Im Fokus: Arbeit über digitale Plattformen in der EU
Die EU hat Vorschriften zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Plattformbeschäftigten erlassen, indem gegen die falsche Einstufung vorgegangen und die Transparenz verbessert wird sowie personenbezogene Daten geschützt werden.
Die Arbeitsbedingungen in der digitalen Wirtschaft verbessern
Bei Arbeit über digitale Plattformen handelt es sich um eine vergleichsweise neue Art des Arbeitens, bei der eine Online-Plattform, z. B. eine Website oder eine App, für die von Verbrauchern nachgefragte Dienstleistung eine Einzelperson vermittelt, die diese Dienstleistung gegen Bezahlung erbringt.
Mit der neuen Richtlinie wird das Ziel verfolgt, die Arbeitsbedingungen von Menschen, die über digitale Plattformen arbeiten, zu verbessern und zugleich die Chancen und Vorteile der Plattformwirtschaft zu bewahren.
Am 13. Dezember 2023 haben der Rat und das Europäische Parlament eine vorläufige Einigung über die vorgeschlagene Richtlinie erzielt. Der Rat hat die neuen Vorschriften am 14. Oktober 2024 angenommen.
Mit der neuen Richtlinie wird gegen die falsche Einstufung von Plattformbeschäftigten vorgegangen und der Weg dafür geebnet, dass diese Beschäftigten als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer neu eingestuft werden, wodurch ihnen der Zugang zu den Rechten, die ihnen als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach EU-Recht zustehen, erleichtert wird. Durch die neuen Vorschriften wird auch der Schutz der personenbezogenen Daten von Plattformbeschäftigten verbessert und die Transparenz in Bezug auf die Nutzung von Algorithmensystemen für Entscheidungen am Arbeitsplatz vergrößert.
Welche Aufgabe führen die Plattformbeschäftigten aus?
Menschen, die über digitale Arbeitsplattformen arbeiten, führen gegen Bezahlung Tätigkeiten für Verbraucherinnen und Verbraucher aus. Über die digitalen Plattformen wird zwischen beiden vermittelt und die geleistete Arbeit organisiert.
Wie viele Plattformbeschäftigte gibt es und welchen beruflichen Hintergrund haben sie?
In der EU gibt es 28,3 Millionen Menschen, die über digitale Plattformen arbeiten; sie machen somit einen beachtlichen Anteil an der Erwerbsbevölkerung aus, ähnlich dem der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe (29 Millionen Beschäftigte). Es wird erwartet, dass diese Zahl rasch ansteigt.
Erwarteter Anstieg der Zahl der über digitale Plattformen Beschäftigten (2022–2025)
Erwarteter Anstieg der Zahl der über digitale Plattformen Beschäftigten
(2022–2025)
2022 - 28,3 Millionen
2025 - 43 Millionen
(52 % Wachstum)
Plattformbeschäftigte sind häufig männlich und jung, die meisten sind für die Arbeit, die sie verrichten, überqualifiziert (die Mehrheit verfügt über einen postsekundären Abschluss), wobei die Plattformarbeit im Allgemeinen eine zweite Einkommensquelle neben ihrer regulären Arbeit darstellt.
Für die Erbringung der Dienste erforderliches Qualifikationsniveau
Für die Erbringung der Dienste erforderliches Qualifikationsniveau
- 70 % niedrig
- 20 % niedrig bis mittel sowie mittel
- 6 % hoch
- 4 % alle
Welche Tätigkeiten führen sie aus und für wen?
Taxi-Fahren ist in Europa die am häufigsten durch Plattformbeschäftigte durchgeführte Tätigkeit.
Einkommen der Menschen, die über Plattformen arbeiten, nach erbrachten Diensten:
Einkommen der Menschen, die über Plattformen arbeiten, nach erbrachten Diensten:
— Taxi 39 %
— Lieferdienste: Essensauslieferung, Umzugsdienste, Lebensmittellieferungen 24 %
— häusliche Dienste: Reinigung, Handwerk 19 %
— Fachdienstleistungen: Rechnungswesen 7 %
— freiberufliche Tätigkeiten: Grafikdesign, Fotobearbeitung 6 %
— Betreuungsdienste: Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung 3 %
— Mikrotasks: Objektkategorisierung, Tagging 2 %
Kundenprofile
Die meisten Dienstleistungen werden für Einzelkunden erbracht, wobei mehr als 80 % der Kunden in diese Kategorie fallen.
Sind sie angestellt oder freiberuflich tätig?
In der EU sind etwa fünf Millionen Plattformbeschäftigte falsch eingestuft.
Damit gewährleistet ist, dass Plattformbeschäftigte die ihnen zustehenden Arbeitsrechte in Anspruch nehmen können, muss ihr Beschäftigungsstatus richtig eingestuft sein. Beschäftigten, die fälschlicherweise als Selbstständige eingestuft wurden, stehen nicht dieselben Rechte und derselbe Schutz zu wie Angestellten.
Etwa 55 % der Plattformbeschäftigten verdienen weniger als den Nettomindestlohn pro Stunde in dem Land, in dem sie arbeiten (sofern dort vorhanden).
Dabei ist 41 % der Zeit, die sie der Plattformarbeit widmen, unbezahlt (z. B. Rechercheaufgaben, Warten auf Aufträge, Prüfung von Inseraten usw.).
Beschäftigungsstatus der 28,3 Millionen Plattformbeschäftigten
Beschäftigungsstatus der 28,3 Millionen Plattformbeschäftigten
- 93 % (= 26,3 Millionen) sind selbstständig (Anmerkung: Von diesen sind etwa 19 % (= 5 Millionen) wahrscheinlich nicht korrekt eingestuft)
- 7 % (= 2 Millionen) Angestellte
Letzte Überprüfung: 8. Mai 2025