- Internationales Gipfeltreffen
Gipfeltreffen EU-Ägypten, 22. Oktober 2025
Wichtigste Ergebnisse
Der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, und die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, die die EU vertreten, sind mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah Al-Sisi auf dem ersten Gipfeltreffen EU-Ägypten zusammengekommen.
Dabei handelte es sich um das erste bilaterale Gipfeltreffen überhaupt mit einem Land der Region Naher Osten und Nordafrika.
Ägypten ist angesichts seiner wesentlichen Rolle bei der Förderung der Stabilität durch Friedensinitiativen und Bemühungen um eine Konfliktlösung im Nahen Osten ein wichtiger strategischer Partner.
Dieses Treffen ist ein wichtiger Meilenstein für die Beziehungen zwischen der EU und Ägypten. Es zeigt, wie stark unsere Partnerschaft ist.
Präsident Costa
Das Gipfeltreffen bot eine Gelegenheit, die bilateralen Beziehungen zwischen der EU und Ägypten und ihre politische und wirtschaftliche Partnerschaft weiter zu vertiefen, um die Stabilität, den Frieden und den Wohlstand für alle Parteien zu fördern.
Die Führungsspitzen betonten ihre Einigkeit in dem Bestreben, in gemeinsamen globalen und regionalen Angelegenheiten zusammenzuarbeiten, einschließlich der Lage im Nahen Osten, der Ukraine, des Multilateralismus, des Handels, der Migration und der Sicherheit.
Wir betonen unser gemeinsames Bestreben, die langfristigen strategischen Beziehungen weiter zu vertiefen, bei der Bewältigung unserer zahlreichen globalen und regionalen gemeinsamen Herausforderungen zusammenzuarbeiten, gemeinsame Interessen zu fördern und die Prioritäten der Partnerschaft zu erneuern.
Gemeinsame Erklärung EU-Ägypten
Am Ende des Gipfeltreffens gaben die Führungsspitzen eine gemeinsame Erklärung ab.
Zusammenarbeit EU-Ägypten
Im März 2024 unterzeichneten die EU und Ägypten eine strategische und umfassende Partnerschaft, mit der ihre Beziehungen weiter ausgebaut werden. Die Partnerschaft konzentriert sich auf sechs Säulen:
- politische Beziehungen
- wirtschaftliche Stabilität
- Handel und Investitionen
- Migration und Mobilität
- Sicherheit
- demografische Entwicklung und Humankapital
Diese Partnerschaft zwischen der EU und Ägypten geht mit einem Finanz- und Investitionspaket in Höhe von 7,4 Mrd. € für den Zeitraum 2024‐2027 einher.
Im Dezember 2024 hat die EU die erste kurzfristige Makrofinanzhilfe in Höhe von 1 Mrd. € ausgezahlt. Am Rande des Gipfeltreffens wurde die Vereinbarung unterzeichnet, die dem zweiten Paket von 4 Mrd. € zugrunde liegt, dessen Schwerpunkt auf der wirtschaftlichen Stabilität und Resilienz, der Wettbewerbsfähigkeit und dem grünen Wandel liegt.
Außerdem wurden weitere Vereinbarungen unterzeichnet:
- Ägyptens Assoziierung mit Horizont Europa
- eine gemeinsame Erklärung zu einer Finanzierungsvereinbarung über die sozioökonomische Entwicklung
Handel
Das Assoziationsabkommen EU-Ägypten ist seit 2004 in Kraft. Mit ihm wird eine Freihandelszone zwischen der EU und Ägypten geschaffen, in der Zölle auf Industrieerzeugnisse abgeschafft und der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen erleichtert werden.
Wir werden die Freihandelszone weiterhin wirksam umsetzen und nach Wegen suchen, wie das Abkommen modernisiert werden kann, um es besser an die heutigen Herausforderungen anzupassen, sowie günstige Rahmenbedingungen für Handel und Investitionen schaffen.
Gemeinsame Erklärung EU-Ägypten
Im Jahr 2024 war die EU der größte Handelspartner Ägyptens in Bezug auf Waren; dieser Warenhandel machte 22 % des Handels Ägyptens aus. Der Handel mit Waren zwischen der EU und Ägypten belief sich auf 32,5 Mrd. €. Dabei entfielen 12,6 Mrd. € auf Einfuhren und 19,9 Mrd. € auf Ausfuhren.
Beziehungen EU‑Ägypten: Zahlen und Fakten
Grüner und digitaler Wandel
Die EU und Ägypten bekräftigten ihre Entschlossenheit, den globalen grünen Wandel zu beschleunigen und im Bereich des digitalen Wandels zusammenzuarbeiten.
Wir erinnern an unser nachdrückliches Engagement für das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) und das Übereinkommen von Paris sowie für die Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 °C.
Gemeinsame Erklärung EU-Ägypten
Im Rahmen ihrer Partnerschaft werden die EU und Ägypten weiterhin Innovationen, den Übergang zu einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft sowie zu umweltfreundlichen Verfahren fördern.
Zum Thema Energie betonten die EU und Ägypten ihr gemeinsames strategisches Interesse am raschen Übergang zu emissionsarmen und klimaresilienten Volkswirtschaften, um das enorme Potenzial erneuerbarer Energien, insbesondere von Solar- und Windenergie, freizusetzen.
Die EU und Ägypten werden auch zusammenarbeiten, um Investitionen in vertrauenswürdige und sichere digitale Konnektivität und Dateninfrastrukturen zu mobilisieren und Cybersicherheit, künstliche Intelligenz, Datenwirtschaft und digitale Kompetenzen voranzubringen.
Globale Klimaschutzmaßnahmen
Regionale und globale Sicherheit
Die Führungsspitzen erörterten mehrere wichtige Fragen der regionalen und globalen Sicherheit.
Multilateralismus
Die Führungsspitzen bekräftigten ihr unerschütterliches Bekenntnis zu den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen, einschließlich der Achtung der Souveränität und der territorialen Unversehrtheit der Länder, sowie zur Wahrung des Völkerrechts, einschließlich des Seerechts.
Die EU und Ägypten betonen, dass Frieden, Sicherheit und die regelbasierte internationale Ordnung im Mittelpunkt ihrer langjährigen Partnerschaft stehen.
Gemeinsame Erklärung EU-Ägypten
Sie betonten, dass ein wirksamer Multilateralismus und die regelbasierte internationale Ordnung, in deren Mittelpunkt die Vereinten Nationen stehen, gestärkt werden müssen, und verpflichteten sich, bei der Bewältigung globaler Herausforderungen und bei der Suche nach friedlichen Konfliktlösungen eng zusammenzuarbeiten.
Gaza
Die Führungsspitzen der EU und Ägyptens begrüßten die Einigung, die über die erste Phase des von Präsident Trump vorgelegten umfassenden Plans zur Beendigung des Gaza-Konflikts erzielt wurde, sowie das Ergebnis des Friedensgipfels von Scharm El-Scheich vom 13. Oktober 2025.
Sie forderten alle Seiten auf, weiter an der Umsetzung des Plans zu arbeiten, und würdigten die diesbezüglichen Vermittlungsbemühungen Ägyptens.
Nach zwei Jahren Tod und Zerstörung gibt es Hoffnung für das palästinensische Volk. Hoffnung, die jetzt die konkrete Form des dauerhaften Friedens und des Wiederaufbaus annehmen muss.
Präsident Costa
Die Führungsspitzen der EU und Ägyptens
- forderten einen sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe,
- bekräftigten erneut ihr Engagement für einen dauerhaften und tragfähigen Frieden auf der Grundlage der Zweistaatenlösung,
- sind weiterhin besorgt über die Lage im Westjordanland,
- werden weiterhin die Palästinensische Behörde und ihre Reformagenda unterstützen,
- betonten ihr Engagement für den Wiederaufbau und die Erholung des Gazastreifens.
Humanitäre Hilfe der EU für die palästinensische Bevölkerung
Ukraine
Die EU und Ägypten betonten die Notwendigkeit einer friedlichen Beilegung von Konflikten und der Achtung des humanitären Völkerrechts und erinnerten an ihre Entschlossenheit, die Rechenschaftspflicht für schwerwiegende Verstöße gegen das Völkerrecht aufrechtzuerhalten.
Die EU und Ägypten hoben hervor, dass so bald wie möglich ein umfassender, gerechter und dauerhafter Frieden in der Ukraine im Einklang mit den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen und des Völkerrechts erreicht werden muss.
Beide Seiten bekräftigten erneut ihre Unterstützung für die Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Unversehrtheit der Ukraine.
Solidarität der EU mit der Ukraine
Horn von Afrika und Rotes Meer
Die Führungsspitzen betonten, wie wichtig ein koordiniertes internationales Engagement ist, um die Ursachen der Instabilität am Horn von Afrika zu bekämpfen.
Ferner bekräftigten sie ihre Unterstützung für Bemühungen um Wiederaufbau und Entwicklung in der Konfliktfolgezeit in Afrika und
- forderten einen Waffenstillstand und eine friedliche Lösung des Konflikts in Sudan,
- unterstützen die anhaltenden Bemühungen der Regierung der Bundesrepublik Somalia zur Förderung des Staatsaufbaus und der Reform des Sicherheitssektors.
Die maritime Sicherheit und die Freiheit der Schifffahrt müssen im Roten Meer im Interesse der internationalen Sicherheit und des internationalen Handels geschützt werden.
Gemeinsame Erklärung EU-Ägypten
Die EU und Ägypten werden auch zusammenarbeiten, um die Seerouten sicher und für den Handel offen zu halten.
Maritime Sicherheit
Migration
In Anerkennung der zunehmenden Komplexität der Migrationsdynamik in der Region und der besonderen Herausforderungen für Ägypten und gestützt auf die Grundsätze der geteilten Verantwortung und der Lastenteilung bekräftigen beide Seiten ihr Bekenntnis zu einem umfassenden Ansatz für die Migrationssteuerung.
Gemeinsame Erklärung EU-Ägypten
Die EU würdigte Ägyptens Aufnahme von Millionen von Flüchtlingen und Asylsuchenden.
Die EU und Ägypten werden
- weiterhin Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende sowie Aufnahmegemeinschaften unter uneingeschränkter Achtung des Völkerrechts und im Einklang mit den nationalen Rahmen unterstützen,
- im Hinblick auf die Schaffung von Wegen für eine strukturierte, faire und reguläre Migration eng zusammenarbeiten,
- weitere Anstrengungen zur Bekämpfung der Ursachen der irregulären Migration unternehmen.
Migrations- und Asylpolitik der EU
Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit
Die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich ist ein wichtiger Teil der Partnerschaft zwischen der EU und Ägypten. In diesem Zusammenhang kamen die Führungsspitzen überein, weiterhin zusammenzuarbeiten, um
- organisierte Kriminalität, Schleusung und Menschenhandel zu bekämpfen,
- Terrorismus zu bekämpfen und Gewaltextremismus, der den Terrorismus begünstigt, zu verhindern,
- die Zusammenarbeit im Bereich der Cybersicherheit zu verbessern.
Es laufen bereits erste Gespräche über die Aufnahme eines Dialogs mit Ägypten über Sicherheit und Verteidigung.
Der Kampf der EU gegen organisierte Kriminalität
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