Desinformation und demokratische Resilienz
Die EU setzt sich dafür ein, ihre Demokratien zu schützen und den schädlichen Auswirkungen von Informationsmanipulation aus dem Ausland und Einflussnahme entgegenzuwirken – einschließlich Desinformation.
Desinformation – was ist das?
Mit „Desinformation“ sind falsche oder irreführende Inhalte gemeint, die mit der Absicht verbreitet werden, zu täuschen oder wirtschaftliche oder politische Vorteile zu erzielen.
Damit unterscheidet sie sich von „Fehlinformation“, womit falsche oder irreführende Informationen bezeichnet werden, die ohne böswillige Absichten verbreitet werden.
Die strategische und koordinierte Verbreitung von Desinformation, die in den Bereich der Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland fällt, kann von staatlichen oder nicht staatlichen Akteuren begangen werden und findet häufig als Teil groß angelegter hybrider Kampagnen statt. Das Ziel besteht dabei darin, Informationsumgebungen zu manipulieren, um sich politische, sicherheitspolitische oder andere strategische Vorteile zu verschaffen.
Taktiken, Techniken und Verfahren
Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland sowie Akteure, die Desinformation verbreiten bzw. Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland betreiben, setzen eine Vielzahl von Taktiken, Techniken und Verfahren ein, um Informationen zu manipulieren und die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen.
Die am häufigsten verwendeten Taktiken, Techniken und Verfahren sind u. a.:
- Polarisierung durch die Förderung extremer Meinungen, um Konflikte innerhalb einer Gesellschaft zu verschärfen, was die demokratische Debatte erschweren kann
- Manipulation von Inhalten, indem authentische Informationen oder Medien verändert werden, wie das Bearbeiten von Bildern oder Videos, um ihre Bedeutung zu verändern
- Erstellung erfundener Inhalte, wie gefälschte Websites, die echte Quellen nachahmen, Deepfakes und KI-generiertes Ton- und Bildmaterial
- Schaffung falscher Narrative, Identitätsbetrug und die missbräuchliche Verwendung diplomatischer oder institutioneller Konten in den sozialen Medien
- Diskreditierung zuverlässiger Quellen und Umdeutung von Kontext
- Erweiterung der Reichweite durch den Einsatz von Bots, Trollen oder koordinierten Netzwerken, um die Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit von Desinformation künstlich zu steigern
- Einsatz von Cyber-Tools, einschließlich Hacking und anderer Cyberaktivitäten, um Informationen zu stehlen, zu verändern oder zu erfinden
Auswirkungen auf demokratische Prozesse
In einer gut funktionierenden Demokratie können die Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung frei äußern, fundierte Entscheidungen treffen und frei von böswilliger Einflussnahme an einer offenen Debatte teilhaben.
Desinformation sowie Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland wirken sich tiefgreifend auf die Menschenrechte und die demokratischen Werte aus. Sie sind eine Bedrohung für die Gedankenfreiheit, das Recht auf Privatsphäre und das Recht auf demokratische Teilhabe und untergraben das Vertrauen der Menschen in demokratische Institutionen und die Medien.
Eine Eurobarometer-Umfrage zu Unionsbürgerschaft und Demokratie vom Dezember 2023 ergab, dass 81 % der EU-Bürgerinnen und ‑Bürger Einflussnahme aus dem Ausland auf demokratische Systeme als ernstes Problem empfinden, das angegangen werden muss, und dass 78 % der EU-Bürgerinnen und ‑Bürger befürchten, dass Desinformation die Wahlentscheidungen der Menschen beeinflusst.
Einflussnahme auf Wahlen
Wahlen sind – aufgrund der hohen Aufmerksamkeit, die sie erhalten, und der Bedeutung ihrer Ergebnisse – Ereignisse, bei denen Versuche der Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland sowie Desinformationskampagnen große Auswirkungen haben können.
Zur Einflussnahme auf Wahlen können vielfältige Techniken eingesetzt werden, wie zum Beispiel Verwendung spaltender Narrative, Abhaltung von der Stimmabgabe, Einschüchterung, Infragestellung der Glaubwürdigkeit der Wahlprozesse und ‑ergebnisse, Ermutigung zur Stimmenthaltung oder zur ungültigen Stimmabgabe, Kampagnen gegen einzelne Kandidatinnen oder Kandidaten oder politische Parteien, illegale Wahlkampffinanzierung, Bestechung von Wählerinnen und Wählern und Durchführung von Cyberangriffen auf wahlrelevante Infrastruktur.
Diese Kampagnen betreffen nicht nur konkret den Gang zur Wahlurne: Sie finden vor, während und nach Wahlen statt. Im Vorfeld der Wahl zum Europäischen Parlament im Juni 2024 aktivierte der belgische Ratsvorsitz die Integrierte Regelung für die politische Reaktion auf Krisen des Rates, damit die Mitgliedstaaten und die EU-Institutionen Informationen über Einflussnahme aus dem Ausland austauschen konnten.
Gegenmaßnahmen
Der Schutz der demokratischen Prozesse in der EU vor den schädlichen Auswirkungen von Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland sowie Desinformation, ohne dabei eine offene demokratische Debatte zu behindern, ist eine Priorität der EU und ein zentrales Anliegen des Rates.
Der EU stehen daher verschiedene Instrumente und Mechanismen zur Verfügung; sie umfassen u. a. Folgendes:
- das Instrumentarium gegen ausländische Informationsmanipulation und Einmischung
- das Instrumentarium gegen hybride Bedrohungen, einschließlich Teams für die rasche Reaktion auf hybride Bedrohungen
- das Instrumentarium für die Cyberdiplomatie
- das Europäische Kooperationsnetz für Wahlen
- den Verhaltenskodex für den Bereich der Desinformation
- das Schnellwarnsystem
- die Europäische Beobachtungsstelle für digitale Medien
Die EU verfügt zudem über mehrere Rechtsvorschriften zur Unterstützung der Abwehr von Desinformation bzw. Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland, zur Gewährleistung größerer Rechenschaftspflicht von Online-Plattformen, zur Stärkung der Cybersicherheit und Resilienz digitaler Infrastrukturen sowie zur Regulierung des Einsatzes neuer Kommunikationstechnologien. Dazu gehören u. a.:
- das Gesetz über digitale Dienste
- die Verordnung über künstliche Intelligenz
- die Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen
- die Richtlinie über die Sicherheit von Netz- und Informationssystemen (NIS‑2-Richtlinie)
- die Verordnung über die Transparenz und das Targeting politischer Werbung
- der Europäische Rechtsakt zur Medienfreiheit
Diese Maßnahmen werden in den Schlussfolgerungen des Rates vom Mai 2024 zum Schutz von Wahlprozessen vor Einflussnahme aus dem Ausland und in den Schlussfolgerungen des Vorsitzes vom Mai 2025 zur Stärkung der demokratischen Resilienz ausgeführt.
Auch der diplomatische Dienst der EU – der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) – ist an der Bekämpfung der Einflussnahme aus dem Ausland sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU beteiligt, unter anderem im Rahmen des Leitprojekts „EUvsDisinfo“.
Sanktionen
Seit dem Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine im Jahr 2022 führt Russland eine groß angelegte Desinformationskampagne mit dem Ziel, die EU und ihre Mitgliedstaaten zu destabilisieren.
Als Gegenmaßnahme hat die EU Sanktionen gegen russische Medien und Akteure verhängt, die an Desinformation bzw. Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland beteiligt sind. Am 8. Oktober 2024 beschloss die EU ferner restriktive Maßnahmen gegen die destabilisierenden Aktivitäten Russlands, unter anderem die Untergrabung von Wahlprozessen und demokratischen Institutionen sowie die Durchführung koordinierter Kampagnen von Desinformation sowie Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland.
Siehe auch
Hybride Bedrohungen
Transparenz und Targeting politischer Werbung
Gesetz über digitale Dienste
Letzte Überprüfung: 28. Mai 2025