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Wiederherstellung der Natur

Die Natur ist unsere Lebensgrundlage, doch ihr Zustand verschlechtert sich. In der Verordnung über die Wiederherstellung der Natur werden erstmals verbindliche Ziele für die Wiederherstellung von Ökosystemen, Lebensräumen und Arten festgelegt.

Wie ist der Zustand der Natur heute?

Die Natur ist in der EU stark auf dem Rückzug. Populationen von Arten und ihre natürlichen Lebensräume schrumpfen, und ihr Zustand verschlechtert sich – mit gravierenden Folgen für die Menschen und den Planeten.

Seit Jahrzehnten schützt die EU die Natur durch die Vogelschutz- und die Habitat-Richtlinie; sie gelten für mehr als 1 200 seltene und bedrohte Arten und für mehr als 27 000 Naturgebiete.

Doch trotz dieser Bemühungen und gewisser Verbesserungen zeichnete die Europäische Umweltagentur 2025 in ihrer Bewertung des Zustands der Umwelt in der EU ein alarmierendes Bild.

Mehrere Faktoren belasten die Ökosysteme und Populationen von Arten, darunter

  • der Verlust von Lebensräumen
  • Übernutzung natürlicher Ressourcen
  • Klimawandel
  • Verschmutzung
  • invasive Arten
In der Infografik wird der Zustand der Natur in der EU auf der Grundlage der neuesten wissenschaftlichen Berichte dargestellt.
Wie ist der Zustand der Natur in der EU? (Infografik)

Wie ist der Zustand der Natur in der EU? (Infografik)

Warum ist die Wiederherstellung der Natur so wichtig?

Der Zustand der Natur hängt von wichtigen Wechselwirkungen zwischen Arten und ihren Lebensräumen ab. So entsteht ein sensibles Gleichgewicht, das für eine gesunde und gut funktionierende natürliche Umwelt sorgt.

Ist das Gleichgewicht gestört, leiden die Ökosysteme und verlieren ihre Fähigkeit, unverzichtbare Dienstleistungen zu erbringen, die der Mensch zum Leben braucht, etwa

  • die Bereitstellung wertvoller Nahrung
  • die Erzeugung von Sauerstoff
  • die Bereitstellung natürlicher Ressourcen
  • die Aufnahme von CO2 und die Minderung des Klimawandels

Was die Natur „kostenlos liefert“

Nahrung für Mensch und Tier

fruchtbare Böden

Rohstoffe

positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit

Trinkwasser

Arzneimittel

Die Natur bildet das Fundament der Weltwirtschaft. Mehr als die Hälfte des weltweiten BIP hängt von Ressourcen und Dienstleistungen ab, die von Ökosystemen hervorgebracht werden. So sind beispielsweise Rohstoffe für die Industrie und den Bausektor unverzichtbar, während Landwirtschaft und Medizin auf genetische Ressourcen angewiesen sind.

Die Natur wiederherzustellen bedeutet, geschädigte oder zerstörte Ökosysteme zu regenerieren, indem ihre Struktur und ihre Funktionen und damit – als übergeordnetes Ziel – ihre Resilienz und Biodiversität verbessert werden.

Gesunde Ökosysteme sorgen unter anderem für

  • eine gesteigerte Produktivität der Landwirtschaft
  • eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaänderungen
  • mehr biologische Vielfalt
  • ein geringeres Risiko von Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen

Wie wollen die EU-Länder die Natur wiederherstellen?

Die EU-Länder haben einen Rechtsakt zur Wiederherstellung der Natur angenommen, der darauf abzielt, die Natur und die Ökosysteme in einen guten Zustand zurückzuversetzen.

Die Vorschriften sind die ersten überhaupt, bei denen die Wiederherstellung der Natur in den Mitgliedstaaten der EU im Mittelpunkt steht.

So wird ein verbindliches Ziel auf EU-Ebene festgelegt, nach dem die Mitgliedstaaten verpflichtet werden, wirksame Wiederherstellungsmaßnahmen einzuleiten, die bis 2030 mindestens 20 % der Land- und Meeresgebiete der EU abdecken. Bis 2050 werden dann Maßnahmen für alle Ökosysteme, die wiederhergestellt werden müssen, eingeführt.

Das Ziel stützt sich auf die internationale Verpflichtung, die die EU und ihre Länder als Vertragspartei des globalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt eingegangen sind. Auf dem Biodiversitätsgipfel der Vereinten Nationen vom Dezember 2022 wurde eine wegweisende Vereinbarung zur Wiederherstellung der terrestrischen und marinen Ökosysteme bis 2030 erzielt.

Folgende Bereiche fallen unter die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur:

  • geschädigte Land- und Meereslebensräume
  • Bestäuber
  • landwirtschaftliche Ökosysteme
  • städtische Gebiete
  • Flüsse und Überschwemmungsgebiete
  • Wälder

Einige Ausnahmen gibt es für Gebiete, die für Zwecke der Landesverteidigung oder für Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien genutzt werden.

Geschädigte Land- und Meereslebensräume

Mit den neuen Vorschriften sollen Lebensräume in EU-Ländern wiederhergestellt werden, die sich in einem schlechten Zustand befinden. Dies betrifft Ökosysteme in Land-, Küsten-, Meeres- und Süßwasserlebensräumen.

Ziel ist, bis 2030 EU-weit Wiederherstellungsmaßnahmen für mindestens 30 % dieser Lebensräume einzuleiten. Danach sollen weitere Anstrengungen unternommen werden, sodass sich die Maßnahmen bis 2040 auf 60 % der Lebensräume und bis 2050 auf 90 % der Lebensräume erstrecken.

Die von den Mitgliedstaaten festzulegenden und umzusetzenden Maßnahmen sollten die Vernetzung von Lebensräumen fördern, also dafür sorgen, dass Lebensräume so weit wie möglich miteinander verbunden sind, damit sich wildlebende Tiere zwischen ihnen bewegen können.

Bestäuber

Wildbienen sind die bekanntesten Bestäuber. Doch tragen auch andere Insekten zur Bestäubung von Blütenpflanzen bei, was äußerst wichtig für den Anbau von Nutzpflanzen ist. Fast 5 Mrd. € der jährlichen landwirtschaftlichen Produktion der EU sind unmittelbar auf Bestäuberinsekten zurückzuführen.

Mit den neuen Vorschriften soll der Rückgang der Bestäuber umgekehrt werden, sodass ihre Populationen bis 2030 wieder wachsen.

Zu den Bestäubern in Europa gehören Schmetterlinge, Käfer, Bienen, Schwebfliegen, Motten und Wespen.

Eine Illustration zeigt einen Schmetterling, einen Käfer, eine Biene, eine Schwebfliege, eine Motte und eine Wespe.

Landwirtschaftliche Ökosysteme

Nicht allein der Zustand der Bestäuberpopulationen, auch die Produktivität der Landwirtschaft hängt von gesunden Ökosystemen ab.

Ausgelaugte Böden und geschädigte landwirtschaftliche Ökosysteme haben weniger Kapazitäten, Nahrungsmittel hervorzubringen. Das betrifft derzeit bis zu 73 % der landwirtschaftlichen Flächen.

Mit der Verordnung zur Wiederherstellung der Natur soll die biologische Vielfalt in landwirtschaftlichen Ökosystemen verbessert werden. Dabei geht es insbesondere um folgende Populationen, die sich erholen und wachsen sollen:

  • Wiesenschmetterlinge
  • Feldvogelarten

Seit 1991 sind mehr als 50 % der Wiesenschmetterlinge verschwunden.

Textfassung

Ein Liniendiagramm zeigt die Entwicklung bei Wiesenschmetterlingen zwischen 1991 und 2020 mit einem Index, der von 100 Punkten für das Jahr 2000 ausgeht. Der Index zeigt einen moderaten Rückgang der Populationen von Wiesenschmetterlingen zwischen 1991 (108 Punkte) und 2002 (98 Punkte), gefolgt von einem Anstieg auf 114 Punkte bis 2011 und einem starken Rückgang in den folgenden Jahren bis auf 76 Punkte im Jahr 2020.

Darüber hinaus müssen die EU-Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen, um

  • bis 2030 einen Anteil von 30 % und bis 2050 die Hälfte der entwässerten Torfflächen, die landwirtschaftlich genutzt werden, wiederherzustellen (für stark betroffene Länder kann ein geringerer Prozentsatz gelten)
  • den Kohlenstoffbestand in Mineralböden zu erhöhen
  • artenreiche Landschaftselemente auf landwirtschaftlichen Flächen (z. B. Hecken, Blühstreifen, Brachland, Teiche und Obstbäume) zu fördern

Wiederherstellungsmaßnahmen sind entscheidend dafür, einer drohenden Ernährungsunsicherheit zu begegnen. Um die Nahrungsmittelproduktion mittel- bis langfristig sicherzustellen, braucht es mehr biologische Vielfalt und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Beispiele sind der Einsatz von Nützlingen und die Verringerung der Abhängigkeit von chemischen Düngemitteln: Beides erhöht den Nährstoffgehalt der Böden und verbessert die Gesundheit der Ökosysteme.

Städtische Gebiete

Städtische Ökosysteme machen 22 % der Landfläche der EU aus. Parks, Gärten, Bäume und Wiesen sind wichtige Lebensräume für Pflanzen, Vögel und Insekten.

Mit den neuen Vorschriften will die EU mehr Grünflächen in Städten und Vororten schaffen. Zielvorgaben sind:

  • kein Nettoverlust an Grünflächen bis 2030 im Vergleich zu dem Jahr, in dem die Vorschriften zur Wiederherstellung der Natur in Kraft treten (es sei denn, das Stadtgebiet besteht bereits zu mehr als 45 % aus Grünflächen)
  • mehr Baumbestand in den Städten

Flüsse und Überschwemmungsgebiete

In Europas Flüssen gibt es mehr als eine Million menschengemachte Barrieren wie Dämme, Wehre und Rampen.

Frei fließende Flüsse ermöglichen Wasser- und Sedimentbewegungen sowie Bewegungen von Fischen und anderen Organismen. Sie tragen entscheidend dazu bei, den Zustand der EU-Gewässer zu verbessern und die biologische Vielfalt zu erhöhen.

Mit den neuen Vorschriften sollen viele der bestehenden Barrieren in den Flüssen der EU beseitigt werden, um Flussnetze besser miteinander zu verbinden.

Da es bislang nur wenige Daten über Hindernisse in Flüssen gibt, besteht eines der Ziele der neuen Vorschriften darin, ein Verzeichnis dieser Hindernisse in der EU zu erstellen.

Beseitigt werden sollen vor allem veraltete und ungenutzte Hindernisse.

Wälder

Wälder, die fast 40 % des EU-Gebiets ausmachen, sind für die Eindämmung des Klimawandels von entscheidender Bedeutung, da sie als Kohlenstoffsenken fungieren und auch einen großen Teil der biologischen Vielfalt Europas beherbergen.

Durch die neuen Vorschriften soll wieder mehr biologische Vielfalt in den Wäldern entstehen.

So sind die EU-Länder gehalten, den Zustand der Wälder zu verbessern, wobei spezifische Indikatoren helfen sollen, die Gesundheit der Waldökosysteme zu messen. Gemessen werden soll unter anderem

  • die Menge an Totholz, das vielen Waldorganismen einen Lebensraum bietet und zur Bodenbildung beiträgt
  • die Anzahl der Vogelarten

Darüber hinaus müssen die Mitgliedstaaten bis 2030 zur Anpflanzung von mindestens drei Milliarden Bäumen auf EU-Ebene beitragen.

Die Regeln für die Wiederherstellung in der Praxis

Das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur verpflichtet die EU-Länder, nationale Wiederherstellungspläne zu entwickeln. In diesen Plänen sollen die Maßnahmen zur Verwirklichung der in der Verordnung vorgesehenen verbindlichen Ziele, die wiederherzustellende Gesamtfläche sowie ein Zeitplan festgelegt werden.

Die Wiederherstellungspläne sollten sich auf den Zeitraum bis 2050 erstrecken. Die Maßnahmen sollten an andere einschlägige Rechtsvorschriften angeglichen werden, etwa in den Bereichen Naturschutz, erneuerbare Energien und Landwirtschaft.

Beispiele für Maßnahmen zur Wiederherstellung der Natur sind unter anderem:

  • das Entfernen nicht heimischer Gewächse auf Grünland, in Feuchtgebieten und in Wäldern
  • die Wiedervernässung trockengelegter Torfmoore
  • die bessere Vernetzung von Lebensräumen
  • ein verringerter Einsatz chemischer Pestizide und Düngemittel bzw. der Verzicht darauf
  • die Förderung der Erhaltung unberührter Natur

Mit der Verordnung wird die Kommission verpflichtet, die Anwendung der Verordnung und ihre Auswirkungen auf die Land-, Fischerei- und Forstwirtschaft sowie ihre umfassenderen sozioökonomischen Auswirkungen im Jahr 2033 zu überprüfen und zu bewerten.

Im Juni 2024 wurde das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur vom Rat angenommen, nachdem das Europäische Parlament es bereits im Februar angenommen hatte.

Warum Salamander wichtig sind: 30 Jahre Naturschutz in Europa

Die kleinsten Kreaturen – selbst winziger als ein Salamander – spielen eine riesige Rolle bei der Erhaltung des faszinierenden Netzes des Lebens.

Mit der Habitat-Richtlinie schützt die EU Salamander ebenso wie Hunderte weiterer Tierarten sowie Pflanzen und Naturgebiete. Von Finnland bis Malta, von Rumänien bis Portugal hat die EU mit ihren Vorschriften dazu beigetragen, Lebensräume und die dort lebenden Arten zu erhalten.

Ein Feuersalamander in seiner natürlichen Umgebung.

Siehe auch

Zwei Hände umrahmen eine kleine Waldszene mit einem Hirsch und fliegenden Vögeln; diese Darstellung symbolisiert den Schutz der Natur und der Wildtiere durch den Menschen.
Naturschutz

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Biologische Vielfalt

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Darstellung des Kreises der EU-Sterne, umgeben von Symbolen für den grünen Wandel, darunter eine Windkraftanlage, Solarpaneele, Bäume, Tiere, Kulturpflanzen und ein Traktor.
Ein europäischer Grüner Deal

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Letzte Überprüfung: 30. September 2025