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Wie die EU Minderjährige im Internet schützt

Das Internet spielt im Leben von Kindern und Jugendlichen in der gesamten EU eine immer wichtigere Rolle. Die EU und ihre Mitgliedstaaten setzen sich dafür ein, sie vor den Risiken der Online-Welt zu schützen.

Maßnahmen der EU zum Schutz Minderjähriger im Internet

Die EU und ihre Mitgliedstaaten arbeiten zusammen, um Minderjährige im digitalen Umfeld im Einklang mit den Werten und Grundsätzen der EU zu schützen.

Zu den jüngsten Initiativen gehören:

  • Vorschriften zur Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch im Internet,
  • das Gesetz über digitale Dienste – mit dem gegen schädlicher Online-Inhalte vorgegangen wird,
  • eine EU-weite App zur Altersüberprüfung,
  • Schlussfolgerungen zu einem sichereren digitalen Umfeld.

Neue Vorschriften zur Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch im Internet

Die Vertreterinnen und Vertreter der EU-Mitgliedstaaten haben sich auf den Standpunkt des Rates zu einer Verordnung zur Prävention und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern geeinigt. Mit der Annahme des neuen Gesetzes sind Digitalunternehmen verpflichtet, die Verbreitung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs und die Kontaktaufnahme zu Kindern zu verhindern.

Anbieter von Internetdiensten müssen Inhalte entfernen und den Zugang zu diesen sperren oder – im Fall von Suchmaschinen – Suchergebnisse streichen. Mit der Verordnung wird auch eine neue EU-Agentur, das EU-Zentrum für die Prävention und Bekämpfung sexuellen Kindesmissbrauchs, geschaffen, um die Mitgliedstaaten und Online-Anbieter bei der Umsetzung der Vorschriften zu unterstützen.

Der Rat und das Parlament haben sich auch auf strengere strafrechtliche Vorschriften über den sexuellen Missbrauch und die sexuelle Ausbeutung von Kindern geeinigt. Beispielsweise werden nach den neuen Vorschriften Zahlungen für den Zugang zu Livestreaming von sexuellem Kindesmissbrauch unter Strafe gestellt. Darüber hinaus wird die Gestaltung oder Anpassung von KI-Systemen, um Darstellungen von sexuellem Kindesmissbrauchs zu erzeugen, sowie die Verbreitung solcher Systeme als Straftat gelten. Diese Aktualisierung war angesichts der Tatsache erforderlich, dass Deepfakes oder KI-generierte Missbrauchsdarstellungen immer öfter in Umlauf sind.

Gesetz über digitale Dienste: Bekämpfung schädlicher Inhalte im Internet

Die EU hat auch das Gesetz über digitale Dienste angenommen, um die Verbreitung schädlicher Online-Inhalte zu bekämpfen, die sich negativ auf das psychische und emotionale Wohlbefinden und die Entwicklung von Minderjährigen auswirken können.

Nach dem Gesetz über digitale Dienste müssen Online-Plattformen Maßnahmen ergreifen, um die Nutzerinnen und Nutzer besser zu schützen und schädliche Inhalte wie Cybermobbing, Hetze oder den Verkauf illegaler Produkte entfernen.

Die Überarbeitung der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste wird sich auch mit der Sicherheit Minderjähriger im Internet befassen. Im Mai 2025 billigte der Rat Schlussfolgerungen, in denen Schwerpunktbereiche aufgezählt werden, die von der Europäischen Kommission erwartet werden; auch ein Abschnitt über den Schutz Minderjähriger ist darin enthalten.

Ansatz der EU bei der Altersüberprüfung

Die EU hat eine europäische App zur Altersüberprüfung eingeführt, die Online-Plattformen dabei helfen soll, das Alter ihrer Nutzerinnen und Nutzer zu überprüfen, wenn diese Websites mit gesetzlicher Altersbeschränkung besuchen.

Die Nutzerinnen und Nutzer müssen die App herunterladen, sich mit ihrem Reisepass oder Personalausweis anmelden und die App verwenden, um ihr Alter beim Zugang zu Online-Diensten nachzuweisen. Die App wurde nach den weltweit höchsten Datenschutzstandards entwickelt und ermöglicht es den Nutzerinnen und Nutzern, ihr Alter anonym nachzuweisen, ohne weitere personenbezogene Daten preiszugeben.

Schlussfolgerungen zu einem sichereren digitalen Umfeld

In den im Juni 2025 angenommenen Schlussfolgerungen forderte der Rat eindringlich zu Maßnahmen auf, um sicherzustellen, dass Kinder und Jugendliche digitale Instrumente auf sichere und gesunde Weise nutzen können, ohne ihre psychische Gesundheit zu gefährden.

Zu den Maßnahmen gehören

  • enge Zusammenarbeit mit den wichtigsten Interessenträgern, um ein sichereres digitales Umfeld zu schaffen,
  • Sensibilisierung für die Risiken des digitalen Umfelds und die Vorteile eines späteren Zugangs zu oder einer schrittweisen Einführung von digitalen Tools,
  • Kampagnen zur Förderung der Medienkompetenz und der digitalen Kompetenz von Kindern und Jugendlichen,
  • bessere Gestaltung digitaler Produkte zur Förderung von Sicherheit und Datenschutz,
  • Verbesserung der Meldemechanismen zur Bekämpfung von sexueller Ausbeutung im Internet.

Wofür Minderjährige das Internet nutzen

Das Internet ist für alle, jedoch besonders für junge Menschen, zu einem zentralen Bestandteil des täglichen Lebens geworden. Der Europäischen Kommission zufolge verbringen Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren durchschnittlich 3 Stunden pro Tag am Bildschirm und mit sozialen Medien.

Im Jahr 2024 nutzten 98 % der 16- bis 17-Jährigen in der EU – gegenüber 88 % der Gesamtbevölkerung – das Internet täglich. Zu den beliebtesten Online-Aktivitäten von 16- bis 17-Jährigen gehören:

  • Nachrichten schreiben,
  • Fernsehsendungen oder Videos-streamen,
  • Telefonieren oder Videoanrufe,
  • Aktivitäten in Sozialen Netzwerken nutzen,
  • Videos aus kommerziellen Diensten oder Video-Sharing-Diensten ansehen,
  • Musik hören oder herunterladen.

Soziale Medien als wichtigste Informationsquelle für politische und soziale Themen

Aus einer Umfrage des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 2024 geht hervor, dass soziale Medien, noch vor traditionellen Medien wie Fernsehen und Online-Nachrichten, die wichtigste Informationsquelle für politische und soziale Themen für 16- bis 18-Jährige sind. Im Gegensatz dazu bevorzugen 25- bis 30-Jährige nach wie vor das Fernsehen gegenüber sozialen Medien oder nutzen Online-Nachrichten als Hauptinformationsquelle.

Textfassung

Diagramm, aus dem hervorgeht, welche Informationsquellen für politische und soziale Themen von Personen im Alter von 16-18, 19-24 und 25-30 Jahren verwendet werden.

Soziale Medien:

von 45 % der 16- bis 18-Jährigen und der 19- bis 24-Jährigen sowie von 39 % der 25- bis 30-Jährigen angegeben.

Fernsehen:

von 39 % der 16- bis 18-Jährigen, 38 % der 19- bis 24-Jährigen sowie 41 % der 25- bis 30-Jährigen angegeben.

Online-Zeitungen und/oder Nachrichtenplattformen:

von 21 % der 16- bis 18-Jährigen, 25 % der 19- bis 24-Jährigen sowie 30 % der 25- bis 30-Jährigen angegeben.

Freunde, Familie und Kolleginnen und Kollegen:

von 29 % der 16- bis 18-Jährigen, 26 % der 19- bis 24-Jährigen sowie 33 % der 25- bis 30-Jährigen angegeben.

Videoplattformen:

von 23 % der 16- bis 18-Jährigen, 24 % der 19- bis 24-Jährigen sowie 23 % der 25- bis 30-Jährigen angegeben.

Rundfunk:

von 13 % der 16- bis 18-Jährigen, 14 % der 19- bis 24-Jährigen sowie 19 % der 25- bis 30-Jährigen angegeben.

Printmedien:

von 10 % der 16- bis 18-Jährigen, 12 % der 19- bis 24-Jährigen sowie 13 % der 25- bis 30-Jährigen angegeben.

von 10 % der 16- bis 18-Jährigen, 12 % der 19- bis 24-Jährigen sowie 13 % der 25- bis 30-Jährigen angegeben.

Risiken für Kinder und Jugendliche im digitalen Umfeld

Eurostat zufolge waren im Jahr 2023 45 % der 16- bis 19-Jährigen in der EU mit feindseligen oder herabwürdigenden Online-Nachrichten konfrontiert. Allein in diesem Jahr gab es laut der Europäischen Kommission 1,3 Millionen Meldungen von sexuellem Kindesmissbrauch in der EU; dabei wurden mehr als 3,4 Millionen Bilder bzw. Videos gemeldet.

Das Internet bietet Kindern und Jugendlichen viele Vorteile, wie etwa den Zugang zu Informationen und Bildungsressourcen, Unterhaltung und die Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu bleiben. Sie sind dabei jedoch auch erheblichen Risiken ausgesetzt, die schwerwiegende Folgen für ihr psychisches und emotionales Wohlbefinden haben können; Beispiele wären sexueller Missbrauch im Internet, Cybermobbing oder die Exposition gegenüber unangemessenen Inhalten.

Sexueller Missbrauch im Internet

Kontaktaufnahme zu Minderjährigen für Zwecke der sexuellen Ausbeutung und die Erstellung, die Weitergabe oder der Besitz von Darstellungen von sexueller Ausbeutung von Kindern.

Cybermobbing

Drohungen oder die Verbreitung falscher Informationen, um Personen zu verängstigen, bloßzustellen oder zu verärgern.

Schädliche Inhalte

Hetze, Fake News oder die Triggern von Selbstverletzung.

Nicht altersgerechte Inhalte

Pornografie, Glücksspiel oder Inhalte im Zusammenhang mit Alkohol.

Suchterzeugendes oder manipulatives Design

Features wie Endlosscrollen, Autoplay und Benachrichtigungen, die nahelegen, etwas werde „versäumt“, und die darauf ausgelegt sind, Minderjährige an die Anwendung zu binden.

Schädliche Geschäftspraktiken

Irreführende Werbung, „Pay-to-Win“-Systeme, Loot Boxes (virtuelle Artikel in Spielen, die Spieler mit echtem Geld kaufen können).

Cybermobbing und sexueller Missbrauch im Internet können verheerende Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche haben, beispielsweise Traumata, Angstzustände, Depressionen und mangelndes Selbstwertgefühl. Die Opfer sind insbesondere Mädchen  – und das nicht selten bereits ab dem Zeitpunkt, zu dem sie beginnen, digitale Technologien und soziale Medien zu nutzen.

Das Aufdecken von Falschmeldungen oder nicht altersgerechten Inhalten wie Pornografie oder Glücksspiel kann ihre Wahrnehmung der Welt und ihre Vorstellung von gesunden Verhaltensweisen und Beziehungen verzerren und Angst und Verwirrung hervorrufen.

Suchterzeugende oder manipulative Features wie Endlosscrollen oder Autoplay erschweren es Kindern und Jugendlichen, gesunde digitale Gewohnheiten zu entwickeln, die sich auf ihre schulische Leistung und ihre sozialen Interaktionen auswirken können.

Schließlich können schädliche Geschäftspraktiken wie irreführende Werbung oder „Pay-to-Win“-Systeme Sucht auslösen und ungesunde Ausgabengewohnheiten fördern.

Mehr dazu:

Links im Bild ein modernes Bürohochhaus in einem Netz pinker Verbindungen, rechts mehrere Menschen, die stehen, gehen oder Fotos machen, in der Mitte ein blaues Haken-Symbol.
Gesetz über digitale Dienste: Bekämpfung schädlicher Inhalte im Internet

Gesetz über digitale Dienste: Bekämpfung schädlicher Inhalte im Internet

Wissenschaftler in Laborkitteln diskutieren miteinander, während ein Programmierer an einem Laptop arbeitet. Über ihm befinden sich Symbole für künstliche Intelligenz und Übersetzung sowie eine Darstellung eines Gehirns.
Verordnung über künstliche Intelligenz

Verordnung über künstliche Intelligenz

Ein pastellfarbenes Windrad aus Papier vor einem blassen Hintergrund.
Prävention des sexuellen Missbrauchs von Kindern

Prävention des sexuellen Missbrauchs von Kindern

Letzte Überprüfung: 4. August 2026