Wie ist der Zustand der Natur in der EU?
Schon lange erkennt die EU an, dass die Natur und die biologische Vielfalt erhalten werden müssen: Das erste Gesetz – die Vogelschutzrichtlinie – wird 1979 angenommen, mehrere weitere Gesetze und Finanzierungsprogramme folgen. Trotz dieser Bemühungen verschlechtert sich der Zustand der Natur in der EU drastisch.
Der Rat hat die Verordnung über die Wiederherstellung der Natur angenommen, um die Natur und die Arten wiederherzustellen. In der Verordnung sind verbindliche Ziele für die wichtigsten Ökosysteme, Lebensräume und die darin lebenden Arten festgelegt.
Besorgniserregende Aussichten für die Natur
Aus der jüngsten Bewertung der Europäischen Umweltagentur aus dem Jahr 2025 ergibt sich ein alarmierendes Bild von der Natur in der EU, insbesondere von Lebensräumen, in denen Tiere und Pflanzen aller Art leben.
Torfmoore und Dünen sind am stärksten betroffen
Ein horizontales Balkendiagramm zeigt die Prozentsätze der fünf Lebensräume, die sich 2013-2018 in einem schlechten oder unzureichenden Zustand befanden: Torfmoore (Hoch- und Niedermoore), Dünen, Küstenlebensräume, Wälder und Grasland. Diese Lebensräume werden im Rahmen der Habitat-Richtlinie der EU überwacht.
In allen fünf Lebensräumen befinden sich mehr als 80 % der Fläche in einem unzureichenden oder schlechten Zustand:
- Torfmoore: 52 % schlecht, 36 % unzureichend
- Dünen: 52 % schlecht, 34 % unzureichend
- Küstenlebensräume: 42 % schlecht, 44 % unzureichend
- Wälder: 31 % schlecht, 54 % unzureichend
- Grasland: 49 % schlecht, 33 % unzureichend
Mit der Verschlechterung der Lebensräume, in der alle Arten von Tieren und Pflanzen leben, und auch aufgrund anderer Faktoren und Bedrohungen nimmt außerdem die Zahl der Arten ab.
38 % der Fischpopulationen befinden sich in einem schlechten Zustand
Ein horizontales Balkendiagramm zeigt die Prozentsätze der fünf verschiedenen Gruppen von Tieren und Pflanzen, die sich 2013-2018 in einem unzureichenden oder schlechten Zustand befanden. Diese Tier- und Pflanzenarten werden im Rahmen der Habitat-Richtlinie der EU überwacht. Am stärksten betroffen sind Fische, die sich zu über 80 % in einem schlechten oder unzureichenden Zustand befinden.
Die genauen Prozentsätze sind folgende:
- Fische: 38 % schlecht, 44 % unzureichend
- Moose und andere nicht-vaskuläre Pflanzen: 22 % schlecht, 52 % unzureichend
- Muscheln, Schnecken und andere Weichtiere: 30 % schlecht, 34 % unzureichend
- Insekten und andere Gliederfüßler: 24 % schlecht, 39 % unzureichend
- Frösche und andere Amphibien: 21 % schlecht, 40 % unzureichend
Die Lage spitzt sich zu. Von den Lebensräumen und Arten in der EU, die sich in einem unzureichenden oder schlechten Zustand befinden, verschlechtert sich mehr als ein Drittel noch weiter. Nur 9 % der Lebensräume und 6 % der Arten in einem unzureichenden oder schlechten Zustand weisen eine positive Entwicklung auf.
Zu den gefährdeten und bedrohten Arten in der EU gehören:
Donaulachs
Lederschildkröte
Rumänischer Hamster
Eine Bedrohung für die Ernährungssicherheit
Die Natur ist für die Lebensmittelerzeugung unverzichtbar. Fast 5 Mrd. € der jährlichen landwirtschaftlichen Produktion der EU sind unmittelbar auf Bestäuberinsekten zurückzuführen. Rund 50 % der Flächen, auf denen von Bestäubern abhängige Pflanzen wie Obstbäume in der EU gepflanzt werden, bieten jedoch keine geeigneten Bedingungen für Bestäuber, wie beispielsweise Nistplätze.
Daher weisen Bienen und Schmetterlinge, die zu den häufigsten Bestäubern gehören, einen sehr schlechten Erhaltungszustand in der EU auf.
Seit 1991 sind mehr als 50 % der Wiesenschmetterlinge verschwunden.
Die Abbildung zeigt den Index der Wiesenschmetterlinge, der einer der Indikatoren für die biologische Vielfalt in Europa ist. Er beruht auf den Populationen von 17 Schmetterlingsarten, die EU-weit überwacht werden und für europäische Wiesen charakteristisch sind.
Ein Liniendiagramm zeigt die Entwicklung bei Wiesenschmetterlingen zwischen 1991 und 2023 mit einem Index, der von 100 Punkten für das Jahr 2000 ausgeht. Der Index zeigt einen Rückgang der Schmetterlingspopulationen um 50,4 % zwischen 1991 (Index 114,86) und 2023 (Index 56,95). Der größte Teil dieses Rückgangs geschah im Zeitraum bis 2007 (Index 73,51); seitdem ist der Index langsamer gesunken.
Rückgang der Feldvögel um 42 % seit 1990
Auch Vögel sind Bestäuber. Da sie empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren, sind sie gute Indikatoren für die Gesundheit eines Ökosystems. Die Populationen weit verbreiteter Feldvögel in der EU sind zwischen 1990 und 2023 drastisch zurückgegangen.
Eine Abbildung von Vögeln und einem Schieber, den man zwischen den Vögeln bewegen kann. Beim Verschieben nach links sinkt die Zahl der Vögel, und nur ihre Umrisse sind noch sichtbar. Die Abbildung zeigt außerdem einen nach unten gerichteten Pfeil und die Zahl „-36 %“, die dem Rückgang der Feldvögel seit 1990 entspricht.
Zu den Feldvögeln mit rückläufiger Population gehören:
Zwergtrappe
Uferschnepfe
Turteltaube
Siehe auch
Wiederherstellung der Natur
Biologische Vielfalt
Naturschutz
Letzte Überprüfung: 24. Juli 2026