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Wie wird Strom in der EU erzeugt und verkauft?

Auf EU-Ebene machen erneuerbare Energien den größten Anteil an der Stromerzeugung aus, gefolgt von fossilen Brennstoffen und Kernenergie. Der Anteil erneuerbarer Energien und anderer Energiearten, die zur Stromerzeugung genutzt werden, ist in den einzelnen EU-Ländern unterschiedlich.

Russlands grundlose und ungerechtfertigte Aggression gegen die Ukraine hatte erhebliche Auswirkungen auf die Preise für fossile Brennstoffe in der EU – insbesondere für Gas – und folglich auf die Stromrechnungen der Europäerinnen und Europäer. Der Grund dafür ist, dass der Strompreis in der EU an den Preis für Erdgas gebunden ist, das für die Stromerzeugung verwendet wird.

Die EU hat 2024 eine Reform des EU-Strommarkts verabschiedet, um Preisschocks künftig zu vermeiden.

Woher stammt der Strom in der EU?

2024 wurden in der EU 2 828 TWh (Terawattstunden) Strom erzeugt (Bruttoerzeugung). Über 48 % des Stroms stammten aus erneuerbaren Quellen. Fossile Brennstoffe machten knapp 29 % aus, Kernenergie etwas mehr als 23 %. Der Strom aus erneuerbaren Quellen stammte hauptsächlich aus Windkraft (36,2 % Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen), Wasserkraft (27,4 %) und Solarenergie (22,8 %). Der wichtigste fossile Brennstoff für die Stromerzeugung war Erdgas (über 56 % des aus fossilen Brennstoffen erzeugten Stroms) gefolgt von Kohle (34,3 %).

Bruttostromerzeugung in der EU nach Brennstoffart (2024)

Textfassung

Mehrstufiges Kreisdiagramm, das den Anteil der verschiedenen Brennstoffarten an der Bruttostromerzeugung in der EU zeigt:

2024 wurden über 48 % des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen, weniger als 30 % aus fossilen Brennstoffen und über 23 % aus Kernenergie gewonnen.

Fossile Brennstoffe im Einzelnen:

  • Gas: 15,9 %
  • Kohle: 9,7 %
  • Erdöl: 1,6 %
  • Sonstige: 1,1 %

Erneuerbare Energien im Einzelnen:

  • Windenergie: 17,5 %
  • Wasserkraft: 13,3 %
  • Solarenergie: 11 %
  • Biomasse und Biokraftstoffe: 6,4 %
  • Geothermie: 0,2 %

Der Strom in der EU wird jedes Jahr grüner. Seit 2004 hat sich der Anteil der erneuerbaren Energiequellen an der Stromerzeugung fast verdreifacht. In den kommenden Jahren wird er weiter wachsen, denn die EU hat sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden.

Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in der EU (2004-2024)

Textfassung

Ein Liniendiagramm zeigt den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in der EU von 2004 bis 2024. 2004 betrug er weniger als 16 %. Seitdem ist der Anteil kontinuierlich gestiegen – auf 47,5 % im Jahr 2024.

Wie unterscheidet sich die Stromerzeugung von Land zu Land?

In den einzelnen EU-Mitgliedstaaten ist der Strommix sehr unterschiedlich; der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energiequellen reicht dabei von 96 % bis zu 15 %. Die Gründe dafür sind geografische Gegebenheiten, das Vorkommen natürlicher Ressourcen wie Kohle und Erdgas, die Struktur der Volkswirtschaften sowie politische Entscheidungen (z. B. über den Aus- oder Abbau von Kapazitäten im Bereich Kernenergie).

Bruttostromerzeugung in den EU-Ländern (2024)

Textfassung

Ein Balkendiagramm zeigt den Anteil von erneuerbaren Energien, fossilen Brennstoffen und Kernenergie an der Stromerzeugung in den 27 EU-Ländern. Die Abbildung zeigt den sehr unterschiedlichen Anteil erneuerbarer Energiequellen an der Stromerzeugung: von 96 % in Luxemburg bis zu 15 % in Malta. Zwölf Länder erzeugen einen Teil ihres Stroms aus Kernenergie. Dieser Anteil reicht von 2,9 % in den Niederlanden bis zu mehr als 60 % in Frankreich und der Slowakei.

Zwölf Mitgliedstaaten betrieben 2024 Kernkraftwerke. Acht von ihnen deckten damit mehr als ein Drittel ihrer Stromerzeugung ab.

Wie kommt der Strompreis zustande?

Durch Russlands Invasion in die Ukraine sind die Gas- und Strompreise in Europa stark angestiegen. Der Gaspreis ist in die Höhe geschnellt, weil die stark reduzierten Gasimporte aus Russland durch teurere Gasquellen – hauptsächlich Flüssigerdgasgas (LNG) – ersetzt werden mussten.

Auch der Strompreis ist gestiegen. Das liegt daran, dass der Strompreis häufig durch den Gaspreis bestimmt wird. Der Grund dafür ist das sogenannte „Merit-Order-Prinzip“.

Was ist das „Merit-Order-Prinzip“?

Strom wird wie eine Ware gehandelt, was häufig an Energiebörsen geschieht. Jedes Kraftwerk bietet seinen Strom zu einem eigenen, kostendeckenden Preis an.

Infografik zur Erläuterung des „Merit-Order-Systems“, bei dem der Strom zu dem Preis verkauft wird, der von dem letzten und teuersten Kraftwerk angeboten wird.

Der günstigste Strom wird zuerst verkauft. Meist ist das Strom aus erneuerbaren Energiequellen.

Wenn die Menge nicht reicht, können andere, teurere Kraftwerke ihren Strom (aus Kohle und Gas) verkaufen.

Der Strom wird jedoch nicht zu dem jeweiligen Preis der einzelnen Kraftwerke verkauft, sondern vielmehr zu dem Preis des letzten und teuersten Kraftwerks.

Im Laufe des Jahres 2022 haben zahlreiche EU-Länder Maßnahmen ergriffen, um die Belastung der Bürgerinnen und Bürger durch den Preisanstieg abzufedern, z. B. durch eine Senkung der Mehrwertsteuer oder durch Subventionen für Haushalte und Unternehmen.

Nach Schätzungen der Denkfabrik Bruegel haben die EU-Länder

Im Mai 2024 nahm der Rat die Reform des Energiemarkts an, um die Menschen in Europa künftig vor vergleichbaren Preisschocks zu schützen.

Letzte Überprüfung: 27. April 2026