Woher stammt das Erdöl der EU?
Die EU importiert fast ihr gesamtes Rohöl, und zwar aus verschiedenen Ländern. In den letzten Jahren hat die EU den Großteil ihrer Erdölimporte aus Russland durch andere Quellen ersetzt.
Warum muss die EU Erdöl importieren?
Erdöl macht einen großen Teil des Energieverbrauchs in der EU aus, doch die EU-Mitgliedstaaten haben selbst keine großen Ölreserven. Deshalb importiert die EU fast ihr gesamtes Rohöl (2024 waren es rund 97 %).
Die EU ist auf dem Weg, sich von fossilen Brennstoffen abzuwenden, aber immer noch stark von Erdölimporten abhängig. 2025 importierte die EU rund 435 Mio. t Rohöl im Wert von über 212 Mrd. €.
Wichtigste Rohöllieferanten im Jahr 2025
Die drei wichtigsten Importpartner der EU im Jahr 2025 waren die Vereinigten Staaten, Kasachstan und Norwegen; bezogen auf die importierten Mengen haben sie zwischen 12 % und 15 % der Ölimporte der EU geliefert.
Der viertwichtigste Importpartner der EU war Libyen mit einem Anteil von mehr als 9 %, gefolgt von Saudi-Arabien mit 6,8 % sowie Nigeria und Irak mit einem Anteil von jeweils 5,8 %. Rund 7% ihrer Erdölimporte bezog die EU 2025 aus den Ländern des Golf-Kooperationsrates (GCC), d. h. aus Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Ein Kacheldiagramm zeigt die Länder, die 2025 Erdöl in die EU geliefert haben, und die jeweilige Menge in Millionen Tonnen. Die größte Menge an Rohöl kam aus den Vereinigten Staaten (14,6 % der Erdöleinfuhren der EU gemessen an den eingeführten Mengen), Kasachstan (12,8 %) und Norwegen (12,8 %). Aus zehn weiteren Ländern stammten jeweils zwischen 10 % und 2 % der Einfuhren.
Wenn es um den Wert der Erdölimporte geht, stehen die USA mit einem noch größeren Anteil von 15,1 % an der Spitze, gefolgt von Norwegen (14,4 %), Kasachstan (12,7 %), Libyen (9 %) und Saudi-Arabien (6,5 %).
Abkehr von russischem Öl
Wer die wichtigsten Partner der EU bei der Einfuhr von Erdöl sind, hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Seit der groß angelegten Invasion Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 hat die EU Sanktionen gegen Russland verhängt, um es ihm schwerer zu machen, seinen rechtswidrigen Angriffskrieg zu führen.
Russlands Anteil an den Erdölimporten in die EU ist zwischen 2021 und 2025 von 25,8 % auf 2,2 % gesunken. Kompensiert wurde dieser Rückgang vor allem durch steigende Einfuhren aus den USA, Norwegen und Kasachstan.
Die nachstehende Grafik zeigt, welche Mengen an Erdöl die EU importiert hat (in Millionen Tonnen).
Ein Balkendiagramm mit den fünf wichtigsten Ländern, aus denen die EU Erdöl bezieht, mit der jeweiligen Menge in den Jahren 2021, 2023 und 2025.
Die Einfuhren aus Russland gingen von über 114,4 Mrd. m³ im Jahr 2021 auf 9,7 Mrd. m³ im Jahr 2025 zurück. Im gleichen Zeitraum stiegen die Einfuhren aus den USA von 37,1 Mrd. m³ auf 63,5 Mrd. m³. Andere Länder, die mehr und mehr Erdöl in die EU exportiert haben, sind Kasachstan (35,2 Mio. Tonnen im Jahr 2021, 55,8 Mio. im Jahr 2025) und Norwegen (40,2 Mio. Tonnen im Jahr 2021, 55,7 Mio. im Jahr 2025).
Förderung von Rohöl in der EU
Nur ein verschwindend geringer Anteil des Erdöls, das in der EU verbraucht wird, stammt aus der EU. Die Rohölförderung in der EU ist in den letzten 20 Jahrenzurückgegangen. Im Jahr 2024 (dem letzten, zu dem Daten vorliegen) haben die EU-Länder 15,5 Mio. t Rohöl produziert – das entspricht gerade einmal 3,6 % der gesamten Importe.
Die wichtigsten Förderländer waren Italien (4,37 Mio. t), Dänemark (2,96 Mio. t) und Rumänien (2,76 Mio. t), gefolgt von Deutschland (1,6 Mio. t) und Ungarn (1 Mio. t).
Wenngleich die EU bei der Förderung stark von Drittländern abhängig ist, verfügt sie doch über einen bedeutenden Raffineriesektor. So wird das importierte Rohöl in Raffinerien in der EU unter anderem zu Kraftstoffen für Pkw, Flugzeuge und Schiffe verarbeitet.
2024 produzierten die Raffinerien in der EU 543,7 Mio. t Erdölerzeugnisse. Größter Erzeuger war Deutschland, gefolgt von Italien, Spanien und den Niederlanden.
Verbrauch von Erdöl und Erdölerzeugnissen nach Sektoren
Fast zwei Drittel des Erdöls verbraucht der Verkehr – allen voran der Straßenverkehrssektor. 2024 machte er 47,7 % des Ölverbrauchs in der EU aus. Andere Sektoren, die erhebliche Mengen an Öl verbrauchen, sind der Luftverkehr, die Schifffahrt und die Industrie.
In der Industrie wird Erdöl sowohl als Energiequelle als auch für andere Zwecke verwendet, z. B. zur Herstellung von Produkten wie Bitumen für Straßenbeläge, Kunststoffe und Reifen.
Ein Kreisdiagramm zeigt die Anteile einzelner Sektoren am Verbrauch von Erdöl und Erdölerzeugnissen in der EU im Jahr 2024.
- Straßenverkehr: 47,7 %
- Luftverkehr: 9,2 %
- Wasserverkehr: 8,4 %
- Industrie und Energiesektor: 21,6 %
- Haushalte: 4,6 %
- Sonstige Nutzungen: 8,4 %
Siehe auch
Woher stammt das Gas der EU?
EU-Sanktionen gegen Russland: Fragen und Antworten
Umweltfreundlicherer Verkehr
Letzte Überprüfung: 17. April 2026