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Kritische Rohstoffe im Überblick

Kritische Rohstoffe sind von wesentlicher Bedeutung für die Funktionsfähigkeit und Integrität zahlreicher Industriezweige. Ein sicherer Zugang zu diesen Materialien ist für die Wettbewerbsfähigkeit und die wirtschaftliche Sicherheit der EU entscheidend.

Was sind kritische Rohstoffe und wofür werden sie verwendet?

Metalle, Minerale und natürliche Materialien sind die Bausteine vieler Produkte, die Teil unseres täglichen Lebens sind. Die wirtschaftlich wichtigsten Rohstoffe mit hohem Risiko bezüglich Versorgungssicherheit werden als kritische Rohstoffe bezeichnet.

Kritische Rohstoffe sind von entscheidender Bedeutung für die Funktionsfähigkeit und Integrität zahlreicher Industriezweige in der EU. Zu diesen Industriezweigen gehören erneuerbare Energie, die Automobilindustrie, digitale Technologien und Verteidigung. Kritische Rohstoffe sind auch in vielen Alltagsgegenständen wie Smartphones, Elektroautos, Windturbinen, Pflanzendüngern oder Luftfahrzeugen zu finden.

Ein Smartphone.

Vibrationstechnologie in Mobiltelefonen = Wolfram

Ein Elektroauto.

Elektrofahrzeuge = Lithium, Kobalt und Nickel

Eine Windturbine.

Windturbinen = Bor

Von den 34 ermittelten kritischen Rohstoffen wurden diejenigen auf eine Liste spezifischer strategischer Rohstoffe* gesetzt, in deren Fall die Nachfrage in den kommenden Jahren aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung (Ankurbelung der Nachfrage) und komplexen Produktionsanforderungen (Beschränkung des Angebots) das Angebot übersteigen dürfte (siehe unten die 17 strategisch wichtigen Rohstoffe in gelb).

Diese Liste wird regelmäßig überprüft.

Textfassung
  1. Aluminium/Bauxit/Aluminiumoxid
  2. Kokskohle
  3. Lithium
  4. Phosphor
  5. Antimon
  6. Feldspat
  7. Leichte Seltene Erden*
  8. Scandium
  9. Arsen
  10. Flussspat
  11. Magnesium
  12. Siliciummetall
  13. Baryt
  14. Gallium
  15. Mangan
  16. Strontium
  17. Beryllium
  18. Germanium
  19. Graphit
  20. Tantal
  21. Bismut
  22. Hafnium
  23. Niob
  24. Titanmetall
  25. Bor
  26. Helium
  27. Metalle der Platingruppe
  28. Wolfram
  29. Kobalt
  30. Schwere Seltene Erden*
  31. Phosphorit
  32. Vanadium
  33. Kupfer
  34. Nickel

*Strategische Rohstoffe unter den schweren Seltenen Erden und den leichten Seltenen Erden: Nd, Pr, Tb, Dy, Gd, Sm und Ce

Die wirtschaftliche Bedeutung kritischer Rohstoffe

Kritische Rohstoffe sind für die europäische Wirtschaft und für die Technologien, die den grünen und den digitalen Wandel vorantreiben, von entscheidender Bedeutung. Sie sind wichtige Komponenten von Batterien, Elektrofahrzeugen, Windturbinen, Halbleitern, KI-Technologien und Verteidigungssystemen.

Mit der in Europa und weltweit steigenden Nachfrage in diesen Sektoren gewinnt der sichere Zugang zu diesen Materialien für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und wirtschaftliche Sicherheit der EU zunehmend an Bedeutung.

Nachfrage nach Rohstoffen in der Europäischen Union (Szenario mit hoher Nachfrage)

Textfassung

Die Grafik zeigt die fünf kritischen Rohstoffe, nach denen in der EU im Jahr 2020 die größte Nachfrage bestand, und stellt die voraussichtliche Nachfrage nach diesen kritischen Rohstoffen in den Jahren 2030 und 2050 dar.

So dürfte Aluminium beim Übergang Europas zu einer nachhaltigen Zukunft eine entscheidende Rolle spielen, da es Bestandteil fast aller Technologien für saubere Energie ist, die in der Netto-Null-Industrie-Verordnung priorisiert werden: z. B. von Fotovoltaik-Systemen, Windturbinen, Netztechnologien und Batterien. Für Aluminium wird zwischen 2020 und 2050 eine Zunahme um 543 % erwartet.

Die Daten stellen eine Prognose der Nachfrage nach kritischen Rohstoffen in fünf strategischen Sektoren der EU dar: erneuerbare Energien, Elektromobilität, Industrie, Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie Raumfahrt und Verteidigung.

Angebot und Nachfrage weltweit

Aufgrund ihrer ungleichen Verteilung in der Welt, Unterschieden in der gesellschaftlichen Akzeptanz (im Zusammenhang mit lokalen territorialen Auswirkungen) und der konkurrierenden Landnutzung zwischen Wirtschaftstätigkeiten werden kritische Rohstoffe hauptsächlich von außerhalb der EU bezogen.

Derzeit ist die EU bei mehreren kritischen Rohstoffen stark abhängig von einigen wenigen Ländern. In manchen Fällen ist die EU fast ausschließlich auf einen einzigen Lieferanten angewiesen. Das gilt insbesondere für bestimmte Seltenerdmetalle und andere strategische Materialien wie Lithium, die aus einer sehr kleinen Anzahl von Erzeugerländern eingeführt werden.

Wichtigste Lieferanten kritischer Rohstoffe an die EU

Textfassung

Weltkarte der wichtigsten Lieferanten kritischer Rohstoffe an die EU: China ist sowohl weltweit größter Lieferant als auch der größte Lieferant der EU für die meisten kritischen Rohstoffe, darunter Baryt, Bismut, Gallium, Germanium, Magnesium, natürlicher Grafit, alle Seltenen Erden (schwere und leichte Seltene Erden), Wolfram und Vanadium.

China ist zwar nach wie vor ein Hauptlieferant der EU, bei einer Reihe von kritischen Rohstoffen befinden sich die Bezugsquellen jedoch innerhalb der EU. So werden Kokskohle und Kupfer aus Polen bezogen, Arsen aus Belgien, Hafnium aus Frankreich, Strontium aus Spanien oder Nickel aus Finnland.

Diese Konzentration der globalen Lieferketten für kritische Rohstoffe in einer kleinen Anzahl von Ländern setzt die EU Versorgungsunterbrechungen im Zusammenhang mit geopolitischen Spannungen, Handelsbeschränkungen oder einer steigenden und konkurrierenden weltweiten Nachfrage aus. Da diese Materialien für strategische Sektoren von wesentlicher Bedeutung sind, können Störungen die europäische Industrie, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Stabilität beeinträchtigen.

Darüber hinaus haben seit 2024 Ausfuhrbeschränkungen in Drittländern für Seltenerdmetalle und andere kritische Rohstoffe die Notwendigkeit verstärkt, die Diversifizierungsstrategie der EU zu beschleunigen.

So hat China beispielsweise seit 2023 eine Reihe von Ausfuhrkontrollmaßnahmen für kritische Rohstoffe wie Graphit, Gallium, Wolfram, Bismut, Germanium und Seltene Erden ergriffen. Diese Maßnahmen gelten auch für bestimmte Batterieprodukte und Ausrüstung für die Verarbeitung Seltener Erden.

China entwickelt seine Ausfuhrkontrollregelung weiter, auch für bestimmte kritische Rohstoffe und verwandte Produkte. Das erhöht die Unsicherheit für die Wirtschaftsbeteiligten in der EU und hat Auswirkungen auf die wirtschaftliche Sicherheit der EU und ihre Bemühungen, strategische Abhängigkeiten zu verringern.

Parallel dazu haben andere globale Akteure ihre Maßnahmen verstärkt, um ihren Industrien den Zugang zu kritischen Rohstoffen zu sichern, indem sie Projekte im Bereich kritische Rohstoffe finanzieren und ihre Versorgung durch Partnerschaften diversifizieren.

Die EU-Verordnung zu kritischen Rohstoffen

Die europäische Verordnung zu kritischen Rohstoffen ist am 23. Mai 2024 in Kraft getreten. Hauptziel ist es, die Abhängigkeit der EU von Lieferanten strategischer Rohstoffe aus Drittländern zu verringern.

In der Verordnung werden vier unverbindliche Richtwerte für 2030 festgelegt:

  • mindestens 10 % des jährlichen EU-Verbrauchs sollen in der EU abgebaut werden;
  • mindestens 40 % sollen in der Union verarbeitet werden;
  • mindestens 25 % werden aus Recycling in der EU erzeugt
  • und auf kein Drittland darf mehr als 65 % des EU-Angebots entfallen.

Mit der Verordnung werden auch der technologische Fortschritt und die Ressourceneffizienz gefördert, um den erwarteten Anstieg der Nachfrage nach kritischen und strategischen Rohstoffen in der EU zu dämpfen.

Die Symbole der chemischen Elemente Bor, Magnesium, Scandium, Wolfram, Kobalt und Nickel innerhalb eines großen grünen Kreises; Linien verbinden sie mit stilisierten Abbildungen einer Windkraftanlage, eines Mobiltelefons, eines Flugzeugs und eines Elektroautos.
Die Verordnung zu kritischen Rohstoffen: Ein Wendepunkt für die EU

Die Verordnung zu kritischen Rohstoffen: Ein Wendepunkt für die EU

Letzte Überprüfung: 13. August 2026