Was ist die Kapitalmarktunion?
Die EU arbeitet an der Schaffung eines Binnenmarkts für Kapital, um die Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen zu verbessern und Sparern und Anlegern neue Möglichkeiten zu bieten – unabhängig davon, wo sie ansässig sind.
Warum die Vertiefung der europäischen Kapitalmärkte so wichtig ist
Offene, gut funktionierende und integrierte Kapitalmärkte sind für die EU von entscheidender Bedeutung, um ihren Binnenmarkt weiterzuentwickeln und Investitionen anzuziehen. Sie fördern Wachstum und Innovation, schaffen Arbeitsplätze und stärken die Wettbewerbsfähigkeit.
Mit der Entwicklung der Kapitalmarktunion – der Initiative zur Schaffung eines echten Binnenmarkts für Kapital in der gesamten EU – hat die EU die Funktionsweise ihrer Kapitalmärkte in den letzten Jahren erheblich verbessert.
Trotz erheblicher Wachstumsfortschritte der EU-Kapitalmärkte in den vergangenen Jahren – seit 2014 nahezu 50 % im Verhältnis zum BIP – besteht immer noch ein beachtliches Entwicklungsdefizit.
Die EU muss daher ihre Anstrengungen zur Weiterentwicklung ihrer Kapitalmärkte verstärken.
Stärker entwickelte und besser integrierte europäische Kapitalmärkte würden
- es Unternehmen, insbesondere KMU, ermöglichen, ihre Finanzierungsquellen zu diversifizieren,
- grenzüberschreitende Investitionen erleichtern und mehr ausländische Investitionen in der EU anziehen,
- das Finanzsystem der EU stabiler, widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger machen,
- das Angebot für Sparer erweitern und die Finanzierungskosten für Unternehmen senken,
- die Rolle des Euro als internationale Anlagewährung stärken,
- Investitionen in Innovation unterstützen und zum grünen und zum digitalen Wandel beitragen.
Neben einer gut funktionierenden Bankenunion würden tiefe und liquide Kapitalmärkte zur allgemeinen Widerstandsfähigkeit der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) beitragen.
Die Finanzmarktinfrastruktur der EU
Die Integration der europäischen Kapitalmärkte ist nach wie vor relativ gering. Der robuste und gut regulierte Bankensektor der EU deckt einen großen Teil des Finanzierungsbedarfs europäischer Unternehmen. Gleichzeitig sind es vor allem Banken und Versicherungsunternehmen, die den Bürgerinnen und Bürgern Spar- und Anlagemöglichkeiten bieten.
Die Finanzmarktinfrastruktur der EU / des Euro-Raums
Arrangeure/Anleger
- Banken 37 Billionen €
- Wertpapierfirmen 0,5 Billionen €
Investoren
- Investmentfonds 16 Billionen €
- Lebensversicherer 3 Billionen €
- private Rentenfonds 3 Billionen €
Die Kapitalmärkte in Europa sind nach wie vor entlang nationaler Grenzen gespalten und ihre finanzielle Integration liegt weiterhin unter dem Niveau von vor der weltweiten Finanzkrise. Zusammen mit der relativ geringen Größe der Kapitalmärkte erschwert diese Fragmentierung die grenzüberschreitende Risikoteilung. Dies verringert wiederum die Widerstandsfähigkeit der EU gegenüber Schocks.
Besserer Zugang zu Kapital für Unternehmen
Die EU muss sicherstellen, dass europäischen Unternehmen die Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die sie benötigen.
Insbesondere in der Start-up- und der Scale-up-Phase würden Unternehmen von tiefen und gut funktionierenden europäischen Risikokapitalmärkten profitieren. Derzeit dominieren ausländische Investitionen die Scale-up-Finanzierungsrunden. Dynamische und innovative Unternehmen in der EU verfügen oft nicht über ausreichendes Kapital, um im globalen Wettbewerb zu bestehen, und sind gezwungen, sich Finanzmittel im Ausland zu beschaffen oder ihr Unternehmen ins Ausland zu verlagern. So werden beispielsweise europäische Start-up-Unternehmen im Technologiebereich wesentlich häufiger von US-Unternehmen erworben als umgekehrt. Es gibt auch weniger Zugang zu Risikokapitalinvestitionen als in den USA, wo diese Investitionen im Jahr 2022 zehnmal so hoch wie in der EU waren.
Laut Untersuchungen des IWF führt die Fragmentierung der europäischen Kapitalmärkte außerdem dazu, dass Unternehmen aus verschiedenen Ländern mit Finanzierungskosten in unterschiedlicher Höhe konfrontiert sind.
Da die EU-Kapitalmärkte derzeit nicht ausreichend entwickelt sind, können Unternehmen die Finanzmittel und Investitionen, die gut integrierte europäische Kapitalmärkte anbieten könnten, nicht in vollem Umfang nutzen.
Dies beeinträchtigt auch die Attraktivität der EU als Anlagestandort und beeinflusst die Entscheidungen von Unternehmen, in der EU zu expandieren und an die Börse zu gehen.
Verbesserung der Finanzkompetenz in der gesamten EU
Die EU-Bürgerinnen und -Bürger müssen über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um finanzielle Entscheidungen treffen zu können, etwa um ein Bankkonto zu eröffnen, ein Darlehen aufzunehmen oder Investitionen zu tätigen. Jeder sollte in der Lage sein, die Risiken zu verstehen, die mit einer Kreditaufnahme oder Investition einhergehen.
Die Finanzkompetenz in der EU ist jedoch nach wie vor gering. Nach einer im Jahr 2023 veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage zur Finanzkompetenz verfügt etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in der EU nicht über ein ausreichendes Verständnis grundlegender Finanzkonzepte.
64 % der EU-Bürgerinnen und -Bürger verfügen über eine mittlere und 18 % über eine geringe Finanzkompetenz.
Um den Europäerinnen und Europäern dabei zu helfen, fundiertere finanzielle Entscheidungen zu treffen, und sie zu ermutigen, auf den europäischen Finanzmärkten zu investieren, hat der Rat am 14. Mai 2024 Schlussfolgerungen zu Finanzkompetenz gebilligt. Ziel ist es, der Kommission und den Mitgliedstaaten Leitlinien für Maßnahmen zur Verbesserung der Kenntnisse und des Verständnisses der Bürgerinnen und Bürger im Bereich Finanzen an die Hand zu geben.
Welche der folgenden Finanzprodukte besitzen Sie derzeit oder haben Sie in den letzten zwei Jahren besessen?
(% EU-27, Mehrfachantworten möglich)
Welche der folgenden Finanzprodukte besitzen Sie derzeit oder haben Sie in den letzten zwei Jahren besessen? (% EU-27, Mehrfachantworten möglich)
privates Renten- oder Altersvorsorgeprodukt: 22 %
Lebensversicherung: 31 %
Nichtlebensversicherung (z. B. Hausratversicherung, Kraftfahrzeugversicherung): 46 %
Hypothek oder Wohnbaudarlehen: 20 %
sonstiges Verbraucherdarlehen: 14 %
Anlageprodukt (Fonds, Aktien oder Anleihen): 24 %
Wertpapiere für Kryptowerte (einschließlich Kryptowährungen): 6 %
alle nicht zutreffend: 21 %
keine Angabe: 3 %
Weitere Informationen
Die internationale Rolle des Euro
Wirtschafts- und Währungsunion
Bankenunion
Letzte Überprüfung: 23. Mai 2024