Die Chip-Industrie in der EU
Mit ihrem Chip-Gesetz hat die EU anerkannt, dass Mikrochips in allen Bereichen – von der Unterhaltungselektronik bis zur kritischen Infrastruktur – eine Hauptrolle spielen und einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der EU leisten.
Was sind Chips und warum sind sie wichtig?
Mikrochips (kurz Chips oder auch Halbleiter) bestehen aus winzigen elektronischen Schaltkreisen auf kleinen, dünnen Silikonscheiben.
Chips sind die DNA moderner Technologie – sie können Daten erfassen, speichern, verarbeiten und verwalten. Für ein breites Spektrum alltäglicher und kritischer Anwendungen sind sie somit unersetzlich.
im Alltag
Unsere Smartphones, Laptops, Spielkonsolen, Modems, Fernsehgeräte und Haushaltsgeräte funktionieren nur dank Chips.
bei kritischen Anwendungen
Chips sind für die Automobilindustrie, die Luftfahrt und das Gesundheitswesen (etwa medizinische Diagnosegeräte) unverzichtbar geworden.
bei wichtiger Infrastruktur
Chips spielen eine wichtige Rolle in den Bereichen Energie, Verteidigung, Mobilität, Daten und Kommunikationssysteme.
Auch mit Blick auf das Ziel der EU, bei KI weltweit eine Führungsrolle zu übernehmen, sind Chips von entscheidender Bedeutung: Sie bilden die Grundlage für Technologien, die unerlässlich dafür sein werden, die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu steigern – von KI-Anwendungen und Cloud-Infrastruktur bis zu Drohnen, vernetzten Fahrzeugen und Industrierobotik.
Die Position der EU auf dem Weltmarkt
Der globale Halbleitermarkt entwickelt sich rasant. 2025 waren Halbleiter – nach Öl und Fahrzeugen – die am dritthäufigsten gehandelte Ware weltweit.
Es wird erwartet, dass der globale Halbleitermarkt bis 2030 auf ein Volumen von 1,37 Billionen € anwächst, wobei KI-bezogene Komponenten rund 70 % dieses Wachstums ausmachen dürften.
Der Halbleiterverbrauch in der EU liegt mittlerweile bei einem Volumen von 41,1 Mrd. €; das entspricht 10,5 % der weltweiten Lieferungen. Dabei werden jedoch weniger als 10 % der Halbleiter in der EU hergestellt.
Außerdem haben fast 80 % der Hersteller, die Halbleiterunternehmen in der EU beliefern, ihren Hauptsitz außerhalb der EU.
Das Chip-Gesetz der EU
Ziele
Mit dem im Juli 2023 angenommenen Chip-Gesetz der EU werden die wichtigsten Herausforderungen für die Halbleiterindustrie angegangen, um
- Engpässe zu verringern,
- die Selbstversorgung zu verbessern und die Abhängigkeit von ausländischen Akteuren zu verringern,
- hochwertige Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen.
Mit dem Chip-Gesetz soll der weltweite Marktanteil der EU an Halbleitern bis 2030 von 10 % auf mindestens 20 % verdoppelt werden.
Drei Säulen
Initiative „Chips für Europa“
Diese Initiative unterstützt den groß angelegten Aufbau technologischer Kapazitäten und Innovationen.
Versorgungssicherheit und Resilienz
Ein zentrales Ziel der Initiative ist es, Anreize für mehr Investitionen zu schaffen und eine zuverlässige Lieferkette für die Halbleiterproduktion zu gewährleisten.
Überwachungs- und Krisenreaktionssystem
Dieses System ermöglicht es, Engpässe zu antizipieren und die Reaktion in Krisenzeiten zu koordinieren, sodass die EU rasch auf Störungen reagieren kann.
Das Chip-Gesetz der EU ist ein entscheidender Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas auf dem globalen Halbleitermarkt zu gewährleisten und gleichzeitig die technologische Zukunft Europas zu sichern.
Einer Analyse der Kommission zufolge hat das Chip-Gesetz dazu beigetragen, mehr als 52 Mrd. € an öffentlichen und privaten Investitionen zu mobilisieren und schätzungsweise 46 000 direkte und indirekte Arbeitsplätze geschaffen.
Stärkung der technologischen Souveränität der EU
Durch das europäische Chip-Gesetz wurden bereits einige Fortschritte erzielt. In Schlüsselbereichen wie fortgeschrittener Chip-Produktion und Halbleiterdesign ist die EU jedoch immer noch von Drittländern abhängig. So ist die EU bei den fortschrittlichsten und modernsten Chips, die weniger als 5 Nanometer groß sind – zu denen auch KI-Chips gehören – fast vollständig von den Vereinigten Staaten und Asien abhängig.
Am 3. Juni 2026 legte die Kommission einen Vorschlag für ein europäisches Chip-Gesetz 2.0 vor. Der Vorschlag baut auf dem ursprünglichen Chip-Gesetz und dessen Drei-Säulen-Struktur auf. Als Teil des Pakets zur technologischen Souveränität Europas soll er die Position der EU in der globalen Halbleiter-Wertschöpfungskette stärken.
Ziel ist es auch, die Entwicklung modernster Technologien zu unterstützen, insbesondere mit Blick auf KI-Anwendungen und Cloud-Technologien. Gleichzeitig sollen die Resilienz gestärkt und Schwachstellen in der Lieferkette verringert werden.
Zudem sieht der Vorschlag vor, die Sicherheit der Lieferketten zu verbessern und eine stabile Versorgung zu gewährleisten.
Der Rat und das Parlament erarbeiten derzeit ihre Standpunkte zu dem Vorschlag für ein europäisches Chip-Gesetz 2.0. Sobald diese feststehen, können die Verhandlungen über die endgültige Ausgestaltung der Verordnung beginnen.
Siehe auch
Die Industriepolitik der EU
Verordnung über künstliche Intelligenz
Maßnahmen der EU zur Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit
Letzte Überprüfung: 11. September 2026