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Verordnung zu kritischen Rohstoffen

Die neuen Vorschriften zu kritischen Rohstoffen werden es der EU ermöglichen, ihre Einfuhrquellen zu diversifizieren und die Gewinnung, die Verarbeitung und das Recycling in den Mitgliedstaaten zu steigern.

Warum braucht die EU eine Verordnung zu kritischen Rohstoffen?

Die Nachfrage der EU nach unedlen Metallen, Batteriematerialien, Seltenen Erden und weiteren Materialien wird exponentiell wachsen, da die EU zunehmend von fossilen Brennstoffen zu sauberen Energiesystemen übergeht, die mehr Mineralien benötigen.

Mit dem grünen Wandel der EU wird eine lokale Produktion von Batterien, Solarpaneelen, Dauermagneten und anderen sauberen Technologien aufgebaut werden müssen. Um die entsprechende Nachfrage zu decken, muss ein größtmöglicher Zugang zu einer Reihe von Rohstoffen geschaffen werden.

Darüber hinaus sind kritische Rohstoffe für die EU in folgenden Bereichen wichtig:

Industrielle Wertschöpfungsketten

Nichtenergetische Rohstoffe sind in allen Industrien auf allen Stufen der Lieferkette zu finden.

Strategische Technologien, z. B. im Raumfahrt- und Verteidigungssektor

Technologischer Fortschritt und eine Verbesserung der Lebensqualität hängen von einer immer größer werdenden Vielzahl von Rohstoffen ab.

Klima, Energie und Umwelt

Saubere Technologien benötigen Rohstoffe, die in Solarpaneelen, Windturbinen, Elektrofahrzeugen und energieeffizienter Beleuchtung unverzichtbar sind.

Die lokale Produktion ist von entscheidender Bedeutung für die Umstellung der Energie- und Mobilitätssysteme der EU, die u. a. durch den REPowerEU-Plan und die Emissionsziele der EU für die Automobilindustrie für 2035 gefördert wird.

Die EU-Verordnung zu kritischen Rohstoffen

Im März 2024 hat der Rat die europäische Verordnung zu kritischen Rohstoffen angenommen, denn die Nachfrage nach Seltenen Erden dürfte in den kommenden Jahren exponentiell zunehmen.

Kritische Rohstoffe sind Rohstoffe von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die EU, bei denen aufgrund der Konzentration ihrer Bezugsquellen und des Mangels an guten, erschwinglichen Ersatzstoffen ein hohes Risiko von Versorgungsunterbrechungen besteht.

Die Verordnung zielt auf Folgendes ab:

  • Verbesserung und Diversifizierung der Versorgung der EU mit kritischen Rohstoffen
  • Stärkung der Kreislauffähigkeit, einschließlich des Recyclings
  • Unterstützung von Forschung und Innovation im Zusammenhang mit Ressourceneffizienz und Entwicklung von Ersatzstoffen

Die neuen Vorschriften werden auch die strategische Autonomie Europas stärken.

Was sind Rohstoffe und wofür werden sie verwendet?

Metalle, Mineralien und Naturmaterialien gehören zu unserem täglichen Leben. Die wirtschaftlich wichtigsten Rohstoffe mit hohem Risiko bezüglich Versorgungssicherheit werden als kritische Rohstoffe bezeichnet.

Kritische Rohstoffe sind von entscheidender Bedeutung für die Funktionsfähigkeit und Integrität zahlreicher industrieller Ökosysteme.

34 kritische Rohstoffe

Einige Sektoren sind für die Ziele der EU in den Bereichen erneuerbare Energien, Digitalisierung sowie Raumfahrt und Verteidigung von besonderer strategischer Bedeutung.

Von den 34 ermittelten kritischen Rohstoffen wurden diejenigen auf eine Liste spezifischer strategischer Rohstoffe* gesetzt, in deren Fall die Nachfrage exponentiell wachsen dürfte und deren Produktion sehr aufwendig ist, weshalb bei ihnen ein größeres Risiko von Versorgungsengpässen besteht (siehe unten die 17 strategisch wichtigen Rohstoffe in gelb).

Diese Liste wird regelmäßig überprüft.

Textfassung
  1. Aluminium/Bauxit/Aluminiumoxid
  2. Kokskohle
  3. Lithium
  4. Phosphor
  5. Antimon
  6. Feldspat
  7. Leichte Seltene Erden*
  8. Scandium
  9. Arsen
  10. Flussspat
  11. Magnesium
  12. Siliciummetall
  13. Baryt
  14. Gallium
  15. Mangan
  16. Strontium
  17. Beryllium
  18. Germanium
  19. Graphit
  20. Tantal
  21. Bismut
  22. Hafnium
  23. Niob
  24. Titanmetall
  25. Bor
  26. Helium
  27. Metalle der Platingruppe
  28. Wolfram
  29. Kobalt
  30. Schwere Seltene Erden*
  31. Phosphorit
  32. Vanadium
  33. Kupfer
  34. Nickel

*Strategische Rohstoffe unter den schweren Seltenen Erden und den leichten Seltenen Erden: Nd, Pr, Tb, Dy, Gd, Sm und Ce

Wofür werden kritische Rohstoffe verwendet?

Kritische Rohstoffe kommen überall zum Einsatz. Ohne kritische Rohstoffe könnten die meisten Bereiche der Gesellschaft nicht funktionieren, da sie in vielen Alltagsgegenständen sowie in Produkten zu finden sind, die für die Wirtschaft jedes Mitgliedstaats von wesentlicher Bedeutung sind, etwa Smartphones, Elektroautos, Windturbinen, Pflanzendünger und Luftfahrzeuge.

Ein Smartphone.

Vibrationstechnologie in Mobiltelefonen = Wolfram

Ein Elektroauto.

Elektrofahrzeuge = Lithium, Kobalt und Nickel

Eine Windturbine.

Windturbinen = Bor

Geopolitische Aspekte bei der Beschaffung kritischer Rohstoffe

Kritische Rohstoffe werden größtenteils aus Ländern außerhalb der EU beschafft. Die EU wird zwar niemals autark sein, ist aber bestrebt, ihre Versorgung zu diversifizieren.

Derzeit ist die EU bei bestimmten kritischen Rohstoffen ausschließlich von einem einzigen Land abhängig:

  • Aus China bezieht die EU 100 % ihres Bedarfs an schweren Seltenen Erden,
  • aus der Türkei bezieht die EU 99 % ihres Bedarfs an Bor und
  • aus Südafrika bezieht die EU 71 % ihres Bedarfs an Platin.

Seit 2024 haben Ausfuhrbeschränkungen in Drittländern für Seltene Erden und andere kritische Rohstoffe die Dringlichkeit der Diversifizierungsstrategie der EU verstärkt.

China hat zum Beispiel in den letzten drei Jahren eine Reihe von Ausfuhrkontrollmaßnahmen eingeführt, die kritische Rohstoffe wie Gallium, Wolfram, Bismut und Seltene Erden, aber auch Endprodukte wie Batterien oder Ausrüstung für die Verarbeitung Seltener Erden betreffen.

Parallel dazu haben andere globale Akteure ihre Maßnahmen verstärkt, um ihren Industrien den Zugang zu kritischen Rohstoffen zu sichern, indem sie Projekte im Bereich kritische Rohstoffe finanzieren und ihre Versorgung durch Partnerschaften diversifizieren.

Wichtigste Lieferanten kritischer Rohstoffe an die EU:

Textfassung

Weltkarte der wichtigsten Lieferanten kritischer Rohstoffe an die EU: China ist sowohl weltweit größter Lieferant als auch der größte Lieferant der EU für die meisten kritischen Rohstoffe, darunter Baryt, Bismut, Gallium, Germanium, Magnesium, natürlicher Grafit, alle Seltenen Erden (schwere und leichte Seltene Erden), Wolfram und Vanadium.

China ist zwar nach wie vor ein Hauptlieferant der EU, bei einer Reihe von kritischen Rohstoffen befinden sich die Bezugsquellen jedoch innerhalb der EU. So werden Kokskohle und Kupfer aus Polen bezogen, Arsen aus Belgien, Hafnium aus Frankreich, Strontium aus Spanien oder Nickel aus Finnland.

Stärkung der Eigenständigkeit

Um die Abhängigkeit von Drittländern beim Zugang zu kritischen Rohstoffen zu verringern, hat sich die EU für 2030 folgende Ziele gesetzt.

Deckung von mindestens 10 % des EU-Jahresverbrauchs durch Gewinnung in der EU.

Deckung von mindestens 40 % des EU-Jahresverbrauchs durch Verarbeitung in der EU.

Deckung von mindestens 25 % des EU-Jahresverbrauchs durch Recycling in der EU.

Höchstens 65 % des EU-Jahresverbrauchs an jedem strategischen Rohstoff in jeder relevanten Verarbeitungsstufe dürfen aus einem einzigen Drittland stammen.

Um diese Ziele zu erreichen fördert die EU Handelsmaßnahmen, darunter:

  • die Einrichtung eines Klubs für kritische Rohstoffe für alle gleich gesinnten Länder, die bereit sind, die globalen Lieferketten zu stärken
  • die Stärkung der Welthandelsorganisation
  • den Ausbau ihres Netzes von Abkommen zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen und Freihandelsabkommen
  • strengere Durchsetzungsmaßnahmen zur Bekämpfung unfairer Handelspraktiken

Strategische Projekte

Damit diese Ziele erreicht werden, hat die Kommission 60 strategische Projekte im Jahr 2025 im Rahmen der Verordnung zu kritischen Rohstoffen genehmigt, die sich auf 13 EU-Mitgliedstaaten und 13 Drittländer erstrecken.

Die Projekte decken 14 der 17 strategischen Rohstoffe ab und erstrecken sich auf die gesamte Wertschöpfungskette – von der Gewinnung und Verarbeitung bis zum Recycling.

Der Verringerung der Abhängigkeit wird Vorrang eingeräumt, wobei der Schwerpunkt auf den anfälligsten Lieferketten liegt. So wird beispielsweise die Abhängigkeit von einzelnen Ländern bei der Gewinnung Seltener Erden dank der Umsetzung ausgewählter Projekte voraussichtlich von 95 % auf 42 % zurückgehen.

Die Abhängigkeit der EU in Bezug auf Gallium (das für Halbleiter und die Verteidigungsindustrie bedeutend ist) wird von 71 % auf 17 % zurückgehen, während die EU bei Germanium bis 2030 vollständige Versorgungsunabhängigkeit erreichen könnte.

Stärkung der Versorgungssicherheit und der Kreislaufwirtschaft

Am 3. Dezember 2025 hat die Kommission den Aktionsplan „RESourceEU“ angenommen, um die Bemühungen zur Sicherung der Versorgung der EU mit kritischen Rohstoffen für wichtige Industriesektoren (wie die Automobilindustrie, KI und Verteidigung) zu beschleunigen und zu verstärken – vor dem Hintergrund, dass die Versorgung mit solchen Materialien zunehmend unter geopolitischen Gesichtspunkten betrachtet wird.

In dem Plan werden gezielte Änderungen der Verordnung zu kritischen Rohstoffen vorgeschlagen, um die Kreislaufwirtschaft zu verbessern und so die Recyclingkapazität zu erhöhen und den Sekundärmarkt für kritische Rohstoffe, insbesondere in Bezug auf Dauermagnete, zu stärken.

In dem am 4. März 2026 angenommenen Standpunkt des Rates werden die vorgeschlagenen Änderungen unterstützt. Darüber hinaus wird

  • die Kommission aufgefordert, die Mitgliedstaaten und die Leitungsorgane von Unternehmen im Falle von Versorgungsrisiken bei kritischen Rohstoffen zu unterrichten,
  • die Befugnis der Kommission präzisiert, Maßnahmen zur Risikominderung vorzuschlagen und
  • die Nutzung von Produktpässen zur Erfüllung der Informationspflichten in Bezug auf Dauermagnete ermöglicht.

Mit dem Aktionsplan „RESourceEU“ werden auch mehrere neue Instrumente eingeführt, darunter:

  • ein Europäisches Zentrum für kritische Rohstoffe
  • ein koordinierter Bevorratungsansatz
  • ein Mechanismus für die gemeinsame Beschaffung über die Plattform für Rohstoffe

Künftige Nachfrage

Mit dem Ziel der EU, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % zu senken, soll Europa bis 2050 auf verantwortungsvolle Weise klimaneutral werden.

Dazu muss der grüne und der digitale Wandel vollzogen werden, eine Dekarbonisierung des Energiesystems erfolgen und Autonomie in Bezug auf den Zugang zu und die Verarbeitung von kritischen Rohstoffen sichergestellt werden.

Nachfrage nach Rohstoffen in der Europäischen Union (Szenario mit hoher Nachfrage):

Textfassung

Die Grafik zeigt die fünf kritischen Rohstoffe, nach denen in der EU im Jahr 2020 die größte Nachfrage bestand, und stellt die voraussichtliche Nachfrage nach diesen kritischen Rohstoffen in den Jahren 2030 und 2050 dar.

So dürfte Aluminium beim Übergang Europas zu einer nachhaltigen Zukunft eine entscheidende Rolle spielen, da es Bestandteil fast aller Technologien für saubere Energie ist, die in der Netto-Null-Industrie-Verordnung priorisiert werden: z. B. von Fotovoltaik-Systemen, Windturbinen, Netztechnologien und Batterien. Für Aluminium wird zwischen 2020 und 2050 eine Zunahme um 543 % erwartet.

Die Daten stellen eine Prognose der Nachfrage nach kritischen Rohstoffen in fünf strategischen Sektoren der EU dar: erneuerbare Energien, Elektromobilität, Industrie, Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie Raumfahrt und Verteidigung.

Siehe auch

Ein blaues Fließband mit Montagerobotern vor hellgelbem Hintergrund.
Die Industriepolitik der EU

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Gasspeicher, ein Windrad, ein Wasserstoffspeicher, ein Strommast und eine Gaspipeline, die alle miteinander verbunden sind.
REPowerEU-Plan: Energiepolitik in den Aufbau- und Resilienzplänen der EU-Länder

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„Fit für 55“

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Letzte Überprüfung: 27. April 2026