Maritime Sicherheit
Die EU schützt ihre Interessen, Bürgerinnen und Bürger und Werte und geht gleichzeitig Sicherheitsherausforderungen wie Angriffe auf Unterwasserinfrastruktur, Cyberbedrohungen und Risiken durch die Schattenflotte an.
Sichere und geschützte Meere
Die EU ist entschlossen, für sichere und geschützte Meere zu sorgen und dabei ihre Interessen, ihre Bürgerinnen und Bürger und ihre Wirtschaft zu schützen. Darüber hinaus erfordert die zunehmende Komplexität maritimer Bedrohungen, die von Angriffen auf Unterwasserinfrastruktur bis hin zu Cyberbedrohungen und Risiken durch die Schattenflotte reichen, eine koordinierte Reaktion.
Den Rahmen für die Politik der EU im Bereich der maritimen Sicherheit bildet ihre Strategie für maritime Sicherheit, die erstmals 2014 angenommen und 2023 aktualisiert wurde. Seitdem hat die Kommission den „Europäischen Pakt für die Meere“ ins Leben gerufen, eine umfassende Strategie zum Schutz der Ozeane, zur Förderung der blauen Wirtschaft und zur Unterstützung von Küstengemeinden. Der Rat begrüßte den Pakt am 8. Dezember 2025 und forderte weitere Maßnahmen, auch im Bereich der maritimen Sicherheit und Verteidigung.
Die EU fördert auch eine regelbasierte Meerespolitik im Einklang mit ihren Werten und dem Völkerrecht, einschließlich des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (SRÜ). Zu diesem Zweck arbeitet die EU mit gleichgesinnten Drittländern sowie regionalen und multilateralen Organisationen zusammen, auch in strategisch wichtigen Meeresgebieten.
Integrierte Meerespolitik
EU-Marinemissionen und -ressourcen
Die EU ist ein globaler Bereitsteller maritimer Sicherheit, und die maritime Sicherheit ist ein zentraler Bestandteil der Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU. Die EU ist entschlossen, ihr maritimes Engagement weiter zu verstärken, unter anderem durch ihre Marineoperationen ATALANTA, IRINI und ASPIDES im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP). Der Rat hat auch die Mandate dieser Seestreitkräfte konsequent gestärkt, nicht zuletzt mit einem Schwerpunkt auf der maritimen Lageerfassung, auch in Bezug auf die Überwachung der Aktivitäten der russischen Schattenflotte.
Gemäß den Vorgaben des Strategischen Kompasses setzt die EU sich weiterhin dafür ein, Schulungen und Kapazitätsaufbau für ihre Partner anzubieten, den Informationsaustausch zwischen zivilen und militärischen Behörden zu verbessern und die operativen Systeme zur See- und Grenzüberwachung zu stärken.
Im Jahr 2021 hat die EU das neue Konzept der koordinierten maritimen Präsenzen eingeführt. Mit diesem Instrument soll das gemeinsame Engagement der EU im Bereich der maritimen Sicherheit gestärkt werden, indem die Marineressourcen der Mitgliedstaaten in Bereichen, die für die EU von strategischem Interesse sind, bestmöglich genutzt werden. Es wird derzeit im Golf von Guinea und im nordwestlichen Indischen Ozean eingesetzt.
Die EU nimmt zudem an der jährlichen maritimen Sicherheitsübung teil, an der Marineschiffe und Küstenwachen aus Mitgliedstaaten beteiligt sind, um die Einsatzbereitschaft zu erhöhen, die Interoperabilität zu fördern und den sich wandelnden Bedrohungen zu begegnen.
Zivile und militärische Missionen und Operationen
Kritische Infrastrukturen und Cyberangriffe
Der Schutz kritischer Infrastrukturen im maritimen Bereich, wie Gasfernleitungen, unterseeische Kabel und Offshore-Windparks, ist eine oberste Priorität für die EU.
Durch die Angriffe auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee im Jahr 2022, unerlaubte Präsenz in der Nähe kritischer Infrastrukturen in der Nordsee und wiederholte Cyberangriffe und hybride Kampagnen muss die EU ihre Maßnahmen sowohl über als auch unter Wasser verschärfen und ihre kritischen Infrastrukturen wirksamer zu schützen. Außerdem haben die Komplexität und potenziellen Schwachstellen des maritimen Bereichs im Zusammenhang mit der Digitalisierung zugenommen.
Um die kritischen Infrastrukturen an Land und auf See widerstandsfähiger zu machen, wird die EU:
- innovative Technologie entwickeln,
- regionale Kooperationspläne für die Überwachung erarbeiten,
- interoperable unbemannte Überwachungssysteme aufbauen.
Der Rat begrüßte ferner den von der Kommission und der Hohen Vertreterin vorgelegten EU-Aktionsplan für Kabelsicherheit 2025 und forderte nachdrücklich eine weitere Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene.
Der Rat hat am 15. Dezember 2025 eine Erklärung zur Abwehr der Bedrohungen durch die russische Schattenflotte angenommen. Die Schattenflotte stellt eine ernsthafte Gefahr dar, einschließlich potenzieller Umweltschäden sowie Risiken für die maritime Sicherheit und Gefahrenabwehr, die Integrität des internationalen Handels auf dem Seeweg, kritische Unterseeinfrastrukturen und die Einhaltung internationaler Vorschriften und Normen für den Seeverkehr. Vor diesem Hintergrund forderte der Rat die Hohe Vertreterin und die Mitgliedstaaten auf, die Reaktionen auf die von der Schattenflotte ausgehenden Bedrohungen zu koordinieren.
Hybride Bedrohungen
Nicht zur Wirkung gelangte Kampfmittel
Seit dem ersten und zweiten Weltkrieg stellen große Mengen von nicht zur Wirkung gelangter explosiver Kampfmittel und chemischer Munition sowie austretendes Öl von Schiffswracks eine Herausforderung für die EU dar. Dieses Problem wird noch verschärft durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der zum Vorhandensein von Minen im Schwarzen Meer geführt hat.
In manchen Meeresbecken sind Art, Lageort und Menge dieser Kampfmittel unzureichend dokumentiert. Dies birgt erhebliche Risiken für die maritime Sicherheit und Gefahrenabwehr, da dies Auswirkungen auf den Schutz von Mensch und Umwelt, Offshore-Anlagen für erneuerbare Energien und Fischereitätigkeiten hat.
Die EU ist entschlossen, diese Herausforderung in umfassender Weise anzugehen, durch die Verstärkung der maritimen Lageerfassung und die Entwicklung von Instrumenten zur Minderung dieser Risiken. Der Rat hat ferner den Plan der Kommission begrüßt, eine koordinierte Strategie zur Beseitigung nicht zur Wirkung gelangter explosiver Kampfmittel zu entwickeln.
Maritime Kriminalität
Verbrechen auf See sind eine wesentliche Herausforderung für die gesamte EU, und sie stellen eine schwerwiegende Bedrohung der maritimen Sicherheit dar. Zu den Verbrechen gehören:
- Seeräuberei
- Schleuserkriminalität
- Menschenhandel, illegaler Handel mit Waffen und Drogen
- bewaffnete Raubüberfälle auf See
- illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei
- Plünderung von Meeresressourcen
- nicht genehmigte Explorationstätigkeiten in den ausschließlichen Wirtschaftszonen
Diese Straftaten gefährden die Freiheit der Schifffahrt und wichtige Handelsrouten. Als ein globaler Bereitsteller von Sicherheit ist die EU entschlossen, diese zentralen Herausforderungen – auch durch Präventivmaßnahmen – anzugehen.
Letzte Überprüfung: 22. Mai 2025