Die EU und die Welthandelsorganisation
Die EU tritt für ein offenes, faires und regelbasiertes multilaterales Handelssystem ein, in dessen Mittelpunkt eine modernisierte WTO steht.
Was ist die WTO?
Die Welthandelsorganisation (WTO) ist eine globale Organisation, die für internationale Handelsregeln auf multilateraler Ebene zuständig ist. Ihr übergeordnetes Ziel ist es, den Handel auszuweiten und so den Lebensstandard zu erhöhen, Arbeitsplätze zu schaffen und das Leben der Menschen zu verbessern.
Die WTO wurde 1995 gegründet und ist die Nachfolgeorganisation des Allgemeinen Zoll‑ und Handelsabkommens (GATT), das aus den Verhandlungen über die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg hervorging.
Heute decken die WTO-Übereinkommen mehrere Bereiche des internationalen Handels ab, darunter:
- Warenverkehr
- Dienstleistungsverkehr
- Schutz geistigen Eigentums.
Die wichtigsten Aufgaben der WTO
Die WTO hat drei Hauptaufgaben:
Forum für Handelsverhandlungen und die Festlegung internationaler Handelsregeln
Die WTO dient als Forum, in dem die Mitglieder Handelsregeln aushandeln.
Beilegung von Handelsstreitigkeiten
Wenn sie Verstöße gegen WTO-Regeln sehen, können die Mitglieder das multilaterale System nutzen, um Streit beizulegen, anstatt einseitige Maßnahmen zu ergreifen.
Überwachung der Handelspolitik der Mitglieder
Die WTO prüft regelmäßig die nationale Handelspolitik, um für Transparenz zu sorgen und die Auswirkungen zu bewerten.
Alle WTO-Übereinkommen beruhen auf gemeinsamen Grundsätzen, die die Grundlage des multilateralen Handelssystems bilden:
- Handel ohne Diskriminierung (durch Befolgung der Prinzipien der Meistbegünstigung und der Inländerbehandlung)
- schrittweiser Abbau von Handelshemmnissen durch Verhandlungen
- Gewährleistung der Berechenbarkeit durch Bindungen und Transparenz
- Förderung eines fairen Wettbewerbs
- Förderung von Entwicklung und Wirtschaftsreformen
Die WTO steht im Zentrum der multilateralen Handelspolitik der EU, und die WTO-Regeln bilden die Grundlage für die Handelsbeziehungen der EU. Auch andere EU-Handelsvereinbarungen wie Freihandelsabkommen bauen auf den WTO-Regeln auf.
Die EU und die WTO
Die EU ist seit dem 1. Januar 1995 Mitglied der WTO. Die 27 EU-Länder selbst sind ebenfalls Mitglieder. Als Zollunion mit einer gemeinsamen Handelspolitik und einem gemeinsamen Außenzolltarif handelt die EU innerhalb der WTO mit einer Stimme und wird dabei von der Europäischen Kommission vertreten.
Der Rat spielt eine Schlüsselrolle dabei, die Politik der EU in der WTO zu bestimmen. Bezüglich der WTO hat der Rat folgende Hauptaufgaben:
- Die verschiedenen Standpunkte der EU in der Handelspolitik zu erörtern und zu koordinieren, unter anderem durch regelmäßige Aussprachen mit der Kommission im Ausschuss für Handelspolitik (d.h. im Ausschuss gemäß Artikel 207 Absatz 3 AEUV),
- die Kommission zu ermächtigen, rechtsverbindliche WTO-Übereinkommen auszuhandeln, zu unterzeichnen und (nach Zustimmung des Europäischen Parlaments) zu schließen und offizielle Standpunkte in den einschlägigen WTO-Gremien zu vertreten;
- innerhalb der WTO zu vertretende Standpunkte der EU anzunehmen und
- die Ergebnisse der WTO-Ministerkonferenzen zu billigen, dem höchsten Entscheidungsgremium der WTO, das in der Regel alle zwei Jahre zusammentritt.
Ziele der EU
Im Rahmen der WTO verfolgt die EU folgende Ziele:
- Den regelbasierten Handel durch eine reformierte und gestärkte WTO zu erhalten und zu verbessern,
- dafür zu sorgen, dass der Welthandel offen, fair und berechenbar bleibt und weiterhin auf gemeinsamen Regeln basiert,
- die WTO zu modernisieren und zukunftsfest zu machen, damit Handel und Investitionen der EU weiterhin von ihr profitieren,
- sicherzustellen, dass andere Mitglieder ebenfalls die Regeln einhalten, auch durch die Wiederherstellung eines voll funktionsfähigen Streitbeilegungssystems,
- die Integration der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft zu unterstützen und
- die Unterstützung der WTO für eine nachhaltige Handelspolitik weltweit zu verstärken.
Modernisierung der WTO
Die EU spielt seit dem Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des internationalen Handelssystems. Derzeit erörtert die EU die Modernisierung der WTO, damit diese angesichts zunehmender Herausforderungen für den regelbasierten Welthandel ihren Zweck erfüllen kann.
Siehe auch
Die Rolle der EU im Welthandel
Handelsabkommen
EU-Zölle im Detail
Letzte Überprüfung: 20. März 2026