Programm für die europäische Verteidigungsindustrie
Das Programm für die europäische Verteidigungsindustrie (EDIP) ist eine der zahlreichen Initiativen, die die EU ergriffen hat, um angesichts der sich wandelnden Sicherheitslandschaft ihre Verteidigungsbereitschaft zu erhöhen und die europäische Verteidigungsindustrie zu stärken.
Das Programm für die europäische Verteidigungsindustrie
Bei dem Programm für die europäische Verteidigungsindustrie handelt es sich um ein EU-Programm, in dessen Rahmen 1,5 Mrd. € in Form von Finanzhilfen bereitgestellt werden, um die Verteidigungsbereitschaft Europas im Zeitraum 2025-2027 zu erhöhen.
Ziel des EDIP ist es, die Wettbewerbsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit der europäischen Verteidigungsindustrie zu verbessern und die gemeinsame Beschaffung zu fördern. Darüber hinaus wird damit Folgendes festgelegt:
- Maßnahmen zum Ausbau der Produktionskapazitäten der Verteidigungsindustrie
- ein Rahmen für die industrielle Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich mit der Ukraine
- eine Regelung für die Sicherheit der Versorgung mit krisenrelevanten Produkten
- ein rechtliches Instrumentarium zur Erleichterung der langfristigen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Rüstung
- ein Mechanismus für militärische Verkäufe
Mit dem Programm werden mehrere der in der Europäischen Industriestrategie für den Verteidigungsbereich (EDIS) vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt. Diese Strategie wurde von der Europäischen Kommission und dem Hohen Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik im März 2024 vorgestellt.
Das EDIP stützt sich auf zwei bestehende EU-Instrumente: das Instrument zur Stärkung der europäischen Verteidigungsindustrie durch gemeinsame Beschaffung (EDIRPA) und die Verordnung zur Förderung der Munitionsproduktion (ASAP).
Der Rat hat das EDIP am 8. Dezember 2025 angenommen.
Finanzierung des Programms
Das EDIP wird von der EU aus ihrem langfristigen Haushalt (mehrjähriger Finanzrahmen 2021-2027) finanziert.
Mit der vorläufigen Einigung zwischen dem Rat und dem Parlament werden die von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Mittel, d. h. 1,5 Mrd. € in Form von Finanzhilfen, bestätigt. Das Gesamtbudget umfasst 300 Mio. € zur Unterstützung der ukrainischen Verteidigungsindustrie.
Der Rat und das Parlament forderten die Kommission auf, Möglichkeiten für künftige zusätzliche Finanzmittel zu prüfen.
Darüber hinaus ermöglicht das EDIP den Mitgliedstaaten oder Dritten, Finanzbeiträge zu leisten.
EU-Mittel für Verteidigung
Bereiche des Programms
Ausbau der europäischen Verteidigungskapazitäten und Lieferketten
Mit dem EDIP soll die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten bei der Beschaffung von Verteidigungsgütern gestärkt werden. Ziel des Programms ist es zudem, die Produktionskapazitäten der europäischen Verteidigungsindustrie zu erhöhen und dadurch die Produktionsvorlaufzeit für Verteidigungsgüter zu verkürzen und bestehende Fähigkeitslücken zu schließen.
Mit dem EDIP wird ein Rahmen für europäische Verteidigungsvorhaben von gemeinsamem Interesse geschaffen, mit dem Ziel, Fähigkeiten von breiterem europäischem Interesse zu entwickeln, einschließlich solcher, die den Zugang zu strategischen Bereichen sichern.
Unterstützung für die Ukraine
Mit dem EDIP wird die Verteidigungsindustrie der Ukraine durch ein spezielles Instrument (Unterstützungsinstrument für die Ukraine) unterstützt, das
- Anreize für eine kooperative Beschaffung mit der Ukraine bietet
- den Ausbau der Produktionskapazitäten ukrainischer Unternehmen in der Verteidigungsindustrie finanziert
Das Unterstützungsinstrument für die Ukraine wird eine Finanzausstattung von 300 Mio. € erhalten.
Versorgung mit Verteidigungsgütern in Krisensituationen
Mit dem EDIP wird die EU den bislang ersten Mechanismus einrichten, um die Sicherheit der Versorgung mit Verteidigungsgütern in der gesamten EU zu gewährleisten. Der Mechanismus soll in Krisenzeiten einen zeitnahen und zuverlässigen Zugang zu Verteidigungsgütern und -komponenten gewährleisten.
Europäischer Mechanismus für militärische Verkäufe
Im Rahmen des EDIP wird die EU einen europäischen Mechanismus für militärische Verkäufe einrichten, der
- einen zentralen Katalog von Verteidigungsgütern bietet
- die Möglichkeit vorsieht, „Pools“ von Verteidigungsgütern einzurichten, um eine rasche Lieferung von Ausrüstung zu ermöglichen
Förderfähigkeit von Unternehmen und Produkten
Unternehmen, die finanzielle Unterstützung im Rahmen des EDIP erhalten, müssen in der EU niedergelassen sein und dort ihre Leitungs- und Verwaltungsstruktur haben. Um förderfähig zu sein, müssen sie auch Infrastrukturen, Einrichtungen, Mittel und Ressourcen in der EU nutzen.
Mindestens 65 % der Gesamtkosten der Komponenten von Verteidigungsgütern müssen aus der EU oder assoziierten Ländern (d. h. Mitgliedern des Europäischen Wirtschaftsraums) stammen. Außerdem muss auch die „Gestaltungshoheit“ über die Gestaltung eines Produkts grundsätzlich bei der EU liegen, damit die Produkte im Rahmen des EDIP förderfähig sind.
Ferner werden keine Bestandteile aus nicht assoziierten Ländern bezogen, die den Sicherheits- und Verteidigungsinteressen der EU oder ihrer Mitgliedstaaten zuwiderhandeln.
Siehe auch
Verteidigungsbereitschaft der EU
Gemeinsame Beschaffung von Verteidigungsgütern
Die Verteidigung der EU in Zahlen
Letzte Überprüfung: 8. Dezember 2025