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Wohnraumkrise in der EU

Europa ist mit einer Krise konfrontiert, die durch steigende Wohnimmobilienpreise und immer höhere Wohnkosten beflügelt wird. Die EU arbeitet an einem Plan für erschwinglicheren Wohnraum.

Die Wohnkosten steigen

Die Wohnimmobilienpreise sind in der EU seit 2015 um durchschnittlich bis zu 60 % gestiegen, wobei der Anstieg in einigen Mitgliedstaaten über 200 % betrug; daneben sind auch die Mietpreise und Energiekosten immer höher geworden.

Die Einkommen der Haushalte haben jedoch damit nicht Schritt gehalten, was dazu geführt hat, dass viele Europäerinnen und Europäer Schwierigkeiten haben, ihre Wohnkosten zu decken. Dies betrifft die einzelnen Länder und Regionen der EU in unterschiedlichem Ausmaß, aber die weitreichenden Auswirkungen der Krise bedeuten, dass dies ein gemeinsames Anliegen aller Europäerinnen und Europäer ist.

Mehrfarbige abstrakte Darstellung verschachtelter Gebäude in blaugrün, blau und gelb vor einem pastellfarbenen Hintergrund. Die Strukturen unterscheiden sich in Größe und Stil und bilden dadurch ein spielerisches Stadtbild.

Derzeit machen die Wohnkosten knapp ein Fünftel des durchschnittlichen Einkommens der Haushalte in der EU aus, und etwa jeder Zehnte gibt an, dass er nicht in der Lage ist, seine Miete oder seine Hypothek rechtzeitig zu zahlen. In den größeren europäischen Städten ist der Druck sogar noch höher: Jeder zehnte Stadtbewohner gibt über 40 % seines Einkommens für Wohnkosten aus.

Diese Entwicklungen schränken die Möglichkeiten für potenzielle Käufer sowie Mieter ein und machen die Erschwinglichkeit zu einem wesentlichen wirtschaftlichen und sozialen Anliegen in der gesamten Union.

Wohnungen in größeren europäischen Stadtzentren sind zunehmend unerschwinglich

Das folgende Diagramm zeigt den geschätzten Anteil des Gehalts, der in größeren europäischen Städten 2025 für Miete ausgegeben wird. Ein Anteil von 100 % bedeutet, dass das gesamte Gehalt für die Zahlung der Miete benötigt wird, während ein Wert von über 100 % bedeutet, dass die Miete das durchschnittliche Gehalt übersteigt. Generell gilt als optimal, bis zu 30 % des Gehalts an Miete zu zahlen.

Textfassung

Das Diagramm zeigt den Prozentsatz des Gehalts, der in größeren europäischen Städten 2025 voraussichtlich für Miete ausgegeben werden muss.

In Lissabon ist der voraussichtliche Prozentsatz des Gehalts für Miete mit 116 % am höchsten.

Auch in anderen Städten muss ein erheblicher Anteil des Gehalts für Miete aufgewendet werden, etwa 74 % in Barcelona und in Madrid.

Ferner sind Mailand und Rom herauszustellen, mit 72 % bzw. 65 %.

Eine unausgeglichene Wohnraumlage

Die Wohnverhältnisse in der EU sind sehr uneinheitlich; Gründe dafür sind unterschiedliche Marktstrukturen, Rechtsrahmen und Finanzsysteme. In einigen Mitgliedstaaten überwiegen die Wohneigentümer am Markt, während andere stark von privater Vermietung oder öffentlich geförderter Vermietung geprägt sind.

Etwa zwei Drittel aller Europäerinnen und Europäer besitzen ein Eigenheim, aber dieser Anteil ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Die beiden Extreme des Spektrums sind Rumänien mit über 90 % Wohneigentümern und die Niederlande, wo nur knapp über 10 % der Bevölkerung ein Eigenheim besitzen. In Frankreich dagegen kann mehr als ein Fünftel der Bevölkerung von öffentlich gefördertem Wohnraum profitieren, während dies nur für 0,6 % der Schwedinnen und Schweden gilt.

Diese strukturellen Unterschiede prägen die Art und Weise, wie steigende Zinssätze, demografischer Druck und die Nachfrage in Stadtgebieten sich in den einzelnen Ländern auswirken. In einigen Ländern treiben angespannte Mietmärkte die Preise in die Höhe; in anderen haben die beschränkte Bautätigkeit und die starke Nachfrage dazu geführt, dass Wohneigentum in weitere Ferne gerückt ist.

Auch das Verhältnis zwischen Wohnungen und Häusern ist innerhalb der Mitgliedstaaten unterschiedlich: Knapp 72 % der Stadtbewohner leben in Wohnungen, während 82 % der Landbewohner in Häusern leben. Der Anteil der Stadtbevölkerung wird in Europa bis 2050 voraussichtlich 83 % erreichen; daher wird mit einem steigenden Druck auf die Wohnverhältnisse gerechnet, insbesondere in schnell wachsenden Städten, in denen die Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit schon jetzt unter Druck stehen.

Wohnstatus in den EU-Mitgliedstaaten: Eigentum oder Miete

Das folgende Diagramm bietet einen Vergleich des Wohnstatus in den EU-Mitgliedstaaten und zeigt die Unterschiede zwischen den Anteilen der Wohneigentümer und der Mieter auf. Die Daten zeigen die höheren Wohneigentumsraten in osteuropäischen Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder der Slowakei, im Gegensatz zu höheren Mieterraten in Ländern wie Österreich, Deutschland und Frankreich.

Textfassung

Das Diagramm zeigt den Wohnstatus in den EU-Mitgliedstaaten, mit dem Bevölkerungsanteil in jedem Land für vier Kategorien von Wohnsituationen:

Eigentümer, keine ausstehenden Hypotheken oder Immobiliendarlehen: Dies zeigt den Anteil der Menschen, die ihre Wohnung vollständig besitzen, ohne Hypothek oder Darlehen. Hierbei hat Rumänien den höchsten Anteil mit 92,8 %.

Eigentümer, mit Hypothek oder Darlehen: Dies ist die Kategorie der Menschen, die ihre Wohnung besitzen, aber eine ausstehende Hypothek oder ein Darlehen haben. In den Niederlanden haben 58 % der Wohneigentümer eine Hypothek.

Mieter, Miete zum Marktpreis: Dies ist der Anteil der Menschen, die eine Miete zum Marktpreis zahlen. In Deutschland zahlen 46,9 % der Menschen den Marktpreis, während es in Bulgarien nur 2,4 % sind.

Mieter, ermäßigte oder kostenlose Miete: Diese Kategorie zeigt den Anteil der Menschen, die eine ermäßigte Miete zahlen oder mietfrei wohnen. Dies gilt beispielsweise für 21,9 % der Menschen in Frankreich, aber nur 0,6 % in Schweden.

Damit sollen die Unterschiede zwischen Wohneigentum und Mieterstatus in der EU aufgezeigt werden, unter Hervorhebung der höheren Wohneigentumsraten in osteuropäischen Ländern wie Rumänien und Bulgarien und höherer Mieteranteile in Ländern wie Kroatien und Ungarn.

Ein EU-Plan für erschwinglichen Wohnraum

Die Wohnungspolitik liegt in der Verantwortung der Mitgliedstaaten, da die EU in diesem Bereich über keine Zuständigkeit verfügt. Die regionalen und lokalen Gebietskörperschaften spielen oft eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der Wohnungskrise, da sie für die Umsetzung der wohnungspolitischen Maßnahmen, für die Verwaltung der Raumplanungs- und Flächenwidmungsvorschriften sowie für die Bereitstellung erschwinglicher Wohnraumlösungen, die gemeinschaftsspezifischen Bedürfnissen entsprechen, zuständig sind.

Die Folgen der Wohnraumkrise erstrecken sich jedoch über die gesamte wirtschaftliche und soziale Landschaft Europas. Steigende Wohnkosten beeinträchtigen die Arbeitskräftemobilität, beschränken den Zugang zu Arbeitsplätzen und Bildung und tragen zu Ungleichheiten zwischen Regionen und sozialen Gruppen bei. Aufgrund dieser grenzüberschreitenden Auswirkungen ist dieses Thema eindeutig von EU-weiter Bedeutung.

Die Führungsspitzen der EU sind sich dessen bewusst und haben auf der Tagung des Europäischen Rates vom Oktober 2025 die Wohnraumsituation erörtert. Dabei haben sie die Europäische Kommission ersucht, einen Plan für erschwinglichen Wohnraum vorzulegen, der die Bemühungen der Mitgliedstaaten in diesem Bereich unterstützen soll. Die Kommission wird den europäischen Plan für erschwinglichen Wohnraum voraussichtlich im Dezember 2025 veröffentlichen.

Der dänische Vorsitz hat bereits Schlussfolgerungen zu dem künftigen Plan vorgelegt, die von 26 Mitgliedstaaten gebilligt wurden. Darin werden insbesondere vier Schwerpunktbereiche hervorgehoben: Finanzierung, Bau und Nachhaltigkeit, Planung sowie soziale Inklusion.

Am 29. Juni 2026 forderte der Rat die politischen Entscheidungsträger auf, das Zusammenspiel zwischen dem Wohnraumbedarf und demografischen Entwicklungen wie der Alterung der Bevölkerung, der schrumpfenden Haushaltsgröße und der Landflucht zu berücksichtigen. Es wurde auf den vielschichtigen und generationenübergreifenden Charakter der Wohnungskrise in Europa und ihre Auswirkungen auf Aspekte wie Zusammenhalt, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit hingewiesen.

Collage aus einem Kilowattstundenzähler und einem Diagramm mit drei leicht aufsteigenden Linien und einer deutlich absteigenden Linie.
Wie hat die EU auf die Energiekrise 2022 reagiert?

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Letzte Überprüfung: 29. Juni 2026