Entwaldungsfreie Produkte
Gesunde Wälder sind unverzichtbar für Mensch und Umwelt. Mit EU-Vorschriften soll die weltweite Entwaldung verringert werden. Sie werden der Regelung der Einfuhr und Ausfuhr von Waren dienen, deren Erzeugung zum weltweiten Verlust von Wäldern beiträgt.
Minimierung der weltweiten Entwaldung und Waldschädigung
Die EU hat Vorschriften erlassen, um die Entwaldung und Waldschädigung, die im Zusammenhang mit dem Verbrauch bestimmter Waren in der EU steht, auf ein Minimum zu reduzieren. Mit der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (2023/1115) wird sichergestellt, dass Erzeugnisse, die auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht oder von dort ausgeführt werden, entwaldungsfrei sind und nicht von Flächen stammen, die kürzlich entwaldet oder geschädigt wurden.
Die Verordnung ist weltweit die erste ihrer Art. Sie trat im Juni 2023 in Kraft und gilt ab dem 30. Dezember 2026 für alle Marktteilnehmer und ab dem 30. Juni 2027 für Kleinst- und Kleinprimärerzeuger.
Ohne diese Vorschriften könnte die EU jährlich eine Entwaldung von mehr als 248 000 Hektar verursachen – das entspricht fast dem Gebiet Luxemburgs.
Darüber hinaus wird mit den Vorschriften
- der illegale Holzeinschlag bekämpft und
- die biologische Vielfalt und die Fähigkeit der Wälder zur Abscheidung von CO₂ geschützt.
über
Welche Waren und Erzeugnisse fallen darunter?
Die Vorschriften gelten für folgende Hauptwaren und viele ihrer Folgeerzeugnisse:
- Rinder, Kakao, Kaffee, Palmöl, Kautschuk, Soja und Holz
- daraus hergestellte Erzeugnisse wie Schokolade, Möbel, Druckpapier und ausgewählte Derivate auf Palmölbasis (z. B. als Bestandteile von Körperpflegeprodukten)
Welche der Waren verursachen am meisten Entwaldung in Verbindung mit der EU?
Ein Kreisdiagramm zur Darstellung des Anteils jeder der sieben erfassten Waren an der weltweiten Entwaldung beim Verbrauch in der EU. Palmöl verursacht mit einem Anteil von 35 % den größten Teil der von der EU verursachten Entwaldung, gefolgt von Soja (33 %), das hauptsächlich als Tierfutter verwendet wird. Holz verursacht 9 %, Kakao 8 %, Kaffee 7 %, Rinder 5 % und Kautschuk 3 %.
Europäische Kommission (2008-2017). Zahlen gerundet.
Wie funktionieren die Vorschriften?
Alle Händler, die die aufgeführten Waren auf dem EU-Markt in Verkehr bringen, bereitstellen oder aus dem EU-Markt ausführen, müssen verbindliche Sorgfaltspflichten einhalten.
Sie müssen die Erzeugnisse, die sie verkaufen, mit Satellitenbildern und GPS-Koordinaten bis zu dem Stück Land zurückverfolgen, auf dem sie erzeugt wurden. Dies hilft beim Nachweis, dass die Erzeugnisse nicht von entwaldeten oder geschädigten Flächen stammen. Über ein digitales System erhalten Behörden Angaben zum Ursprung der Erzeugnisse.
In einem Benchmarking-System wird jedem Land der EU und Drittland eine Risikokategorie für Entwaldung und Waldschädigung zugewiesen. Die Risikokategorie dient der Bestimmung, in welchem Umfang die Wirtschaftsbeteiligten und die Behörden der Mitgliedstaaten konkret verpflichtet sind, Inspektionen und Kontrollen durchzuführen.
Mit den Vorschriften wird dem Schutz der Menschenrechte im Zusammenhang mit Entwaldung Rechnung getragen. Sie enthalten außerdem Bestimmungen über Sanktionen für Händler, die die Vorschriften nicht einhalten. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit Partnerländern wird unterstützt.
Rechtlicher Hintergrund
Die Verordnung über entwaldungsfreie Produkte ist seit Juni 2023 in Kraft. Seitdem wurde sie vereinfacht, und ihre Anwendung wurde verschoben: für Kleinst- und Kleinprimärerzeuger auf den 30. Juni 2027 und für alle anderen Marktteilnehmer auf den 30. Dezember 2026.
Mit dieser gezielten Überarbeitung wird den Bedenken der Mitgliedstaaten und Interessenträger in Bezug auf den Verwaltungsaufwand und die Einsatzfähigkeit des IT-Systems Rechnung getragen. Gleichzeitig wird das Ziel der Verordnung, nämlich die Entwaldung und Waldschädigung in Verbindung mit in der EU in Verkehr gebrachten Erzeugnissen zu verhindern, in vollem Umfang gewahrt.
- Entwaldung: Rat billigt gezielte Überarbeitung zur Vereinfachung und Verschiebung der Verordnung (Pressemitteilung, 18. Dezember 2025)
- EU-Rechtsakt gegen Entwaldung: Rat nimmt Verschiebung um ein Jahr förmlich an (Pressemitteilung, 18. Dezember 2024)
- EU-Rechtsakt gegen Entwaldung: Rat und Parlament erzielen Einigung über gezielte Überarbeitung (Pressemitteilung, 4. Dezember 2025)
- Entwaldung: Rat bereit zu Gesprächen mit dem Europäischen Parlament über gezielte Überarbeitung der Entwaldungsverordnung (Pressemitteilung, 19. November 2025)
- Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (Europäische Kommission)
- Umsetzung der Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (Europäische Kommission)
Der aktuelle Stand der weltweiten Entwaldung
Nach Angaben des Weltressourceninstituts geht weltweit pro Minute eine Waldfläche der Größe von zehn Fußballplätzen verloren.
Hauptursache ist die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen. Mit dem Bevölkerungswachstum und steigender Nachfrage nach Lebensmitteln werden immer mehr Wälder gerodet, um Anbauflächen zu schaffen und die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern. Die Erzeugung von Waren wie Palmöl und Soja verursacht hohe Kosten für Wälder und die Umwelt.
Weltweiter Verlust an Waldflächen seit 1990 (in Mio. Hektar)
Ein Liniendiagramm zur Darstellung des weltweiten Verlusts an Waldflächen seit 1990. Im Jahr 2010 betrug der Verlust 143 Mio. Hektar und im Jahr 2025 203 Mio. Hektar.
Warum Wälder geschützt werden sollten
Wälder bedecken 30 % der Landfläche der Erde. Sie erfüllen eine Reihe von Funktionen, die unverzichtbar für die Gesundheit und das Wohlergehen des Menschen sowie für die Umwelt sind. Wälder sind Schutzräume der biologischen Vielfalt. In ihnen sind weltweit die meisten Arten von Landtieren, -pflanzen und -pilzen beheimatet.
Wälder: Zahlen und Fakten
Als wirkungsstarke Kohlenstoffsenken spielen Wälder auch eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung des Klimawandels. Sie absorbieren Treibhausgase und tragen zur Regulierung des Klimas bei.
Siehe auch
Widerstandsfähigkeit und Schutz der Wälder
Ein europäischer Grüner Deal
Maßnahmen der EU gegen den Klimawandel
Letzte Überprüfung: 6. Oktober 2026