Migrationsströme auf den westlichen Routen
Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Migrationslage auf der westlichen Mittelmeerroute und der westafrikanischen Route anzugehen.
Migrantinnen und Migranten begeben sich auf gefährliche Reisen entlang der westafrikanischen Küste, um die Kanarischen Inseln zu erreichen. Die dabei zurückgelegten Entfernungen reichen von weniger als 100 km vom nächstgelegenen Punkt an der afrikanischen Küste bis hin zu über 1 600 km von Gambia aus.
Auch über Marokko und Algerien reisen Migrantinnen und Migranten nach Spanien ein.
Hier erfahren Sie mehr über
- die Lage auf der westlichen Mittelmeerroute und der westafrikanischen Route,
- EU-Maßnahmen in Transitländern und
- EU-Maßnahmen zur Bekämpfung der Ursachen der Migration in Afrika.
Migrationsströme: Östliche, zentrale und westliche Route (Infografik)
Westliche Mittelmeerroute
Über die westliche Mittelmeerroute erfolgen irreguläre Einreisen nach Spanien, sowohl über das Mittelmeer auf das spanische Festland als auch über den Landweg in die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika.
Die Migranten gelangen über Marokko und Algerien nach Spanien. Im Jahr 2018 wurde die westliche Mittelmeerroute am häufigsten für Einreisen nach Europa genutzt. Nach dem Höchststand der Neuankünfte im Jahr 2018 ist die Zahl der Einreisen seit 2019 stetig zurückgegangen, was auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen ist, vor allem auf
- die verstärkten Anstrengungen Marokkos zur Bekämpfung der illegalen Migration,
- die enge Zusammenarbeit zwischen Marokko, Spanien und der EU sowie
- die COVID-19-Pandemie.
Die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex) unterstützt Spanien bei der Kontrolle seiner Außengrenzen auf dem Festland durch gemeinsame Seeeinsätze wie die Operation Indalo.
Die von der Agentur im Rahmen der Operation eingesetzten Bediensteten sowie Schiffe und sonstigen Überwachungsmittel unterstützen die nationalen Behörden bei der Grenzüberwachung sowie bei Such- und Rettungsmaßnahmen.
Im Dezember 2022 starteten die EU und die afrikanischen Partner Team Europa-Initiativen (TEI), die sich unter anderem auf die Routen im westlichen Mittelmeerraum und in Westafrika konzentrieren, um gemeinsame Anstrengungen der Mitgliedstaaten und der EU zur Bewältigung der Herausforderungen im Bereich Migration sicherzustellen. Dazu gehört eine spezifische Initiative, mit der 950 Mio. € für die Zusammenarbeit mit einschlägigen afrikanischen Partnern mobilisiert werden.
Westafrikanische Route
Bei der westafrikanischen Route geht es um irreguläre Einreisen auf die Kanarischen Inseln im Atlantik. Die Migranten machen sich hauptsächlich aus Marokko, der Westsahara, Mauretanien, Senegal und Gambia auf den Weg und begeben sich auf gefährliche Reisen entlang der westafrikanischen Küste, um auf die Kanarischen Inseln zu gelangen. Die dabei zurückgelegten Entfernungen reichen von weniger als 100 km vom nächstgelegenen Punkt an der afrikanischen Küste bis hin zu über 1 600 km von Gambia aus.
Im Jahr 2006 gelangten über 31 000 irreguläre Migranten auf die Kanarischen Inseln. Dies wurde als „Cayucos-Krise“ bezeichnet; der Name ist auf die weit verbreiteten Fischerboote aus Senegal und Mauretanien zurückzuführen.
In den Folgejahren sank die Zahl der irregulären Einreisen auf weniger als 1 500 Einreisen pro Jahr. Nach einem erheblichen Anstieg in den Jahren 2020 und 2021 ging die Zahl der irregulären Einreisen im Jahr 2022 wieder zurück.
EU-Maßnahmen in Transitländern
Nach dem drastischen Anstieg der Einreisen über die westliche Mittelmeerroute im Jahr 2018 leitete die EU eine Reihe neuer Initiativen mit Partnerländern ein, darunter eine intensivere Zusammenarbeit im Rahmen der Partnerschaft zwischen der EU und Marokko.
Die Zusammenarbeit mit Marokko erstreckt sich unter anderem auf folgende Bereiche:
- Grenzmanagement
- sozioökonomische Integration
- institutionelle Unterstützung und Kapazitätsaufbau
- Schutz und Rechte von Migranten
Die EU steht in engem Kontakt mit den Behörden anderer Transitländer, um die laufende Zusammenarbeit bei der Migrationssteuerung zu intensivieren.
EU-Maßnahmen zur Bekämpfung der Ursachen der Migration in Afrika.
Valletta-Prozess
Im November 2015 haben europäische und afrikanische Staats- und Regierungschefs auf dem Migrationsgipfel in Valletta Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit sondiert und die aktuellen Herausforderungen, aber auch die Chancen der Migration erörtert.
Die am Gipfel teilnehmenden Führungsspitzen haben eine politische Erklärung und einen Aktionsplan mit folgenden Zielen verabschiedet:
- Bekämpfung der Ursachen für irreguläre Migration und Vertreibung
- Verbesserung der Zusammenarbeit im Bereich der legalen Migration und Mobilität
- mehr Schutz für Migranten und Asylsuchende
- Verhinderung und Bekämpfung von irregulärer Migration, Schleuserkriminalität und Menschenhandel
- Verbesserung der Zusammenarbeit im Bereich der Rückkehr, Rückübernahme und Reintegration
Nothilfe-Treuhandfonds der EU für Afrika
Der Nothilfe-Treuhandfonds der EU (EUTF) für Afrika wurde von den europäischen und afrikanischen Partnern auf dem Gipfeltreffen zu Migrationsfragen in Valletta im November 2015 ins Leben gerufen. In seinem Mittelpunkt stehen vier strategische Ziele:
- breitere Chancen in den Bereichen Wirtschaft und Beschäftigung,
- Stärkung der Resilienz der Bevölkerung,
- Verbesserung der Migrationssteuerung,
- Verbesserung der Regierungsführung und der Konfliktprävention.
Bislang wurden für die drei betreffenden Regionen 248 Maßnahmen im Rahmen des EUTF für Afrika (Nordafrika, Sahel und Tschadsee, Horn von Afrika) mit einer Mittelausstattung von fast 4,9 Mrd. € genehmigt. Mit spezifischen Fonds aus dem EUTF für Afrika werden Projekte und Maßnahmen unterstützt, mit denen die Ursachen der irregulären Migration bekämpft und die Migrationssteuerung in den wichtigsten Herkunfts-, Ausgangs- und Transitländern verbessert wird.Die Ergebnisse des EUTF für Afrika waren bislang positiv:
- 127 800 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen
- 668 500 Menschen wurden bei der Entwicklung einkommensschaffender Tätigkeiten unterstützt
- 9,5 Millionen Menschen erhalten grundlegende Sozialdienste
- 4,4 Millionen Menschen erhalten Ernährungshilfe
- 509 000 Transitmigranten und Vertriebene wurden geschützt
- 2 Millionen Menschen wurden mit der Informationskampagne zum Thema Gefahren im Zusammenhang mit der Migration erreicht
- 2 100 Opfer von Menschenhandel wurden unterstützt
- 1,9 Millionen Menschen nahmen an Tätigkeiten im Bereich Konfliktverhütung und Friedenskonsolidierung teil
Nothilfe-Treuhandfonds der EU für Afrika (Infografik)
Gipfeltreffen Europäische Union – Afrikanische Union
Die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union (AU) und der Europäischen Union sind zum sechsten Gipfeltreffen zwischen der Europäischen Union und der Afrikanischen Union am 17./18. Februar 2022 in Brüssel zusammengetreten. Die Führungsspitzen der EU und der AU verständigten sich auf eine verstärkte und auf Gegenseitigkeit beruhende Partnerschaft für Migration und Mobilität.
Die EU und die AU werden weiterhin auf integrierte, umfassende und ausgewogene Weise alle Aspekte der Migration und Mobilität im Einklang mit den nationalen Zuständigkeiten behandeln.
Letzte Überprüfung: 16. Juli 2025