Tourismusindustrie
Im Einklang mit ihren Zielen, zu denen der ökologische und der digitale Wandel ebenso gehören wie die Förderung von Innovation, sozialem Zusammenhalt und dem Schutz des Kulturerbes, arbeitet die EU daran, einen nachhaltigeren und wettbewerbsfähigeren Tourismussektor aufzubauen.
Die Tourismusbranche in Zahlen
Europa ist das weltweit führende Reiseziel und empfängt jedes Jahr Millionen von Gästen. Im Jahr 2024 zog die Europäische Union 758 Millionen Besucherinnen und Besucher an. Damit war sie das Reiseziel von 38 % aller Touristen weltweit – ein erheblicher Wirtschaftsfaktor.
2024 stand die Tourismusbranche für rund 10 % des BIP der EU, 10 % der Arbeitsplätze und 4,6 Millionen Unternehmen, 99 % davon kleine und mittlere Unternehmen.
Somit ist der Tourismus ein strategisch wichtiger Industriezweig für die EU, der zu ihrer allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit beiträgt.
Unausgewogener Tourismus
Die Millionen von Besucherinnen und Besuchern, die die EU jedes Jahr empfängt, verteilen sich jedoch nicht gleichmäßig auf die Mitgliedstaaten oder auf ihre Regionen und Städte. 60 % der Übernachtungen entfallen auf vier EU-Länder: Spanien, Frankreich, Deutschland und Italien.
Die geografische und saisonale Konzentration der Touristenströme stellt eine echte Herausforderung für den Tourismussektor dar, da einige Reiseziele unter Druck geraten („Übertourismus“), während anderswo Möglichkeiten ungenutzt bleiben („Untertourismus“).
Darüber hinaus werden in einigen Regionen Infrastruktur, Wohnraum und Ressourcen durch die steigende Zahl von Touristen belastet, was zu Wasserstress, Verlust an biologischer Vielfalt und Umweltverschmutzung führen kann.
Diese Risiken untergraben langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismus, seine Akzeptanz durch die lokalen Gemeinschaften und das kulturelle Erbe.
Der Tourismussektor steht auch vor einer Reihe zusätzlicher Herausforderungen.
Auswirkungen des Klimawandels
Der Tourismussektor ist zunehmend vom Klimawandel, auch extremen Wetterereignissen, betroffen, was systemische Risiken für die wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit birgt.
Arbeitskräftemangel
Gastgewerbe und Tourismus begegnen einem strukturellen Arbeitskräftemangel und strukturellen Qualifikationslücken, was den Sektor insgesamt weniger attraktiv macht.
Rasante technologische Entwicklungen
Künstliche Intelligenz sowie Datensammlung und -analyse können sowohl Reisezielen als auch Reisenden neue Möglichkeiten eröffnen.
Geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheit
Der Tourismus gehört zu den Sektoren, die externen Schocks am stärksten ausgesetzt sind, was sich auf das Vertrauen der Reisenden und oftmals auf ihre Mobilität auswirkt.
Ein nachhaltigerer und wettbewerbsfähigerer EU-Tourismussektor
Am 28. Mai 2026 hat der Rat Schlussfolgerungen zum Aufbau eines nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Tourismussektors für die Zukunft angenommen. Sieben Bereiche stehen dabei im Mittelpunkt:
- Lokale Gemeinschaften und soziale Gerechtigkeit
- Konnektivität und nachhaltige Mobilität
- Grüner Wandel und Klimawandel
- Digitaler Wandel, Daten und Innovation
- Kompetenzen und hochwertige Beschäftigung
- Resilienz, adaptives Management und Krisenvorsorge
- Multi-Level-Governance
Ausgewogener Tourismus
Der Rat unterstreicht, dass Reisezielen in Randlage, ländlichen Reisezielen, Reisezielen in Insellage oder Bergregionen sowie entlegenen Reisezielen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss, um die regionale Ausgewogenheit zu stärken und das Tourismuspotenzial dieser Reiseziele zu erschließen – auch durch nationale und regionale Maßnahmen und die Kohäsionspolitik.
Einbeziehung lokaler Gemeinschaften
Der Rat fordert die Mitgliedstaaten auf, lokale Gemeinschaften stärker einzubeziehen und soziale Gerechtigkeit zu fördern, indem sie unter anderem
- dafür sorgen, dass Einheimische, lokale Gemeinschaften, Kleinstunternehmen und Tourismusverbände sinnvoll an der Gestaltung und Umsetzung von Tourismusstrategien beteiligt werden
- Tourismusmodelle fördern, bei denen Vorteile fair verteilt werden, die lokale Kultur geachtet wird und unbeabsichtigte negative Effekte für Einheimische vermieden werden
Nachhaltige und multimodale Mobilität
Der Rat betont, wie wichtig zugängliche, erschwingliche, nachhaltige, multimodale und grenzüberschreitende Verkehrslösungen – insbesondere für weniger bekannte und abgelegene Gebiete – sowie der Abbau von Hindernissen für den freien Verkehr sind.
Dies wird dazu beitragen, die Umweltauswirkungen des Verkehrssektors zu verringern und nahtloses Reisen zu gewährleisten, wovon sowohl Touristen als auch Einheimische profitieren können.
Den grünen Wandel beschleunigen
Die Beschleunigung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen, der Schutz der biologischen Vielfalt und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme sind unerlässlich, um die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit von Reisezielen zu erhalten.
Dazu befürwortet der Rat unter anderem
- regenerativere Ansätze für den Tourismus, die sowohl der natürlichen Umwelt als auch den Reisezielen zugutekommen
- ressourceneffiziente, CO2-arme und kreislauforientierte Geschäftsmodelle in der Tourismusbranche
- das Management von Touristenströmen und die Förderung von Tourismusprodukten, die den Auswirkungen des Klimawandels besser standhalten
- die Berücksichtigung des Infrastruktur-Anpassungsbedarfs, des Schutzes der Küstengebiete und der Meeresumwelt sowie des Verkehrs in Gebieten, die den mit dem Klimawandel verbundenen Risiken in hohem Maße ausgesetzt sind
Digitaler Instrumente und Daten besser nutzen
Ein datengesteuertes Destinationsmanagement und innovative Tourismuspraktiken sind von entscheidender Bedeutung für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Resilienz der Tourismusbranche.
Der Rat unterstützt daher die Entwicklung innovativer Reisetechnologie- und KI-Dienste und die Nutzung von Daten, um Tourismusströme zu antizipieren, zu steuern und zu planen sowie um wirtschaftliche, soziale und ökologische Auswirkungen zu messen.
Kompetenzen und Arbeitsplatzqualität erhöhen
Hochwertige Arbeitsplätze, angemessene Arbeitsbedingungen und die Entwicklung von Kompetenzen sind für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit des Tourismussektors von entscheidender Bedeutung.
In diesem Zusammenhang fördert der Rat unter anderem folgende Maßnahmen:
- lebenslanges Lernen, Weiterbildung und Umschulung von Beschäftigten und Arbeitsuchenden im Tourismus
- Instrumente zur Förderung von Kompetenzen und Arbeits- und Fachkräftemobilität im Tourismus
- Instrumente zur Analyse und Prognose saisonaler und geografischer Beschäftigungsmuster
- EU-weite Vermittlungsdienste zur Bewältigung von saisonaler Nachfrage und Beschäftigungslücken
Krisenvorsorge und -reaktion stärken
Da der Tourismus zu den Sektoren gehört, die externen Schocks am stärksten ausgesetzt sind, ist die kollektive Fähigkeit zur raschen und wirksamen Reaktion für die weitere Entwicklung des Sektors von entscheidender Bedeutung.
Der Rat empfiehlt daher
- die Entwicklung einer strukturierten Risikobewertung und -prävention und Notfallplanung und von Frühwarnsystemen sowie die Verbesserung der Krisenkommunikation
- die Nutzung von Echtzeitdaten und Überwachungssystemen zum Management von Touristenströmen und Tagesgästen und die verstärkte Diversifizierung touristischer Produkte
- die Unterstützung von Reisezielen im Hinblick auf den Aufbau von Resilienz und sozialer Nachhaltigkeit
Weitere Informationen
Verbraucherschutz: Reiserechte
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Letzte Überprüfung: 28. Mai 2026