- Internationales Gipfeltreffen
Gipfeltreffen EU-Kanada, 23. Juni 2025
Wichtigste Ergebnisse
António Costa, Präsident des Europäischen Rates, und Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, vertraten die EU auf dem 20. Gipfeltreffen EU-Kanada, das am 23. Juni 2025 in Brüssel stattfand. Premierminister Mark Carney vertrat Kanada.
Das Gipfeltreffen bot die Gelegenheit, die strategische Partnerschaft zwischen der EU und Kanada zu festigen und mit Blick auf den im raschen Wandel begriffenen geopolitischen und wirtschaftlichen Kontext ihre Zusammenarbeit zu stärken.
Wir stehen geschlossen für unser Ziel ein, eine neue, ehrgeizige und umfassende Partnerschaft aufzubauen, die den Bedürfnissen von heute entspricht und sich weiterentwickeln wird, um den Herausforderungen und Chancen für die Zukunft gerecht zu werden.
Gemeinsame Erklärung EU-Kanada
Am Ende des Gipfeltreffens gaben die Führungsspitzen eine gemeinsame Erklärung ab.
Die Hohe Vertreterin, Kaja Kallas, die kanadische Ministerin für auswärtige Angelegenheiten, Anita Anand, und der kanadische Verteidigungsminister, David J. McGuinty, haben ebenfalls die Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft zwischen der EU und Kanada unterzeichnet.
Geopolitik
Die EU und Kanada bekräftigten ihr Engagement für den Multilateralismus und die regelbasierte internationale Ordnung sowie für die Zusammenarbeit bei der Förderung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit als zuverlässige und verantwortungsvolle Partner.
Wir werden uns noch stärker für Frieden, Stabilität und Wohlstand in der Welt einsetzen, auch in der Ukraine, im Nahen Osten und im indopazifischen Raum.
Gemeinsame Erklärung EU-Kanada
Die Führungsspitzen bekräftigten das unerschütterliche Engagement der EU und Kanadas, die Ukraine zu unterstützen, unter anderem durch politische, finanzielle, wirtschaftliche, humanitäre, militärische und diplomatische Unterstützung und den Druck auf Russland zu erhöhen.
Sie bekräftigten ferner ihre Unterstützung für die Republik Moldau und stärken die Widerstandsfähigkeit des Landes, insbesondere gegen die hybriden Bedrohungen, die von Russland ausgehen.
- Russlands Krieg gegen die Ukraine (Hintergrundinformationen)
- Beziehungen EU-Moldau (Hintergrundinformationen)
Die Führungsspitzen befassten sich zudem mit anderen wichtigen regionalen Fragen, einschließlich der gefährlichen Eskalation im Nahen Osten. Sie bekräftigten ihr Engagement für eine sofortige und dauerhafte Waffenruhe im Gazastreifen, die Freilassung aller Geiseln und die Wiederaufnahme der ungehinderten groß angelegten humanitären Hilfe im Gazastreifen. Angesichts der israelischen Angriffe auf Iran und der Reaktion Irans forderten sie alle Seiten auf, Zurückhaltung zu üben und das Völkerrecht einzuhalten. Sie betonten ferner, dass eine diplomatische Lösung der beste Weg ist, um den Bedenken hinsichtlich des iranischen Nuklearprogramms Rechnung zu tragen.
- Standpunkt der EU zur Lage im Nahen Osten (Hintergrundinformationen)
- Israel/Iran: Erklärung der Hohen Vertreterin im Namen der Europäischen Union (Pressemitteilung, 14. Juni 2025)
Die Führungsspitzen betonten ferner, dass die Arktis ein Raum der engen Zusammenarbeit ist, um Frieden, Sicherheit, Stabilität und nachhaltige Entwicklung unter uneingeschränkter Achtung der Rechte der indigenen Völker zu fördern.
Wirtschaft und Handel
Die EU ist Kanadas zweitgrößter Handelspartner.
Der bilaterale Warenhandel mit Kanada stieg nach der vorläufigen Anwendung des Umfassenden Wirtschafts- und Handelsabkommens (CETA) zwischen 2017 und 2024 um 65 % auf 75,6 Mrd. € im Jahr 2024 gegenüber 46 Mrd. € im Jahr 2016.
Auf dem Gipfeltreffen brachten die Führungsspitzen ihr Engagement für einen weiteren Ausbau der Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen der EU und Kanada zum Ausdruck sowie dafür, auf die vollständige Ratifizierung und Umsetzung des CETA hinzuarbeiten.
Die Führungsspitzen der EU und Kanadas bekräftigten ihr Bekenntnis zu einem nachhaltigen, fairen und offenen Handel auf der Grundlage international vereinbarter Regeln, der für die Aufrechterhaltung der globalen wirtschaftlichen Stabilität und die Wahrung der Widerstandsfähigkeit der Lieferkette von entscheidender Bedeutung ist.
Der Gewährleistung zuverlässiger und nachhaltiger Lieferketten wird von beiden Seiten Priorität eingeräumt, und wir haben ein gemeinsames Interesse an der Diversifizierung unserer Lieferketten und an strategischen Investitionen.
Gemeinsame Erklärung EU-Kanada
Digitaler Handel
Die Führungsspitzen bekundeten ferner ihre Entschlossenheit, die Zusammenarbeit in Fragen im Bereich der Digital- und Technologiepolitik fortzusetzen und die bilateralen digitalen Handelsbeziehungen zu stärken.
Die EU und Kanada werden mit der Ausarbeitung eines Abkommens über den digitalen Handel beginnen, das das CETA ergänzen und die Lücken im Handel zwischen der EU und Kanada in digitalen Angelegenheiten, die nicht unter das CETA fallen, schließen würde.
Die Führungsspitzen waren ferner bestrebt, die Zusammenarbeit zu intensivieren, um
- Kanada die Teilnahme an den KI-Fabriken der EU zu ermöglichen,
- ihre Hochleistungsrecheninfrastruktur zu verknüpfen,
- Forschungszusammenarbeit in strategischen Technologiebereichen wie KI und Quanteninformatik zu vertiefen,
- Normen auf dem Gebiet der Regulierung anzugleichen,
- Online-Plattformen sicherer und inklusiver zu gestalten und
- vertrauenswürdige KI-Systeme zu entwickeln.
Handel EU-Kanada: Zahlen und Fakten (Infografik)
Kritische Rohstoffe
Die Führungsspitzen begrüßten die jüngste Ankündigung eines kanadischen strategischen Nickelprojekts im Rahmen der EU-Verordnung zu kritischen Rohstoffen und kündigten Arbeiten zur Ermittlung von Möglichkeiten für Koinvestitionen an. Aufbauend auf der 2021 ins Leben gerufenen strategischen Rohstoffpartnerschaft zwischen der EU und Kanada kamen die Führungsspitzen überein, Möglichkeiten zu sondieren, um den bilateralen Fluss von Investitionen und Fachwissen im Bereich Rohstoffe zu erleichtern.
Sie begrüßten ferner den unter kanadischem Vorsitz vereinbarten globalen Aktionsplan der G7 für kritische Mineralien.
Kritische Rohstoffe im Überblick (Infografik)
Sicherheit und Verteidigung
Durch die langjährige Zusammenarbeit zwischen der EU und Kanada wird ihr gemeinsames Engagement für Frieden und Sicherheit deutlich.
Die neue und ehrgeizige Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft zwischen der EU und Kanada wird dazu beitragen, den bilateralen Dialog und die bilaterale Zusammenarbeit in einer Reihe von Sicherheits- und Verteidigungsfragen zu gestalten und zu vertiefen, darunter:
- Verteidigungsinitiativen
- Unterstützung für die Ukraine
- Weltfrieden und Krisenbewältigung
- militärische Mobilität und Einsatzfähigkeit
- maritime Sicherheit
- Fragen des Cyberraums
- hybride Bedrohungen, Krisenvorsorge und Resilienz
- Rüstungskontrolle, Nichtverbreitung und Abrüstung
- Weltraumsicherheit
- neue disruptive Technologien
- externe Aspekte der wirtschaftlichen Sicherheit
- Friedensvermittlung und Konfliktverhütung
Unsere Sicherheit ist vernetzt und greift ineinander. Sie ist nicht auf traditionelle militärische und verteidigungsbezogene Fragen beschränkt, sondern zunehmend multidimensional und umfasst die sich rasch entwickelnden Cyberbedrohungen, neue technologische und hybride Bedrohungen für den maritimen Raum und den Weltraum, einschließlich des Schutzes kritischer Infrastrukturen, der Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft und der wirtschaftlichen Sicherheit.
Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft zwischen der EU und Kanada
Die EU und Kanada sind entschlossen, ihre Zusammenarbeit im Bereich Sicherheit und Verteidigung zu verstärken, einschließlich einer starken operativen Zusammenarbeit im Rahmen der GSVP-Missionen und -Operationen der EU.
Die Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaften sind maßgeschneiderte, nicht verbindliche politische Instrumente, mit denen die bilaterale Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung erleichtert und verbessert werden soll. Die Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft zwischen der EU und Kanada ist die achte derartige Partnerschaft zwischen der EU und einem Drittland.
NATO
Für Kanada und die EU-Mitgliedstaaten, die NATO-Verbündete sind, ist die NATO nach wie vor der Eckpfeiler der kollektiven Verteidigung.
Bei der Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft zwischen der EU und Kanada wird ferner sichtbar, wie wichtig es ist, die strategische Partnerschaft zwischen der EU und der NATO zu vertiefen.
Branchenbezogene Zusammenarbeit
Dies ist der Beginn langfristig angelegter Bemühungen, die uns dabei helfen werden, gemeinsamen Wohlstand, demokratische Werte, Frieden und Sicherheit zu fördern.
Gemeinsame Erklärung EU-Kanada
Auf dem Gipfeltreffen vereinbarten die EU und Kanada eine ehrgeizige Agenda für eine engere Zusammenarbeit in einer Vielzahl von Bereichen. Dazu zählt Folgendes:
- Handel und wirtschaftliche Sicherheit
- Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz
- digitale Zusammenarbeit
- Maßnahmen zum Klimaschutz und Energie
- Krisenmanagement
- Justiz und Inneres
Hintergrund
Kanada ist ein gleichgesinntes Land und einer der engsten Partner der EU.
Grundlagen der Beziehungen zwischen der EU und Kanada sind ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft (SPA) und das Umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA).
Diese Abkommen, die seit April 2017 vorläufig angewandt werden, haben auf beiden Seiten zu einer starken Belebung der Wirtschaft und zu einer immer engeren Partnerschaft zwischen der EU und Kanada geführt.
- Abkommen über eine strategische Partnerschaft zwischen der EU und Kanada (EAD)
- Umfassendes Wirtschafts- und Handelsabkommen EU-Kanada (Europäische Kommission)
Auf dem Treffen der Führungsspitzen der EU und Kanadas, das am 12. Februar 2025 mit dem damaligen Premierminister Justin Trudeau stattfand, wurde hervorgehoben, wie wichtig es ist, zusammenzuarbeiten, um die globale wirtschaftliche Sicherheit und Stabilität zu fördern und die derzeitigen globalen Herausforderungen zu bewältigen. Die Führungsspitzen waren sich ferner darin einig, wie wichtig es ist, den Handel zu fördern und zu diversifizieren.
Das vorhergehende Gipfeltreffen EU-Kanada fand im November 2023 in St. John’s (Kanada) statt.
Das 20. Gipfeltreffen EU-Kanada findet zudem im Kontext des derzeitigen kanadischen G7-Vorsitzes und des jüngsten G7-Gipfels in Kananaskis (16./17. Juni) statt, auf dem die Führungsspitzen ihre Einheit und ihren Zweck bei der Bewältigung dringender globaler Herausforderungen bekräftigten – von der Stärkung der wirtschaftlichen Stabilität, der Energieversorgungssicherheit und des digitalen Wandels bis hin zur Stärkung von Frieden und Sicherheit, unter anderem durch die fortgesetzte Unterstützung der Ukraine.
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