Kompass für Wettbewerbsfähigkeit
Der Kompass für Wettbewerbsfähigkeit liefert einen Plan, der es Europa ermöglicht, sein Wirtschaftswachstum und seinen Wohlstand wiederzuerlangen.
Warum ein Kompass für Wettbewerbsfähigkeit?
Die Produktivität Europas ist in den letzten 20 Jahren hinter anderen großen Volkswirtschaften zurückgeblieben. Es besteht dringender Handlungsbedarf zur Wiederbelebung der Wettbewerbsfähigkeit Europas.
Aus diesem Grund haben die EU-Führungsspitzen in der Erklärung von Budapest vom November 2024 die Dringlichkeit der Umsetzung eines neuen Deals für die europäische Wettbewerbsfähigkeit betont, der in einem vollständig integrierten Binnenmarkt verankert ist.
Ein „Weiter so“ ist keine Option mehr.
Erklärung von Budapest
Auf Ersuchen der Führungsspitzen legte die Europäische Kommission im Januar 2025 den Kompass für Wettbewerbsfähigkeit vor.
Der Kompass stützt sich auf die Empfehlungen, die Mario Draghi in seinem Bericht über die Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit gegeben hat.
Ziele
Ziel des Kompasses ist es, unternehmerisches Handeln zu erleichtern und zu beschleunigen und den Wohlstand Europas zu sichern.
Der Kompass leitet die Arbeit der Kommission im Zeitraum 2024-2029 auf der Grundlage von drei Pfeilern:
- Schließung der Innovationslücke gegenüber den wichtigsten Wettbewerbern der EU
- Verknüpfung von Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit
- Verringerung von Abhängigkeiten und Erhöhung der Sicherheit
Innovation
Der erste Pfeiler konzentriert sich auf die Förderung von Wachstum durch Innovation.
Die EU-Führungsspitzen haben betont, dass ein innovationsfreundlicheres Umfeld auf der Grundlage exzellenter Wissenschaft gefördert werden muss, damit innovative Produkte schneller und in großem Maßstab auf den Markt kommen.
Nur eines von drei in der EU eingetragenen Patenten wird kommerziell verwertet. Um die Innovationslücke gegenüber den Wettbewerbern der EU zu schließen und Europa weltweit an die Spitze von Forschung und Innovation zu bringen, werden im Kompass für Wettbewerbsfähigkeit Vorschläge genannt, die Folgendes zum Ziel haben:
- Start-ups bei der Gründung und Expansion unterstützen
- die Entwicklung und den industriellen Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) fördern
- die EU-weiten Rechtsvorschriften vereinfachen und harmonisieren
- neue Finanzierungsprodukte (z. B. Risikokapital) fördern
- die Mobilität von Talenten erleichtern und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erhöhen
- Rechen-, Cloud-, Netzwerk-, Satelliten- und Daten-Infrastrukturen entwickeln
Darüber hinaus sollten neue Maßnahmen, die darauf abzielen, in strategischen Technologiesektoren eine Führungsrolle zu übernehmen – wie etwa KI, Halbleiter- und Quantentechnologien, fortgeschrittene Werkstoffe, Biotechnologie, Technologie für saubere Energie, Robotik, Raumfahrt, vernetzte und autonome Mobilität –, Europa in die Lage versetzen, sowohl seine technologische Souveränität als auch seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
- Die EU-Strategie für Start-ups und Scale-ups
- Eine europäische Strategie für Forschungs- und Technologieinfrastrukturen
- Ein strategischer Rahmen für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Bioökonomie in der EU
- Verordnung über den gesellschaftsrechtlichen Rahmen (28. Regime), Vorschlag der Kommission, 18. März 2026
Dekarbonisierung
Die EU-Länder sind entschlossen, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen.
Die Dekarbonisierungspolitik ist ein starker Wachstumsmotor, wenn sie gut in die Industrie-, Wettbewerbs-, Wirtschafts- und Handelspolitik integriert ist.
Gleichzeitig muss die EU, um wettbewerbsfähiger zu sein, die strukturellen Probleme angehen, die den hohen Energiepreisen in Europa und seiner Abhängigkeit von Einfuhren fossiler Brennstoffe zugrunde liegen.
Um die Wirtschaft effizient zu dekarbonisieren, umfasst der zweite Pfeiler des Kompasses für Wettbewerbsfähigkeit die folgenden Initiativen der Kommission:
- einen Deal für eine saubere Industrie und einen Rechtsakt zur beschleunigten Dekarbonisierung der Industrie, um Hersteller bei der Umstellung auf saubere Produkten und Technologien zu unterstützen und neue kreislauforientierte Geschäftsmodelle zu fördern
- einen Aktionsplan für erschwingliche Energie, um den Zugang zu preiswerter Energie zu erleichtern
- einen Fahrplan für den Ausstieg aus der Einfuhr fossiler Brennstoffe aus Russland, um die Energieabhängigkeit der EU zu verringern
- einen Aktionsplan für Elektrifizierung und ein Paket „Europäische Netze“ zur Modernisierung und Erweiterung des Energienetzes und der Energieinfrastruktur der EU
- Änderungen am EU-Klimagesetz, um das Ziel einer 90%igen Verringerung der Emissionen bis 2040 festzulegen
- einen Rechtsakt über die Kreislaufwirtschaft zur Förderung einer besseren Nutzung und Wiederverwendung von Ressourcen
- Deal für eine saubere Industrie
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Diese Publikation ist derzeit nur in folgender/folgenden Sprache(n) verfügbar:
- Aktionsplan für erschwingliche Energie
- Ein europäischer Aktionsplan für Stahl und Metalle
Sicherheit
Der Kompass unterstreicht sowohl die Bedeutung des Handels für den Wohlstand der EU als auch die Notwendigkeit für die EU, ihre Lieferketten zu diversifizieren, zu stärken und deren Widerstandsfähigkeit sicherzustellen.
Handel
Die Kommission beabsichtigt, zusätzliche Handelsabkommen sowie Partnerschaften für sauberen Handel und Investitionen zu unterzeichnen und umsetzen, um die Versorgung mit kritischen Rohstoffen, sauberer Energie, nachhaltigen Kraftstoffen und sauberen Technologien aus aller Welt zu sichern.
Die Kommission hat auch eine Plattform eingerichtet, mit der EU-Unternehmen bei der effektiven Beschaffung energieverbrauchsrelevanter Produkte und Rohstoffe unterstützt werden.
Die geplante Überprüfung der Vorschriften für die Vergabe öffentlicher Aufträge, einschließlich einer europäischen Präferenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, wird darauf abzielen, die technologische Sicherheit und die inländischen Lieferketten zu stärken.
Verteidigung
Der Kompass betont die Notwendigkeit einer weiteren Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten im Verteidigungsbereich, indem zunehmend auf gemeinsame Beschaffung sowie gemeinsame Forschung und Entwicklung zurückgegriffen wird und Ressourcen gebündelt werden.
Krisenvorsorge
Im Kompass wird auch betont, dass konkrete Maßnahmen erforderlich sind, um die Krisenvorsorge der EU in Bezug auf bestehende und potenzielle Bedrohungen zu verbessern.
Erfolgsfaktoren für die Wettbewerbsfähigkeit
Im Kompass werden fünf Wege aufgezeigt, wie die Wettbewerbsfähigkeit der EU in allen Sektoren sichergestellt werden kann.
Vereinfachung
Die Kommission hat eine Reihe von Vorschlägen zur Vereinfachung der Vorschriften, zur Verringerung des bürokratischen Aufwands und zur Beschleunigung von Verwaltungsverfahren vorgelegt, um Europa zu einem attraktiveren Investitionsstandort zu machen.
Eines der Ziele ist die Verringerung des Verwaltungsaufwands für KMU um mindestens 35 %.
Vereinfachung der EU-Vorschriften
Vollendung und Ausweitung des Binnenmarkts
Die Kommission möchte an der Beseitigung bestehender Hindernisse arbeiten, damit alle Unternehmen dank einer horizontalen Binnenmarktstrategie die Größenvorteile des Binnenmarkts voll ausschöpfen können.
Besondere Aufmerksamkeit wird KMU und Start-ups gewidmet werden.
Binnenmarkt
Finanzierung
Da ein wettbewerbsfähigeres, innovatives und dekarbonisiertes Europa einen großen Finanzierungsbedarf haben wird, muss die EU private Investitionen besser mobilisieren und öffentliche Mittel gezielter einsetzen. Aus diesem Grund hat die Kommission, eine Strategie für eine Spar- und Investitionsunion vorgelegt.
Der Kompass sieht auch folgende Vorschläge vor:
- Vertiefung der Integration der Kapitalmärkte in der EU
- Beitrag zur Mobilisierung von Kapital für europäische Projekte
- Lenkung von Ersparnissen in die Wirtschaft
- Schaffung zusätzlicher Finanzierungskapazitäten für Banken durch Förderung des Verbriefungsmarktes in der EU
Spar- und Investitionsunion
Die Kommission hat auch eine Umstrukturierung des nächsten langfristigen Haushalts (Mehrjähriger Finanzrahmen 2028-2034) vorschlagen, um die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu fördern.
Mit dem neuen Europäischen Fonds für Wettbewerbsfähigkeit (ECF) werden 14 bestehende Einzelprogramme in einem Regelwerk zusammengeführt, und es entsteht ein zentrales Portal für Antragsteller. Der Fonds umfasst vier Bereiche:
- Gesundheit, Biotechnologie, Landwirtschaft und Bioökonomie
- Resilienz, Sicherheit, Verteidigung und Weltraum
- digitale Führung
- sauberer Wandel und Dekarbonisierung der Industrie
Der langfristige EU-Haushalt 2028-2034
Kompetenzen
Um eine bessere Übereinstimmung zwischen der Verfügbarkeit von Kompetenzen und der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt sicherzustellen, will die Kommission im Rahmen verschiedener Pläne und Initiativen eine Union der Kompetenzen aufbauen.
Um Hindernisse zu beseitigen, die den Zugang zum Arbeitsmarkt einschränken, insbesondere für Frauen, junge Menschen, ältere Menschen, die erwerbstätig bleiben wollen, Geringqualifizierte und Menschen mit Behinderungen, beabsichtigt die Kommission außerdem, einen Fahrplan für hochwertige Arbeitsplätze vorzulegen.
Koordinierung der Politik
Die Kommission wird ein neues Koordinierungsinstrument für Wettbewerbsfähigkeit vorschlagen, dessen Ziel darin besteht, gemeinsame strategische Interessen auf EU- und nationaler Ebene besser aufeinander abzustimmen.
Es sollte der EU und den Mitgliedstaaten bei Folgendem helfen:
- in ausgewählten Schlüsselbereichen gemeinsame Prioritäten für die Wettbewerbsfähigkeit verfolgen
- bei Projekten von gemeinsamem europäischen Interesse zusammenarbeiten
Die Rolle des Rates im Kompass für Wettbewerbsfähigkeit
Der Europäische Rat ist für die Festlegung der politischen Gesamtstrategie und der Leitlinien für die EU zuständig.
„Ein wohlhabendes und wettbewerbsfähiges Europa“ wurde von den EU-Führungsspitzen als eines der Schlüsselelemente der strategischen Agenda für 2024-2029 genannt, in der die Prioritäten für die politische Arbeit der EU festgelegt sind.
Der Rat der EU fungiert im Rahmen des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens zusammen mit dem Europäischen Parlament als Mitgesetzgeber.
Dies bedeutet, dass die EU-Ministerinnen und -Minister in verschiedenen Ratsformationen die vorgeschlagenen Maßnahmen erörtern werden, sobald die Kommission die im Kompass für Wettbewerbsfähigkeit angekündigten Vorschläge für neue Rechtsvorschriften vorlegt. Der nächste Schritt werden Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament über die endgültige Form der Gesetze sein, bevor die neuen Vorschriften von beiden Organen angenommen werden und zu EU-Recht werden.
Siehe auch
Industrie
Maßnahmen der EU gegen den Klimawandel
Die Rolle der EU im Welthandel
Letzte Überprüfung: 16. Juni 2026