Auswirkungen der Sanktionen auf die russische Wirtschaft
Seit Russlands grundloser und ungerechtfertigter Invasion in die Ukraine im Februar 2022 hat der Rat zehn Sanktionspakete gegen Russland und Belarus angenommen. Die Sanktionen zielen darauf ab, Russlands Fähigkeit zur Finanzierung des Krieges zu schwächen; sie richten sich insbesondere gegen die politische, militärische und wirtschaftliche Elite, die für die Invasion verantwortlich ist.
Die restriktiven Maßnahmen richten sich nicht gegen die russische Gesellschaft. Aus diesem Grund sind Bereiche wie Lebensmittel, Landwirtschaft, Gesundheit und Arzneimittel von den verhängten restriktiven Maßnahmen ausgenommen.
Wirtschaftsindikatoren zeigen, dass die in Europa und anderswo gegen Russland verhängten restriktiven Maßnahmen Auswirkungen auf die russische Wirtschaft haben.
Die russische Wirtschaft schrumpft
Nach Angaben der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) war 2022 ein schlechtes Jahr für die russische Wirtschaft. Schätzungen zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Russlands im Jahr 2022 um 2,1 % zurückgegangen.
Die russische Wirtschaft dürfte 2023 weiter schrumpfen. Russlands BIP wird Prognosen zufolge im Worst-Case-Szenario um 2,5 % (Prognose der OECD) oder um 0,2 % (Prognose der Weltbank) zurückgehen. Der IWF geht für 2023 von einem Wachstum (0,7 %) aus.
BIP-Entwicklung Russlands – Entwicklung von 2018 bis 2023
(Basis: 100 im Jahr 2018)
Grafische Darstellung der Entwicklung des BIP Russlands im Jahresvergleich zwischen 2018 und 2022 auf der Grundlage von Schätzungen und Prognosen der OECD, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank.
Die Abbildung zeigt, dass das russische BIP 2022 nach Schätzungen aller drei Organisationen um 2,1 % zurückgehen wird.
Das russische BIP dürfte im Jahr 2023 nach Schätzungen der OECD um 2,5 % und nach Schätzungen der Weltbank um 0,2 % zurückgehen. Der IWF sagt einen Anstieg um 0,7 % voraus.
Rückläufiger Handel
Die restriktiven Maßnahmen zielen auf die Einfuhr bestimmter Waren aus Russland und die Ausfuhr bestimmter Waren nach Russland ab. Durch die Liste verbotener Erzeugnisse sollen die negativen Auswirkungen der Sanktionen für die russische Wirtschaft größtmöglich ausfallen und gleichzeitig die Folgen für Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger der EU begrenzt werden.
Die Zahlen belegen, dass diese restriktiven Maßnahmen Wirkung zeigen. Sowohl die Weltbank als auch der IWF gehen davon aus, dass der russische Handel mit Waren und Dienstleistungen 2022 erheblich zurückgegangen ist. 2023 werden die Einfuhren voraussichtlich höher sein als 2022, während die Ausfuhren nach Angaben der Weltbank weiter zurückgehen oder dem IWF zufolge nahezu auf demselben Niveau bleiben werden.
Einfuhren und Ausfuhren Russlands von 2018 bis 2023
(Basis: 100 im Jahr 2018)
Das Liniendiagramm zeigt die Veränderungen bei den Ein- und Ausfuhren Russlands zwischen 2018 und 2023. Nach Schätzungen des IWF sind Russlands Einfuhren 2022 (im Vergleich zu 2021) um 15,01 % zurückgegangen, während die Ausfuhren um 8,7 % zurückgegangen sind.
2023 werden die Einfuhren (im Vergleich zu 2022) um 8,25 % steigen, während die Ausfuhren um 0,24 % steigen werden. Nach Angaben der Weltbank sind die Einfuhren Russlands 2022 um 9,7 % (im Vergleich zu 2021) und die Ausfuhren um 9,6 % zurückgegangen. 2023 werden die Einfuhren (im Vergleich zu 2022) um 4,1 % steigen, während die Ausfuhren um 4,6 % zurückgehen werden.
Russlands Einnahmen aus fossilen Brennstoffen gehen zurück
Während Russland im ersten Halbjahr 2022 von den steigenden Preisen für fossile Brennstoffe auf den Weltmärkten profitierte, haben die im Dezember 2022 in Kraft getretenen Sanktionen gegen Öleinfuhren zu einer Verminderung der Einnahmen Russlands geführt.
Nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur sind die Erdöleinnahmen Russlands im Januar 2023 (im Vergleich zum Januar 2022) um mehr als ein Viertel zurückgegangen. Der Rückgang im Februar war sogar noch deutlicher (über 40 %).
Monatliche Einnahmen Russlands aus Ölexporten (in Mrd. $)
Das Balkendiagramm zeigt die Veränderungen der monatlichen Einnahmen aus Ölexporten. Im Januar 2023 sind die Einnahmen um 26,9 % (im Vergleich zum Januar 2022) zurückgegangen. Im Februar 2023 sind die Einnahmen um 41,7 % (im Vergleich zu Februar 2022) zurückgegangen.
Eingefrorene Vermögenswerte
Die von der EU und ihren Partnern gegen das russische Finanzsystem verhängten Sanktionen verringern die Fähigkeit Russlands, den Krieg zu finanzieren.
Reserven der russischen Zentralbank in Höhe von 300 Mrd. € sind in der EU, in anderen G7-Ländern und in Australien blockiert (zwei Drittel davon sind in der EU blockiert).
70 % der Vermögenswerte des russischen Bankensystems unterliegen Sanktionen.
Rund 20 Mrd. € an Vermögenswerten von mehr als 1 500 Personen und Organisationen, gegen die Sanktionen verhängt wurden, sind eingefroren.
Weitere Informationen:
- Russische Invasion in die Ukraine: Reaktion der EU (Hintergrundinformationen)
- Zeitleiste – Restriktive Maßnahmen der EU gegen Russland aufgrund der Krise in der Ukraine (Hintergrundinformationen)
- Restriktive Maßnahmen der EU gegen Russland aufgrund der Krise in der Ukraine seit 2014 (Hintergrundinformationen)
- Die EU-Sanktionen gegen Russland im Detail (Hintergrundinformationen)
- EU-Sanktionen gegen Russland aufgrund der Krise in der Ukraine seit 2014 (Infografik)
- EU-Sanktionen als Reaktion auf Russlands Invasion in die Ukraine (Infografik)