Mündlich überlieferte Geschichte
In den Interviews schildern diese Personen die Höhepunkte ihres Berufslebens sowie die Arbeitsweise und die Verfahren des Rates und seines Generalsekretariats. Damit folgt die Archivabteilung des Rates dem Beispiel der Archivabteilungen anderer EU-Institutionen, die bereits Programme zur mündlich überlieferten Geschichte eingerichtet haben.
Annalisa Giannella
Annalisa Giannella begann 1972 ihre Laufbahn beim Rat und hat ihr gesamtes Berufsleben in den Dienst der EU gestellt. Als 1994 die Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik entstand, war sie eine der ersten, die in diesen Bereich wechselte. 1999 wurde sie Direktorin für Sicherheits- und Verteidigungspolitik. 2003 ernannte der Hohe Vertreter Javier Solana sie zu seiner persönlichen Vertreterin für Nichtverbreitungs- und Abrüstungsfragen. Sie war stellvertretende Generalsekretärin des Europäischen Konvents.
Im Interview erklärt Annalisa Giannella, wie sich der Rat der EU und sein Generalsekretariat im Laufe der Zeit entwickelt haben. Anhand ihrer Erfahrungen mit der ersten Erweiterung der EU, dem Vertrag von Maastricht, der Entwicklung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik und dem Europäischen Konvent gewährt sie Einblicke in die Arbeit des Rates und der wichtigsten Personen, die an seiner Gestaltung beteiligt waren.
Pierre de Boissieu
Pierre de Boissieu, Schlüsselfigur der französischen und europäischen Diplomatie, bekleidete während seiner beruflichen Laufbahn verschiedene essenzielle Ämter innerhalb der Europäischen Union.
Dieses Interview ist ein einzigartiger Rückblick auf seine Dienstjahre, seine Rolle im Generalsekretariat des Rates, wo er mit wichtigen Dossiers betraut war, aber auch seine Erfahrung im AStV. Pierre de Boissieu gewährt uns im Gespräch einen Einblick in seine Arbeit im Hintergrund hochrangiger Tagungen, Verhandlungen und Diplomatie. Außerdem verrät er uns seine persönliche Vision der Europäischen Union und was er über deren vergangene und zukünftige Entwicklungen denkt.
Neben seinen Jahren im Rat spricht Pierre de Boissieu über seine wesentliche Beteiligung bei den Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht. In diesem historischen Moment für die Europäische Union war er federführend an der Entwicklung der Säulenstruktur beteiligt und gestaltete somit die institutionelle Organisation der Europäischen Union mit.
Das Gespräch ermöglicht uns, besser zu verstehen, mit welchen Herausforderungen er konfrontiert war und welchen diskreten, aber entscheidenden Einfluss er auf die europäische Integration hatte.
Liliane Simon
In der Karriere von Liliane Simon spiegeln sich die prägenden Jahrzehnte der europäischen Integration wider. Von ihren Anfängen bei der EGKS und Euratom bis zu ihrem langen Werdegang im Rat – stets hat sie an der Schnittstelle der institutionellen Veränderungen gearbeitet.
Als Sekretärin von drei Generalsekretären und anschließend als Pressereferentin hat sie aus erster Hand die Krisen, Erweiterungen und Verhandlungen erlebt, die Europa gestaltet haben.
Ihr Bericht bietet einen seltenen Einblick in die tägliche Arbeit und die menschliche Dimension der europäischen Entscheidungsfindung.
Jim Cloos
2001 begann Jim Cloos seine Tätigkeit beim Generalsekretariat des Rates der EU als Direktor für transatlantische Beziehungen. Nachdem er 2006 Direktor für Allgemeine politische Fragen geworden war, übernahm er 2010 die Stelle des Generaldirektors für Allgemeine und Institutionelle Politik.
Als ein wichtiger Akteur hinter den Kulissen koordinierte und unterstützte Jim Cloos 15 Jahre lang die Tagungen des Europäischen Rates und gehörte zu den wenigen Beamten, die während der Tagungen im Saal anwesend waren.
Charles Elsen
Charles Elsen wurde am 7. Februar 1994 zum ersten Generaldirektor der Generaldirektion Justiz und Inneres des Rates der Europäischen Union ernannt.
Er übte dieses Amt bis 2004 aus und nahm in der ersten Hälfte des Jahres 2005, während des luxemburgischen EU-Ratsvorsitzes, weiterhin einige Aufgaben wahr.
Letzte Überprüfung: 28. Mai 2026