich hält.
Die Pandemievorsorge erfordert eine globale Führung für ein globales Gesundheitssystem, das für dieses Jahrtausend gerüstet ist. Um diese Verpflichtung zu erfüllen, müssen wir uns von Solidarität, Fairness, Transparenz, Inklusivität und Gerechtigkeit leiten lassen.
Von J. V. Bainimarama, Premierminister von Fidschi, Prayut Chan-o-cha, Premierminister Thailands; António Luís Santos da Costa, Premierminister Portugals; Mario Draghi, Ministerpräsident Italiens; Klaus Iohannis, Präsident Rumäniens; Boris Johnson, Premierminister des Vereinigten Königreichs; Paul Kagame, Präsident Ruandas; Uhuru Kenyatta, Präsident Kenias; Emmanuel Macron, Präsident Frankreichs; Angela Merkel, Bundeskanzlerin Deutschlands; Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates; Kyriakos Mitsotakis, Ministerpräsident von Griechenland; Moon Jae-in, Präsident der Republik Korea; Sebastián Piñera, Präsident Chiles; Andrej Plenković, kroatischer Ministerpräsident Carlos Alvarado Quesada, Präsident Costa Ricas; Edi Rama, Ministerpräsident Albaniens; Cyril Ramaphosa, Präsident Südafrikas; Keith Rowley, Premierminister von Trinidad und Tobago; Mark Rutte, Ministerpräsident der Niederlande; Kais Saied, Präsident Tunesiens; Macky Sall, Präsident Senegals; Pedro Sánchez, Ministerpräsident Spaniens; Erna Solberg, Ministerpräsidentin Norwegens; Aleksandar Vučić, Präsident Serbiens; Joko Widodo, Präsident Indonesiens; Wolodymyr Selenskij, Präsident der Ukraine; Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation.
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