Skip to content

Der Kampf der EU gegen organisierte Kriminalität

Menschenhandel, Cyberkriminalität, Drogenhandel und Umweltkriminalität gehören zu den Bedrohungen, denen die EU mit EMPACT, ihrer multidisziplinären Plattform für die Koordinierung von Maßnahmen gegen Netze der schweren organisierten Kriminalität, begegnet.

Was sind die größten Bedrohungen durch organisierte Kriminalität, mit denen die EU konfrontiert ist?

Organisierte Kriminalität stellt eine ernsthafte Bedrohung für Menschen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in der gesamten EU sowie für die Wirtschaft insgesamt dar.

Da kriminelle Netze problemlos grenzüberschreitend agieren können, ist eine koordinierte europäische Reaktion von entscheidender Bedeutung, um diese Straftaten wirksam zu verhindern und zu bekämpfen.

Zu den Hauptbereichen der kriminellen Aktivitäten in der EU gehören:

  • Cyberangriffe
  • Menschenhandel
  • Schleuserkriminalität
  • Drogenhandel
  • Verbrauchsteuerbetrug und Finanzkriminalität
  • Umweltkriminalität
  • unerlaubter Handel mit Feuerwaffen und Straftaten im Zusammenhang mit Explosivstoffen
  • Sexuelle Ausbeutung von Kindern

Die EU ergreift Maßnahmen, um diesen Bedrohungen entgegenzuwirken – unter anderem im Rahmen von EMPACT, ihrer multidisziplinären Plattform zur Bekämpfung der schwersten Formen der organisierten Kriminalität.

Was ist EMPACT?

Die Europäische multidisziplinäre Plattform gegen kriminelle Bedrohungen (EMPACT) ist der wichtigste Rahmen zur Bekämpfung von schwerer und organisierter Kriminalität.

Im Rahmen von EMPACT arbeiten die EU-Länder, Strafverfolgungsbehörden, EU-Agenturen und internationale Partner zusammen, um Prioritäten zu ermitteln, Maßnahmen zu koordinieren und grenzüberschreitend tätige kriminelle Netze zu zerschlagen.

Die Plattform vereint

  • Strafverfolgungsbehörden,
  • Organe, Einrichtungen und Agenturen der EU,
  • öffentliche und private Organisationen,
  • einschlägige Nicht-EU-Länder und internationale Partner

EMPACT kombiniert operative Maßnahmen vor Ort mit strategischen Maßnahmen zur Verhinderung und Bekämpfung krimineller Aktivitäten, um Europa sicherer zu machen.

Eine gelbe Linie mit zwei weißen Kreisen in der Mitte, daneben eine EU-Flagge und in Blockbuchstaben das Wort EMPACT.

Fortschritte bei der Kriminalitätsbekämpfung in der EU

2022-2025

Im Politikzyklus 2022-2025 hat EMPACT wichtige Ergebnisse bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität durch die EU erzielt, darunter:

  • Einleitung von 52 000 Ermittlungen
  • 46 300 Festnahmen verdächtiger Straftäter
  • 25 000 identifizierte oder geschützte Opfer
  • beschlagnahmte Vermögenswerten und Geldern in Höhe von 3 740 Mio. €
  • 644 Tonnen beschlagnahmter Drogen

2025

EMPACT konnte im Jahr 2025 bedeutende Ergebnisse vorweisen:

  • 24 500 eingeleitete Untersuchungen oder Fälle
  • 9 000 Festnahmen verdächtiger Straftäter
  • 8 900 identifizierte oder geschützte Opfer
  • 300 Tonnen beschlagnahmter Drogen
  • 6 aufgedeckte Drogenlabors
  • beschlagnahmte Vermögenswerten und Geldern in Höhe von 1 720 Mio. €

Kriminalitätsbezogene Prioritäten der EU für 2026–2029

Im Einklang mit dem EMPACT-Politikzyklus vereinbart der Rat die Prioritäten der EU für die Bekämpfung der schweren und organisierten Kriminalität.

Für die Jahre 2026 bis 2029 hat der Rat sieben EU-Prioritäten für die Kriminalitätsbekämpfung festgelegt:

  • Identifizierung und Hinderung der gefährlichsten kriminellen Netze und Einzelpersonen
  • Bekämpfung der am schnellsten zunehmenden Straftaten im Online-Bereich; dazu zählen Cyberangriffe, die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet und Online-Betrugssysteme
  • Bekämpfung des Drogenhandels
  • Bekämpfung von Migrantenschleusung und Menschenhandel
  • Bekämpfung von Straftaten im Zusammenhang mit Feuerwaffen und Explosivstoffen
  • Hinderung von an Umweltkriminalität beteiligten kriminellen Netzen
  • Bekämpfung von Wirtschafts- und Finanzkriminalität wie Mehrwertsteuerbetrug und Kriminalität im Zusammenhang mit geistigem Eigentum

Vor diesem Hintergrund hat der Rat die Kommission auch aufgefordert, eine Aufstockung der Mittel für EMPACT im EU-Haushaltsplan vorzuschlagen, unter anderem durch einen höheren EU-Beitrag für Europol.

Der Rat hat zehn EU-Prioritäten für die Kriminalitätsbekämpfung angenommen, nachdem Europol eine „Bewertung der Bedrohungslage im Bereich der schweren und organisierten Kriminalität in der EU“ (EU SOCTA) erstellt und entsprechende Empfehlungen abgegeben hatte. Darüber hinaus hat er auch anderen Strategiepapieren, Bewertungen und Maßnahmen Rechnung getragen.

Sicherstellung und Einziehung von Geld aus Straftaten

Die EU stärkt die Fähigkeit der Mitgliedstaaten, die organisierte Kriminalität zu bekämpfen und illegale Gewinne zu beschlagnahmen. In den EU-Vorschriften über die Abschöpfung und Einziehung von Vermögenswerten sind Mindeststandards für das Aufspüren, die Ermittlung, die Sicherstellung und die Verwaltung krimineller Vermögensgegenstände festgelegt. Mit diesen Maßnahmen wird sichergestellt, dass Kriminelle nicht von ihren illegalen Aktivitäten profitieren können und dass beschlagnahmte Vermögenswerte wirksam eingezogen werden können.

Ermittlung und Bekämpfung von Bedrohungen im Zollbereich

In der Bedrohungsanalyse im Zollbereich werden die wichtigsten Entwicklungen und Bedrohungen aufgezeigt, mit denen die europäischen Zollbehörden konfrontiert sind. Sie wurde erstmals 2025 von EU-Zollexperten mit Unterstützung der Europäischen Kommission, des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung (OLAF), von Frontex und von Europol durchgeführt.

In der Analyse wurden neun vorrangige Bedrohungsbereiche ermittelt:

  • Transversale Bedrohungen: Elektronischer Handel, Finanzkriminalität, der Schutz der finanziellen Interessen der EU, größere Krisen
  • Thematische Bedrohungen: Betäubungsmittel, Fälschung, Handel mit Feuerwaffen und Explosivstoffen, Umweltkriminalität

Die Analyse veranschaulicht, wie die europäischen Zollbehörden bei der Bekämpfung von Betrug und organisierter Kriminalität zusammenarbeiten, und zeigt gleichzeitig die sich wandelnden Herausforderungen auf, mit denen die Behörden in der gesamten EU konfrontiert sind.

Die Bewertung wurde dem Rat am 25. Juni 2025 förmlich vorgelegt.

Die jüngsten gemeinsamen Maßnahmen im Zollbereich haben ebenfalls zu bedeutenden Ergebnissen geführt. Im Zeitraum 2024-2025 wurde mithilfe der Zusammenarbeit zwischen den EU-Zollbehörden Folgendes beschlagnahmt:

  • 134,5 Tonnen Kokain
  • 13,1 Tonnen Cannabis
  • mehr als 9 Mio. € an nicht angemeldeten Barmitteln
  • mehr als 18 Millionen Zigaretten

Rechte von Opfern

Alljährlich werden Millionen von Menschen in der gesamten EU Opfer einer Straftat.

Die Gewährleistung von Unterstützung, Schutz, Informationen und Zugang zur Justiz für Opfer ist ein wesentlicher Bestandteil des Aufbaus einer sicheren und fairen Gesellschaft.

Um diese Rechte zu stärken, hat der Rat am 8. Juni 2026 eine EU-Richtlinie über die Rechte von Opfern von Straftaten endgültig gebilligt. Mit den Rechtsvorschriften wird die Opferschutzrichtlinie von 2012 aktualisiert. Zu den wichtigsten Bestimmungen gehören:

  • eine EU-weite Opfernotruf-Hotline (116 006)
  • Einfachere Meldung von Straftaten
  • mehr Schutz und Unterstützung für Opfer im Kindesalter
  • verbesserter Zugang zu Prozesskostenhilfe und zur Justiz
  • schnellerer Zugang zu Entschädigung
  • besserer Schutz der personenbezogenen Daten der Opfer

Nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt haben die EU-Länder zwei Jahre Zeit, um die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Militärische Aggression Russlands gegen die Ukraine

Konflikte lassen Gelegenheiten entstehen, die sich die organisierte Kriminalität zunutze macht, und können die Risiken für die innere Sicherheit erhöhen. Auf der Tagung des Rates (Justiz und Inneres) vom 28. März 2022 haben die Ministerinnen und Minister der EU die Mobilisierung von EMPACT gebilligt, um die Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen, kriminelle Netze, die den Krieg in der Ukraine ausnutzen, zu bekämpfen.

Gegenseitige Begutachtungen

Der Mechanismus der gegenseitigen Begutachtung bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität wurde 1997 aufgrund einer vom Rat erlassenen Gemeinsamen Maßnahme eingeführt.

Bei diesen Peer-Reviews bewerten die Mitgliedstaaten gegenseitig, wie die EU‑Rechtsvorschriften und ‑Instrumente, sowie einschlägige internationale Rechtsvorschriften und Instrumente zur Kriminalitätsbekämpfung umgesetzt werden. Die Begutachtungen beruhen auf den Grundsätzen der Gleichheit und gegenseitigem Vertrauen.

Ziel ist es,

  • praktische Lösungen zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität in der EU zu finden,
  • die justizielle Zusammenarbeit in Europa zu verbessern,
  • bewährte Verfahren zwischen den Mitgliedstaaten auszutauschen.

Der Rat koordiniert den Begutachtungsprozess und erstellt Berichte, Schlussfolgerungen und Empfehlungen.

Letzte Überprüfung: 8. Juni 2026